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Postoperative Wundinfektionen vermeiden

Schild: Hygiene/Infektion
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Trotz großer Sorgfalt in den Operationssälen und trotz aller Fortschritte in der Chirurgie zählen Wundinfektionen nach Operationen nach wie vor zu den gefürchteten Komplikationen. (K.C. / Fotolia)

Expertenschätzungen zufolge könnten die Hälfte von Wundinfektionen nach operativen Eingriffen durch entsprechende Hygienemaßnahmen im Vorfeld verhindert werden.

Schätzungen zufolge sterben in Österreich pro Jahr rund 2.400 Menschen an sogenannten „Krankenhauskeimen“ – das sind gut fünf Mal so viele Tote wie im Straßenverkehr. Postoperative Wundinfektionen gehören trotz sorgfältiger Hygienemaßnahmen und moderner chirurgischer Methoden nach wie vor zu den gefürchteten Komplikationen. Kommt es zu einer solchen – durch bestimmte Bakterien verursachte – Infektion, werden Antibiotika zur Therapie eingesetzt. Durch deren massiven – und häufig ungerechtfertigten – Einsatz entwickeln diese Erreger jedoch zunehmend Resistenzen, Antibiotika verlieren also ihre Wirkung. Durch präventive hygienische Maßnahmen will man bereits im Vorfeld das Infektionsrisiko verringern. Im Fachjargon wird das "präoperative Patientendekontamination" genannt.

Patienten können ihren Teil beitragen

"Ein großer Anteil dieser Infektionen wird durch das Bakterium Staphylococcus aureus verursacht, welches viele Patienten symptomlos als Bestandteil der Hautflora auf sich tragen können. Durch die sogenannte Patientendekontamination eines solchen Trägers vor einer Operation kann das Risiko einer späteren Wundinfektion deutlich gesenkt werden“, so Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Konkret bedeutet dies für die Patienten Ganzkörperwaschungen mit einem bestimmten antibakteriellen Duschgel und die Anwendung einer Nasensalbe bereits fünf Tage vor dem Eingriff. Dies sollte im Vorfeld mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Ein Nasenabstrich und eine anschließende Analyse geben zudem Aufschluss, ob man überhaupt zu den 15 bis 20 % der Bevölkerung zählt, die Träger dieser Bakterien sind. Wenn diese Hygienemaßnahme angewendet wird, sollte diese allerdings auch auf eine kurze Dauer beschränkt bleiben, da ansonsten die gesamte Hautflora überstrapaziert wird.

Die Kosten trägt der Patient

Diese Vorsorgemaßnahme wird von den Krankenkassen nicht finanziert. Dennoch wird sie in Anspruch genommen. „Wir beobachten, dass die Patientinnen und Patienten gerne ihren Beitrag zur Vermeidung von postoperativen Infektionen leisten und somit mithelfen.“ Gerlinde Angerler, BA, Leiterin des Teams Krankenhaushygiene im Orthopädischen Spital Speising und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, hob hervor, dass „eine österreichweite Umsetzung aus meiner Sicht jedoch nur erfolgen kann, wenn die Kosten dafür von der öffentlichen Hand getragen werden“.

 

„Die präoperative Hygiene, also Dekontamination von 'natürlichen' Keimen der patienteneigenen Hautflora ist ein neuer Aspekt, der die Ergebnisse hinsichtlich Wundinfektion noch weiter optimieren wird. Neben der medizinischen Seite spielt dabei die finanzielle eine gewichtige Rolle“, betonte Univ.-Prof. Tuchmann, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie.

 

Experten setzen sich nun dafür ein, die Rolle von Hygienefachkräften zu stärken und die präventiven Maßnahmen strukturell umzusetzen. Zudem fordern sie die Übernahme der Kosten dafür seitens der Krankenversicherungen.

Experten für Krankenhaushygiene
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Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian, Gerlinde Angerler, BA und Univ.-Prof. Dr. Albert Tuchmann sind sich einig über den Nutzen der "präoperativen Patientendekontamination". (Foto: Welldone Werbung und PR)
AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


14.11.2018

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