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Streptokokken-Infektion

Grafische Darstellung von Streptokokken
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Streptokokken können beim Menschen verschiedenste Krankheiten verursachen. (Kateryna Kon / Shutterstock.com)

Streptokokken sind eine Gruppe vielfältiger Bakterien, die Infektionen und in weiterer Folge verschiedene Erkrankungen auslösen können.

Die Erkrankungen, die Streptokokken auslösen können, reichen von Mandelentzündung und Halsentzündung über Lungenentzündung bis zu Blutvergiftung (Sepsis). Die Bakterien besiedeln Haut und Schleimhaut in Mund, Darm und Vagina. Sie werden erst bedrohlich, wenn sie sich stark vermehren. Nach einer behandelten Infektion erlangt man keine Immunität, eine erneute Ansteckung ist immer wieder möglich.

Zusammenfassung

  • Streptokokken der Gruppe B werden über Tröpfchen- oder Schmierinfektion oder während der Geburt über den Geburtskanal übertragen, Streptokokken der Gruppe A durch Sekrete.
  • Die Inkubationszeit beträgt etwa ein bis drei Tage.
  • Es gibt unterschiedliche Arten von Streptokokken, die jeweils verschiedene Krankheitsbilder auslösen können.
  • Unbehandelt kann sich die Infektion auf andere Körperareale ausbreiten.
  • Einer Infektion kann durch gründliche Handhygiene sowie durch Social Distancing vorgebeugt werden.

Streptokokken-Infektion im Überblick

Art

durch Bakterien (Streptokokken) hervorgerufene Entzündung

Erreger

Bakterien der Gattung Streptococcus

Übertragung

Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion

Inkubationszeit

1 – 3 Tage

Symptome

je nach Lokalisation Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Schmerzen an der betreffenden Stelle, Ausschlag

Therapie

Antibiotika

Was sind Streptokokken?

Streptokokken sind kugelförmige Bakterien, die sich in Paaren oder Ketten anordnen. Es gibt zahlreiche Subtypen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Man unterscheidet zunächst anhand des Hämolyseverhaltens. Als Hämolyse wird die Auflösung von roten Blutkörperchen bezeichnet. Hierbei unterscheidet man zwischen:

  • alpha-hämolysierende (vergrünende) Streptokokken
  • beta-hämolysierende Streptokokken (vollständige Hämolyse)
  • gamma-hämolysierende Streptokokken (keine Hämolyse)

Die hämolysierenden Streptokokken werden nach der sogenannten Lancefield-Klassifikation weiter unterteilt. Hierbei gibt es Gruppen von A bis Q. Je nach Zugehörigkeit lösen sie unterschiedliche Erkrankungen aus. Nicht alle Arten von Streptokokken sind für den Menschen gefährlich – von Bedeutung sind:

  • Streptokokken der Gruppe A: Diese lösen häufig Entzündungen der Mandeln und Nebenhöhlen, des Mittelohrs oder Rachens, Scharlach oder eine Blutvergiftung (Sepsis) aus.
  • Streptokokken der Gruppe B: Sie können vorwiegend bei sehr jungen und eher älteren Menschen sowie jenen mit einem geschwächten Immunsystem Beschwerden verursachen. Typisch sind Wundinfektionen oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis). Ist die Vagina während der Schwangerschaft infiziert, kann das Baby an einer Neugeborenensepsis erkranken. Eine Übertragung kann durch die Gabe von Antibiotika während der Geburt weitgehend verhindert werden.
  • Enterokokken: Diese gehörten früher zur Gruppe D, zählen heute allerdings als eigenständige Form. Sie sind Teil der Darmflora und sind u.a. Erreger von Blasenentzündungen.
  • Viridans-Streptokokken (Oralstreptokokken): Sie befinden sich in der Mundhöhle jedes Menschen und gelten beispielsweise als Auslöser von Zahnkaries. Außerdem können sie eine Blinddarmentzündung oder eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) hervorrufen, wenn sie beispielsweise aufgrund einer Zahnfleischentzündung in die Blutbahn gelangen.
  • Pneumokokken: Diese besiedeln den Nasenrachenraum und können schwere Infektionen oder Lungenentzündungen verursachen.

