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Insektengiftallergie

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Eine Insektengiftallergie kann bei Betroffenen sogar zum Atemstillstand führen. (gertrudda / Fotolia)

Jeder 5. Österreicher zeigt eine allergische Reaktion auf Bienenstiche und Wespenstiche (Insektengiftallergie). Diese kann sehr schwere, unter Umständen sogar tödliche Auswirkungen haben.

Von gereizter Nasenschleimhaut bis hin zum Atemstillstand reichen die Symptome eines Allergikers nach dem Stich einer Biene. Der Prick-Test oder Intrakutantest kann Aufschluss über eine mögliche Insektengiftallergie geben. Allergiker sollten immer ein Notfallset bei sich haben, und ihre Umgebung informieren.

Häufigkeit

Systemische allergische Reaktion bei jedem Hundertsten

Etwa 20 % der Bevölkerung reagieren mit einer allergischen Reaktion auf den Stich einer Biene oder Wespe - und damit heftiger als normal: Größere Schwellung, verstärktes Jucken und Schmerzen. Bei 1 bis 5 %, also bei jedem 20. bis 100., bewirkt das Gift eine sogenannte systemische allergische Reaktion, das heißt, der ganze Körper ist betroffen.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Generell ist die Biene oder Wespe nicht darauf aus, Menschen anzugreifen und zu vergiften. Wenn sie sich allerdings bedroht fühlt, dann reagiert sie in Notwehr und sticht. Vorsichtsgebot Nummer eins daher: Beim Anblick von Biene oder Wespe Ruhe bewahren und heftige Bewegungen (Fuchteln) vermeiden.

 

Normale Reaktion auf Bienenstiche

Während des Stichs gibt die Biene oder Wespe das Gift über den Stachel unter die Haut ab. An der Einstichstelle bildet sich eine Quaddel (eine lokale Schwellung). Wer keine allergische Reaktion auf einen Bienenstich hat, bei dem zeigt sich eine örtlich begrenzte Hautreaktion mit Juckreiz. Die Ausnahme: Stiche am Hals und im Mund. Schwellen Luftröhre oder Zunge zu stark an, besteht die Gefahr zu ersticken. Daher im Sommer, vor allem im Freien, Getränke und Speisen abdecken und vor dem Biss/Schluck kontrollieren.

 

Allergische Reaktion auf Bienenstiche

Wie bei allen Allergien muss der Körper erst für das Gift sensibilisiert werden. Das bedeutet, dass der erste Stich nur sehr selten eine allergische Reaktion hervorruft, bei Insektengiftallergikern steigert sich die Reaktion jedoch mit jedem weiteren Stich.

 

Die häufigsten Symptome sind Nesselausschlag (Urtikaria), Ödeme (Schwellungen durch "Wasser" im Gewebe), Juckreiz und "Flush" (plötzliche Hautrötung) - und zwar nicht nur an der Stichstelle, sondern am ganzen Körper oder an großen Teilen des Körpers. Jedes Jahr sterben etwa 5 Menschen in Österreich an einem anaphylaktischen Schock nach einem Insektenstich. Seine Symptome treten innerhalb von 5 bis 15 Minuten nach dem Stich auf.

 

Die anaphylaktischen Reaktionen werden in 4 Schweregrade eingeteilt:

  • Schweregrad I: Nasenschleimhaut und Augen sind gereizt (Nase rinnt), Hautausschläge, Unruhe
  • Schweregrad II: Tachykardie (Herzrasen), Hypotonie (erniedrigter Blutdruck), Übelkeit, Schwellungen (Angioödem), Erbrechen, Durchfall
  • Schweregrad III: schwere Atemnot, pfeifende Atmung, Schwäche, Vernichtungsgefühl (Todesangst, Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein) und Bewusstseinstrübung
  • Schweregrad IV: schwerwiegende Herz-Kreislauf-Symptome wie Blutdruckabfall, Kollaps, Bewusstseinsverlust bis hin zum Atemstillstand

 

Hummeln und Hornissen haben übrigens ein sehr ähnliches Gift wie jenes der Bienen und Wespen, sie stechen aber extrem selten.

Diagnose

Hauttests (Prick-Test oder Intrakutantest) geben einen ersten Hinweis darauf, ob eine Allergie vorliegt oder nicht. Im Blut können die sogenannten IgE-Antikörper bestimmt werden, das sind jene Eiweiße im Blut, die auf ganz bestimmte Stoffe (Antigene bzw. Allergene) reagieren und die Symptome auslösen.

Therapie

Personen, die eine Allergie auf Insektenstiche haben, sollten immer ein Notfallset bei sich haben (Bienen können bei milderem Klima auch an warmen Wintertagen ausfliegen). Es enthält eine Antihistamin-Tablette, eine Kortisontablette und eine Adrenalinspritze, heute üblicherweise ein sogenannter "Pen", der einfach handzuhaben ist.

 

Weiters kann die Spezifische Immuntherapie (SIT) den Schweregrad der Symptome mindern helfen. Diese Maßnahme ist besonders gefährdeten Personen anzuraten, also etwa Gärtnern oder Müllarbeitern, die beruflich stark mit den Insekten konfrontiert sind, oder sportlichen Jugendlichen, bei denen die SIT besonders gut wirkt und die wohl nicht immer daran denken, sich im Freien Schuhe anzuziehen.

Vorbeugung gegen Insektenstiche - Was tun?

  • Informieren Sie Ihr Umfeld über Ihre Allergie und das Notfallset.
  • Versehen Sie die Fenster der Wohnung mit Fliegengittern.
  • Wespennester am Haus von der Feuerwehr entfernen lassen.
  • Essen und Trinken im Freien immer kontrollieren. Gläser und Schüsseln abdecken.
  • Beim Picknick nicht neben Mistkübeln sitzen. Den eigenen Abfall in einem Sackerl verpacken und von einem Nichtallergiker zum Mistkübel tragen lassen.
  • Keine hektischen Bewegungen in der Nähe von Bienen oder Wespen, da sie dies als Angriff "missverstehen" und in Notwehr stechen können.
  • Besonders auf Wiesen und im Garten immer Schuhe (nicht Sandalen) tragen. Leichte, langärmelige Kleidung und lange Hosen sind besser als kurzärmelige Shirts und kurze Hosen, helle Kleidung besser als dunkle.
  • Lernen Sie Bienen und Wespen (am besten auch ähnliche Insekten) zu unterscheiden, um dem Arzt sagen zu können, welches Tier gestochen hat.
  • Insektenschutzmittel (Repellents) helfen übrigens zwar gegen Gelsen, aber kaum gegen Bienen und Wespen.
  • Führen Sie Ihren Allergiepass immer mit. Im Falle eines allergischen Schocks können Notarzt und Sanitäter ablesen, auf welches Insektengift Sie reagieren und Sie rasch mit den richtigen Medikamenten versorgen.
AUTOR


Livia Rohrmoser


ERSTELLUNGSDATUM


09.12.2013
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Beatrix Tichatschek
Allgemeinmedizinerin
QUELLEN
Interview mit Dr. Beatrix Tichatschek am 14.08.2013
Collegium publicum "Insektenstichallergie - Diagnose, Therapie und Prophylaxe", Billrothhaus Wien, 06.03.2010
Leitlinie Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie, Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) (Hrsg.). In: Allergo J 2011; 20: 318–339

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