×
×
articleicon

Sepsis: Ursachen, Verlauf und Therapie

Was eine Sepsis ist und wie man sie erkennt.
Diesen Artikel mit Freunden teilen
Schätzungen zufolge erkranken jährlich etwa 18.000 Menschen in Österreich an einer Sepsis. (Roobcio/Shutterstock.com)

Eine Sepsis (früher unzureichend als "Blutvergiftung" bezeichnet) entsteht, wenn Krankheitserreger in den Blutkreislauf gelangen und im Körper eine überschießende Immunreaktion auslösen.

In der Folge treten Fehlfunktionen der verschiedenen Organsysteme (z. B. Atmung, Herz-Kreislauf, Niere, Leber, …) auf. Obwohl die Sepsis eine der häufigsten Todesursachen weltweit darstellt, wird sie oft unterschätzt.

Häufigkeit der Sepsis

Jährlich erkranken europaweit mehr als eine halbe Million Menschen an Sepsis. Für Österreich liegen keine genauen Zahlen vor, Schätzungen gehen aber von etwa 18.000 Fällen aus. Bei der Hälfte der Menschen nimmt die Erkrankung einen schweren Verlauf. Für etwa 6.700 PatientInnen endet eine Sepsis tödlich. 

Ursachen der Sepsis

Einer Sepsis liegt eine schwere Infektion durch Mikroben – meist Bakterien, aber auch Viren oder Pilze – zugrunde. In der Regel gelingt es dem Organismus, diese Erreger unschädlich zu machen. Im Falle einer Sepsis ist das aber nicht der Fall: Die Infektion kann sich dann im gesamten Körper ausbreiten und das Immunsystems reagiert überschießend. Die weißen Blutkörperchen setzen zur Abwehr bestimmte Botenstoffe frei. Diese verändern die Durchlässigkeit der kleinen Blutgefäße, wodurch massive Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe entstehen. Zudem bilden sich kleine Blutgerinnsel, welche die Durchblutung der Organe beeinträchtigen. Bei der Maximalausprägung der Erkrankung, dem septischen Schock, können die Organe dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, es enststeht ein Multiorganversagen. 

 

Auslöser können beispielsweise Lungen-, Harnwegs- oder Bauchfellentzündungen sein. Weiters können äußere Verletzungen und entzündlich veränderte Wunden eine Sepsis hervorrufen. Auch nach Operationen und anderen medizinischen Eingriffen kann es zu einer Sepsis kommen. Kinder, alte und immungeschwächte Menschen haben ein höheres Risiko, an einer Sepsis zu erkranken.

Symptome der Sepsis

Die Symptome einer Sepsis können sehr unterschiedlich sein, in jedem Fall fühlt sich der Patient jedoch sehr krank. Anzeichen sind unter anderem:

  • hohes Fieber und/oder Schüttelfrost
  • Abfallen des Blutdrucks, erhöhter Puls
  • beschleunigte Atmung
  • plötzliche Verwirrtheit
  • Müdigkeit und Kraftlosigkeit
  • Hautveränderungen

Diagnose der Sepsis

Für die Diagnose erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung: Unter anderem werden Blutdruck, Pulsfrequenz, Atemfrequenz, Temperatur und Sauerstoffgehalt im Blut gemessen. Weiters wird eine orientierende neurologische Untersuchung vorgenommen. Im Labor werden unterschiedliche Körperflüssigkeiten (z. B. Blut, Harn, …) auf das Vorliegen von Bakterien, Pilzen etc. überprüft. Ziel ist die rasche Identifikation des Sepsis-Erregers, um diesen gezielt bekämpfen zu können. Die eindeutige Bestimmung des Erregers gestaltet sich jedoch häufig schwierig. Zusätzlich sind dann oft noch bildgebende Verfahren (z. B. Ultraschall-, Computertomographie- oder Röntgenuntersuchungen) nötig, um den Infektionsherd zu lokalisieren.

Therapie der Sepsis

Die Therapie erfolgt im Krankenhaus, je nach Krankheitsschwere auf der Normal- oder Intensivstation. Bei der Behandlung steht die Bekämpfung des Sepsis-Erregers im Vordergrund. Dies erfolgt vor allem durch die Gabe von Antiinfektiva. Da meist Bakterien die Auslöser sind, wird zunächst ein Breitbandantibiotikum verabreicht, das sich gegen viele unterschiedliche Bakterien richtet. Ist der tatsächliche Erreger ausgeforscht, kann eine gezielte antibiotische Behandlung erfolgen. Wenn möglich wird der Infektionsherd chirurgisch oder interventionell radiologisch entfernt/abgeleitet. Zusätzlich wird der Ausgleich der oben beschriebenen Flüssigkeitsverschiebungen durch die Gabe von Infusionen angestrebt. 

 

Abhängig von der Krankheitsschwere, aber auch von ev. vorbestehenden Erkrankungen können weitere therapeutische Maßnahmen erforderlich werden. Diese zielen darauf ab, die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten bzw. zu stabilisieren und betreffen die unterschiedlichen Organsysteme. Im Falle eines Lungenversagens kann beispielsweise eine maschinelle Beatmung oder im Falle eines Nierenversagens eine Ersatztherapie in Form einer Dialyse notwendig werden.

 

Für die Prognose der Sepsis ist rasches Handeln von Bedeutung; internationale Initiativen wie z. B. die Surviving Sepsis Campaign haben Maßnahmenbündel definiert, wobei die ersten Maßnahmen (Antibiotikum, Flüssigkeit etc.) innerhalb von einer Stunde nach Stellen der Verdachtsdiagnose umgesetzt werden sollen.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


09.09.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Eva Schaden, EDIC
Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie, Bereichsleitende Oberärztin Intensivstation 13c1 Vorstandsmitglied und Stellvertreterin Intensivmedizin der ÖGARI (Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin)
QUELLEN
Interview mit Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Eva Schaden, EDIC am 09.09.2019
Presseaussendung der Österreichische, Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI), der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH) und der Patientenanwaltschaft vom 25.07.2019

Cookie-Informationen zu dieser Website


Wir verwenden Cookies zur Bereitstellung von minimed.at, für nutzerfreundliche Features und Social-Media-Funktionen, um Zugriffe zu analysieren, relevante Inhalte vorzuschlagen und gemeinsam mit unseren Werbepartnern auf das Surfverhalten abgestimmte Werbeanzeigen einzublenden. Hier können Sie alle zustimmungspflichtigen Cookies akzeptieren oder ablehnen:


oder weitere Informationen in unserer Cookie-Richtlinie einsehen. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit widerrufen. Informationen zu den Auswahl- und Kontrollmöglichkeiten und zur Ausübung des Widerrufs- oder Widerspruchsrechtes finden Sie in unserer Datenschutzinformation.

Bitte beachten Sie, dass manche Cookies für den reibungslosen Betrieb von minimed.at unerlässlich sind. Solange Sie zustimmungspflichte Cookies nicht akzeptiert haben, werden nur solche Cookies gesetzt, die erforderlich sind, um die reibungslose Nutzung von minimed.at zu ermöglichen. Diese dienen nicht dazu, personenbezogene Daten zu sammeln und werden von Ihrer Zustimmung unabhängig verwendet.