Ursachen einer Streptokokken-Infektion

Streptokokken sind Bakterien, die natürlicherweise den menschlichen Körper besiedeln und nicht zwangsläufig symptomatische Infektionen hervorrufen. Man geht davon aus, dass Alter, Immunsystem und auch das Klima Einfluss auf Ausbrüche haben. So neigen beispielsweise Kinder während der kalten Jahreszeit eher zu Streptokokken-Infektionen. Beengte Verhältnisse, etwa in Schulen oder Kasernen, begünstigen die Ausbreitung.

 

Die verschiedenen Bakterienarten werden auf unterschiedliche Art und Weise übertragen, etwa über Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen), über Schmierinfektion (Kontakt mit infizierten Wunden) oder über Vaginalsekrete im Geburtskanal von der Mutter auf das Neugeborene.

 

Die Inkubationszeit – also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit – beträgt in der Regel ein bis drei Tage.

Symptome einer Streptokokken-Infektion

Streptokokken können zahlreiche Krankheiten auslösen. Allgemeines Unwohlsein, Fieber und Schüttelfrost sind Symptome, die in der Regel mit einer Infektion einhergehen. Je nach Krankheitsbild und Lokalisation gibt es weitere unterschiedliche Anzeichen für eine Streptokokken-Infektion. Beispiele dafür sind:

  • Streptokokken-Angina bzw. Pharyngitis (Rachenentzündung): Starke Halsschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und allgemeines Unwohlsein sind typische Symptome einer Rachen- und Mandelentzündung. Die Infektion kann auch im Mittelohr, den Nasennebenhöhlen oder den Atemwegen auftreten.
  • Scharlach: Klassische Kinderkrankheit, die einen typischen nicht juckenden Hautausschlag, Halsschmerzen, geschwollene Lymphknoten und Fieber verursacht. Kennzeichnend ist auch die nach einigen Tagen sehr rote Zunge ("Erdbeerzunge") und das Schuppen der Haut.
  • Phlegmone: Die Infektion der Haut und des darunterliegenden Gewebes geht oft mit Schmerzen, Empfindlichkeit, Wärmegefühl und Fieber sowie Schüttelfrost einher. Mitunter können sich auch Bläschen bilden.
  • Impetigo: Es bilden sich kleine Bläschen, die aufplatzen und eine honigfarbene Kruste bilden.
  • Nekrotisierende Fasziitis: Hierbei ist das Bindegewebe, das die Muskeln bedeckt, infiziert. Es treten plötzlicher Schüttelfrost, Fieber und starke Schmerzen auf. An der betreffenden Stelle ist ein Druckschmerz zu spüren.

 

Mögliche Komplikationen

In manchen Fällen breitet sich die Infektion auf weiteres Gewebe aus. Zwei bis drei Wochen nach einer Rachenentzündung kann die Infektion das Akute Rheumatische Fieber (ARF) oder eine Glomerulonephritis (Entzündung des Nierengewebes) auslösen.

 

Eine schwerwiegende Komplikation ist auch das Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom (STSS, Toxisches Schock-Syndrom): Gelangen Streptokokken ins Blut, kann sich eine Blutvergiftung entwickeln. Eine rasche Behandlung ist wichtig, um ein Multiorganversagen und damit einen tödlichen Verlauf zu verhindern.

Diagnose einer Streptokokken-Infektion

Erste Anhaltspunkte für eine Infektion mit Streptokokken liefern zunächst die Symptome sowie der Krankheitsverlauf. Je nachdem, wo sich die Infektion befindet, sind diese unterschiedlich ausgeprägt und geben individuelle Anhaltspunkte.

