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Wie sich Pollenallergie und COVID-19 unterscheiden

Eine Pollenallergie soll nicht mit Covid-19 verwechselt werden
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Die Nasenschleimhaut ist ein wichtiger Angriffspunkt, sowohl für Pollen als auch für Viren. (Lightspring/Shutterstock.com)

Wer sich nach einem Aufenthalt im Freien krank fühlt, muss nicht mit dem Coronavirus infiziert sein: es kann auch eine Allergie hinter den Symptomen stecken.

Pollenallergiker haben laut einer ersten derartigen Studie (siehe Quellen) wahrscheinlich kein höheres Risiko, an COVID-19 zu erkranken, als Menschen ohne Heuschnupfen. Ihre körpereigene Abwehr gegen Viren und Bakterien funktioniert ganz normal – ihr Immunsystem ist also nicht geschwächt. Im Gegenteil, es reagiert sogar zu stark: denn es stuft die harmlosen Pollen, die durch die Luft schwirren, als Stoffe ein, gegen die es sich mit allerlei körperlichen Symptomen zur Wehr setzt.

Symptome von Allergie und COVID-19

Allergiker fühlen sich während der Zeit des Pollenflugs oftmals miserabel: die Nase läuft oder ist verstopft, die Augen jucken, sie bekommen schlecht Luft durch die Nase, und vor allem auch, wenn sie allergisches Asthma haben – und ihr Schlaf ist beeinträchtigt. "Aktuell verunsichert das, da einige Allergikerinnen und Allergiker fürchten, an COVID-19 erkrankt zu sein", weiß Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung an der MedUni Wien und Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI).

 

Aber es gibt einige Hinweise darauf, dass es sich nicht um eine Coronavirus-Infektion handelt. Vor allem, wenn man …

  • … schon die Jahre zuvor an den wiederkehrenden Pollen gelitten hat
  • … kein plötzlich auftretendes Fieber hat
  • … zwar Atemprobleme durch eine rinnende oder verstopfte Nase oder pfeifende Atemgeräusche aufweist, aber keinen plötzlich auftretenden trockenen Husten oder rasselnde Atemgeräusche – die Nase ist bei COVID-19 trocken
  • … sich schleichend, besonders seit die Pollen fliegen, müde und abgeschlagen fühlt, wenn aber weder Muskeln, Gelenke, Hals oder Kopf schmerzen (hinter diesen Symptomen könnte auch eine Influenza-Infektion stecken)
  • ... weder unter Übelkeit und Erbrechen noch unter Durchfall leidet
  • … seine Symptome durch Antihistaminika lindern kann

 

Eine Allergie geht typischerweise mit Juckreiz der Augen und Nase, mit Niesreiz und feuchtem Schnupfen einher, sowie mit einer schleichend auftretenden Abgeschlagenheit. Typischerweise kennen Allergiker die Symptome aus den vorhergehenden Jahren und sie steigern sich mit dem Pollenflug. Es kommt kein Fieber vor.

 

Wenn jedoch plötzlich Fieber in Kombination mit trockenem Husten auftritt, sowie Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen, oder Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall, könnte es sich um eine COVID-19-Erkrankung handeln. Typischerweise kann (aber muss nicht) etwa 1-2 Wochen vor diesen Symptomen der Geruchs- und Geschmackssinn signifikant beeinträchtigt sein. Wählen Sie in diesem Fall 1450 und lassen Sie sich beraten!

Behandlung der Allergie weiterführen

Heuschnupfen-Therapie und Immuntherapie: Bei Verdacht auf eine COVID-19 Infektion sollen Pollenallergiker ihre Allergie-Therapie fortsetzen. Sowohl die Therapie der Symptome des Heuschnupfens, z. B. durch Antihistaminika, als auch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mittels Tabletten, Tropfen oder Spritzen können bei einem moderaten COVID-19-Krankheitsverlauf fortgeführt werden.

 

Allergisches Asthma: Auch und besonders bei allergischem Asthma sollen die verordneten Medikamente weiter eingenommen werden: Die inhalierten Kortison-Mengen sind so gering, dass sie der körpereigenen Abwehr nichts anhaben können. Im Gegenteil: gefährlicher ist es, seine Dauermedikation abzusetzen und so einen Asthmaanfall zu riskieren oder einen ansonsten unnötigen Arztbesuch, samt der Gefahr, sich dort einen Virus einzufangen. Virusinfektionen sind in Kombination mit unkontrolliertem Asthma gefährlicher, weil sie Anfälle begünstigen. Bei COVID-19 besteht ohnehin schon Atemnot.

Immunabwehr stärken

Die Schleimhäute im Mund-, Rachen- und Nasenraum spielen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern. Sie müssen aber gut befeuchtet sein, um Krankheitserreger wie Viren und Bakterien unschädlich zu machen, sowie um Pollen weniger Angriffsfläche zu bieten.

 

Viel trinken: Trockene Schleimhäute sind generell leichter reizbar, weswegen der Pollenwarndienst der MedUni Wien empfiehlt, in der Pollensaison besonders auf ausreichende Befeuchtung, z. B. durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr, zu achten.

 

Nasenspülung und Gesichtsdusche: "Nasenspülungen mit Meerwasser oder befeuchtende Nasensprays, z. B. mit Hyaluronsäure, können ebenfalls hilfreich sein", erklärt Prof. Jensen-Jarolim. Der Pollenwarndienst empfiehlt Allergikern zudem eine regelmäßige Gesichtsdusche, da kaltes Wasser bei brennenden Augen oder juckender Haut sowie bei Spannungskopfschmerz lindernd wirkt.

 

Gesunder Lebensstil: Eine ausreichende Befeuchtung der Schleimhäute sei aber vor allem eine Frage des Lebensstils. "Dazu zählen: gute Ernährung; genügend Flüssigkeitszufuhr über den Tag; Vermeidung von aktivem und passivem Rauchen; Vermeidung klimatisierter Räume und genügende Belüftung von außen – außer bei Pollenallergikern in der Pollensaison, sowie körperliche Betätigung", macht Prof. Jensen-Jarolim aufmerksam.

 

Sport: Oft litten auch Frauen nach der Menopause wegen des sinkenden Östrogenspiegels vermehrt an trockenen Schleimhäuten. "Ein Wundermittel ist sportliche Betätigung mit einer altersgemäßen Erhöhung des Pulses. Rote Wangen sind ein Hinweis, dass auch die Nase besser durchblutet ist", so die Allergologin. Dadurch würden die Blutgefäße in der Nase "durchgeputzt", und könnten wieder genügend Flüssigkeit in das Schleimhautgewebe bringen.

Zum Weiterlesen

Lesen Sie hier mehr über das Coronavirus bzw. verfolgen Sie aktuelle Entwicklungen im Liveticker mit. Nähere Informationen zur Therapie von Heuschnupfen und zur spezifischen Immuntherapie finden Sie hier, außerdem haben wir Tipps zu sportlicher Betätigung trotz Pollenallergie für Sie gesammelt.

AUTOR


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc


ERSTELLUNGSDATUM


27.03.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim
Foto (c): MedUni Wien/Matern
Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien und AllergyCare Allergiediagnose in der Privatklinik Döbling
QUELLEN
"Birkenpollen-Saison wird intensiv", Presseaussendung der MedUni Wien, des Pollenwarndienstes und der Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung, 19.03.2020.
"Coronavirus - Kein erhöhtes Risiko für Pollenallergiker", Presseaussendung der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) und der Europäischen Allergiestiftung (ECARF), 17.03.2020.

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