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Typhus

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Typhus kann durch verunreinigtes Leitungswasser übertragen werden. (Adam Ján Figeľ / Fotolia)

Typhus ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Salmonella typhi hervorgerufen wird und vor allem in tropischen Regionen verbreitet ist. Die Erreger gelangen über kontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel in den Körper und rufen nach einer Inkubationszeit von 1 bis 3 Wochen grippeähnliche Symptome hervor.

Entgegen der geläufigen Annahme ist Typhus keine typische Durchfallerkrankung, sondern eine Salmonellenerkrankung, die sich nicht auf den Darmtrakt beschränkt. Den besten Schutz bieten Impfung und Hygienemaßnahmen. Ist die Krankheit ausgebrochen, helfen Antibiotika. Weltweit erkranken jährlich 21 Millionen Menschen - in Industrieländern ist die Anzahl der Typhusfälle verschwindend gering. Typhus gehört zu den meldepflichtigen Krankheiten.

Häufigkeit

Weltweit erkranken jährlich 21 Millionen Menschen an Typhus, davon verlaufen 840.000 Fälle tödlich. 2012 wurden in Österreich 7 Fälle von Typhus gemeldet. Die meisten Fälle in Industrieländern werden von Auslandsreisenden mitgeführt, die sich vor Ort infiziert haben.

 

Die Infektionskrankheit ist vor allem in subtropischen und tropischen Regionen mit unzureichenden Hygieneverhältnissen verbreitet - insbesondere Nord- und Ostafrika, Indien, Nepal, Peru und Indonesien sind betroffen.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Verantwortlich für die Infektionskrankheit ist das Bakterium Salmonella typhi, das über Trinkwasser oder Lebensmittel in den Körper gelangt und sich dort vermehrt. Seltener ist die fäkal-orale Übertragung, wobei die Erreger aus dem Stuhl über den Mund aufgenommen werden. Noch seltener erfolgt die Ansteckung über sogenannte "Salmonellendauerausscheider": Dabei handelt es sich um Personen, die das Bakterium ständig ausscheiden, ohne klinisch auffällig zu sein. Betroffen sind 2 bis 5 % aller Personen, die sich mit dem Erreger infiziert haben.

 

Man unterscheidet 2 Arten der Infektionskrankheit:

  • Typhus abdominalis: Durch Salmonella typhi hervorgerufene Form der Erkrankung.
  • Paratyphus: Hier handelt es sich um eine abgeschwächte Form von Typhus, wobei als Erreger Salomonella paratyphi A, B oder C in Frage kommen. Der Krankheitsverlauf ist ähnlich, nur milder.

 

Wie verläuft die Krankheit und welche Symptome zeigen sich?

Die Inkubationszeit - die Zeitspanne zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome - liegt in den meisten Fällen zwischen 1 und 3 Wochen. Die Erkrankung kann aber auch schon ab dem 3. Tag ausbrechen oder erst nach 2 Monaten - das ist von der Menge der aufgenommenen Erreger abhängig. Bei Paratyphus ist die Inkubationszeit mit 1 bis 10 Tagen geringer.

Schon die Bezeichnung "Typhos" (altgriechisch für Nebel, Dunst) macht auf eines der Hauptsymptome aufmerksam: Der Erkrankte fühlt sich wie benebelt. Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Apathie, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Verstopfung sind weitere Symptome. Entgegen der weit verbreiteten Annahme ist Durchfall kein Symptom der Erkrankung und tritt - wenn überhaupt - erst ab der 3. Krankheitswoche auf.

 

Klassischer Verlauf von Typhus:

  • 1. Woche: Nach einer Woche zeigt sich anhaltendes hohes Fieber mit bis zu 40 Grad Celsius ("Febris continua"). Die Benommenheit nimmt zu, Leber- und Milzschwellungen und eine leichte Gelbsucht können auftreten.
  • 2. Woche: Nach der 2. Krankheitswoche kann es zu einem Hautausschlag kommen ("Roseolen").
  • 3. Woche: Nach der 3. Woche kommt es meist zu Durchfällen.

 

Darmblutungen oder Darmperforationen, Herzmuskelentzündung, Venenentzündungen, Lungenentzündung, Gallenblasenentzündung und Meningoencephalitis (Entzündung des Gehirns) sowie Knochenmarkseiterungen können als Komplikationen auftreten. Ohne Behandlung endet die Krankheit im schlimmsten Fall tödlich.

 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Am verlässlichsten ist die Blutuntersuchung. Erst nach einer Woche können die Salmonellen im Stuhl nachgewiesen werden. In Österreich ist eine Infektion mit Typhus meldepflichtig, da hohe Ansteckungsgefahr besteht!

Therapie

Ist eine Typhusinfektion nachgewiesen, wird die Krankheit mit Antibiotika behandelt. In den letzten Jahren wurden allerdings immer öfter Resistenzen beobachtet. Das bedeutet, dass die Medikamente bei einem Teil der Erkrankten keine oder keine ausreichende Wirkung mehr haben.
Bei Dauerausscheidern - Personen, die sich infiziert haben und das Bakterium ständig ausscheiden ohne Symptome zu zeigen - ist die Behandlung langwieriger und intensiver.

 

Wie kann man sich vor Typhus schützen?

Reisende in Risikogebiete sollten sich spätestens 2 Wochen vor Reiseantritt gegen Typhus impfen lassen. Bei der Impfung kann zwischen einer Schluck- und Stichimpfung gewählt werden. Nebenwirkungen sind in beiden Fällen selten: Bei der Schluckimpfung kann es zu Magen-Darm-Symptomen wie leichtem Durchfall und Übelkeit kommen, während bei der Injektion lokale Nebenwirkungen an der Stichstelle wie Rötungen, Schwellungen oder Druckschmerzen und ganz selten fieberhafte Zustände auftreten können. Beide Impfungen wirken ungefähr 3 Jahre lang, die Wirksamkeit liegt bei 70 %.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Neben der Vorsorgeimpfung ist es besonders wichtig, auf Hygiene zu achten, z.B.: Händewaschen nach dem Toilettengang, kein Leitungswasser und keine Getränke mit Eiswürfeln trinken und Nahrungsmittel nur gebraten, gekocht oder geschält konsumieren.

AUTOR


Martha Miklin
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Elisabeth Mondl


ERSTELLUNGSDATUM


15.09.2014
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.Prof. Dr. Florian Thalhammer
1. Stv. Leiter der Klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin Universitätsklinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien - AKH Wien Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten & Tropenmedizin (ÖGIT)
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