 

Um nachweisen zu können, ob tatsächlich eine virale oder bakterielle Infektion vorliegt und ob eine antibiotische Therapie notwendig ist, steht ein Streptokokken-Schnelltest zur Verfügung. Das Ergebnis liegt innerhalb weniger Minuten vor, doch kann es höchstens einen Hinweis auf eine Streptokokken-Infektion geben. Eine endgültige Diagnose ist so nicht möglich, zudem spricht der Test nicht auf alle Streptokokken-Arten an.

 

Um sicherzugehen, muss eine Bakterienkultur angelegt werden. Für den Abstrich wird mit Hilfe eines Wattestäbchens an der betreffenden Stelle (z.B. Rachen oder Wunde) eine Probe entnommen. Anschließend werden die Bakterien auf einem speziellen Boden kultiviert. Ein kultureller Nachweis kann auch Hinweise auf weitere Krankheitserreger bieten.

 

Besteht der Verdacht einer systemischen Infektion, ist eine Blutprobe erforderlich.

 

Um eine nekrotisierende Fasziitis zu identifizieren, wird neben einer Bakterienkultur meist eine Röntgenuntersuchung, eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztherapie (MRT) durchgeführt.

Streptokokken: Behandlung

Eine schnelle Reaktion kann verhindern, dass sich die Infektion ausbreitet und Komplikationen auslöst. Meistens erfolgt die Behandlung mit einem Antibiotikum und je nach Schweregrad der Erkrankung ambulant oder stationär im Krankenhaus.

 

Bei leichten Infektionen werden die Medikamente oral in Form von Tabletten oder Saft, in schweren Fällen intravenös mittels Infusion verabreicht. Penicillin, aber auch Amoxicillin oder Ampicillin, kommen häufig zum Einsatz. Liegt beim Patienten eine Penicillin-Allergie vor, können alternativ auch Erythromycin, Clarithromycin, Clindamycin oder Azithromycin verabreicht werden. Die Angaben des Arztes müssen unbedingt streng eingehalten werden, eine Antibiotika-Therapie sollte nicht eigenständig vorzeitig abgebrochen werden.

 

Im Falle einer Infektion während der Schwangerschaft erhält die Mutter bei der Geburt ein Antibiotikum, um das Baby vor einer Ansteckung zu schützen. Bei einer nekrotisierenden Fasziitis bedarf es eines operativen Eingriffs, um infiziertes und beschädigtes Gewebe zu entfernen.

 

Ansteckungsdauer

Unbehandelt ist von einer Ansteckungsdauer von bis zu drei Wochen auszugehen, insbesondere wenn es sich dabei um eine eitrige Infektion handelt. Erhält der Betroffene ein Antibiotikum, ist er in der Regel bereits 24 Stunden nach Beginn der Therapie nicht mehr ansteckend.

Streptokokken-Infektion vorbeugen

Eine Infektion mit Streptokokken gänzlich zu verhindern, ist schwierig. Was Sie allerdings tun können:

  • Hygienemaßnahmen einhalten: Häufiges Händewaschen, insbesondere nach Kontakt mit einem Infizierten, sowie die Einhaltung der Hygiene-Etikette (Husten und Niesen in die Ellenbeugen, Wegwerfen des benutzten Taschentuchs, etc.). Besonders ältere Personen sollten Abstand zu infizierten Personen halten.
  • Pneumokokken-Impfung: Pneumokokken besiedeln den Nasen-Rachen-Raum und können gefährliche Lungenentzündungen auslösen. Die Impfung wird für Säuglinge ab dem dritten Lebensmonat sowie für gesunde Menschen ab 60 Jahren empfohlen. 
AUTOR


Mag. Birgit Guth
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


11.05.2022
MEDIZINISCHER EXPERTE
Prim. MedR. Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl MBA
Foto (c): privat
Facharzt für Pädiatrie, Gründer des Kindergesundheitszentrums Donaustadt in Wien
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