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Eierstockkrebs meist sehr spät diagnostiziert

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Besonders tückisch am Eierstockkrebs ist, dass er meist sehr spät entdeckt wird. (Chinnapong/Shutterstock.com)

Eierstockkrebs ist eine seltene Tumorerkrankung der Eierstöcke. In Österreich sind jährlich etwa 650 Frauen davon betroffen.

Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) tritt vor allem bei Frauen zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr auf. Trotz der relativ geringen Zahl von jährlich etwa 650 betroffenen Frauen österreichweit bleibt Eierstockkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. Etwa eine von 100 Frauen entwickelt im Laufe ihres Lebens bis zum 75. Lebensjahr ein Ovarialkarzinom. Die meisten Fälle von Eierstockkrebs treten ohne erbliche Vorbelastung auf. Bei rund 15 % der Patientinnen mit Eierstockkrebs liegt jedoch eine genetische Veranlagung in Form einer Veränderung („Mutation“) im BRCA1 oder BRCA2-Gen vor. „Diese Veränderung ist sehr selten – nur etwa eine von 500 Personen trägt eine Mutation im BRCA1-Gen und nur etwa eine von 700 Personen trägt eine Mutation im BRCA2-Gen. Mutationen in diesen Genen gehen mit einem stark erhöhten Risiko für verschiedene Tumorarten einher, insbesondere für Brust-, Eierstock- und Prostatakrebs.“ erklärt Univ.-Prof. Dr. Christian Marth, Präsident der Arbeitsgruppe für Gynäkologische Onkologie und Leiter der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Innsbruck.

 

Meist wird der Eierstockkrebs sehr spät entdeckt, da lange Zeit nur unspezifische Symptome auftreten. Zu den ersten Symptomen zählen Blähungen, verminderter Appetit, Bauchschmerzen und häufigeres Harnlassen. Frühstadien sind meist ein Zufallsbefund und bis dato gibt es keine etablierte Methode der Früherkennung. Im Unterschied zu Brustkrebs, bei dem eine beträchtliche Zahl der Patientinnen dauerhaft geheilt werden kann, ist dies bei Eierstockkrebs leider nicht der Fall.

Auch junge Frauen können betroffen sein

Besonders erhöht ist das Eierstockkrebsrisiko für Frauen, die Trägerinnen bestimmter Hochrisikogene sind. Gibt es in der eigenen Familie ein gehäuftes Auftreten von Brust- und Eierstockkrebs, könnten die Krebs-Gene BRCA1 und BRCA2 (breast cancer susceptibility gene) der Auslöser für die Erkrankung sein. Vor allem wenn jüngere Frauen erkranken, deutet dies auf eine erblich bedingte Form hin. Nach dem heutigen Wissensstand liegt die Wahrscheinlichkeit, bei einer Genveränderung an Brustkrebs zu erkranken bei bis zu 85 %, die Wahrscheinlichkeit, an Eierstockkrebs zu erkranken bei bis zu 53 %.

Anlaufstellen für Betroffene

Betroffene Frauen wenden sich am besten an große, zertifizierte Gynäko-Onkologische Abteilungen, die Routine in der Behandlung und Therapie von Eierstockkrebs haben. Personen mit mehreren Krebsfällen in der Familie können sich an eine Beratungsstelle für familiären Brust- und Eierstockkrebs oder an ein Institut für Humangenetik wenden, um ihr genetisches Risiko abzuklären.

 

Ob eine BRCA-Mutation vorliegt oder nicht, kann für die Therapiewahl von entscheidender Bedeutung sein. Zur Therapieplanung und Risikoabklärung sollte daher vorab ein Test auf eine BRCA1- und/oder BRCA2-Mutation durchgeführt werden. Neue Wirkstoffe nutzen die durch die Mutationen entstandenen Defekte im DNA-Reparaturmechanismus, um Krebszellen gezielt abzutöten und das Tumorwachstum zu hemmen.

 

„Die Perspektive der betroffenen Frauen wird durch die stetig vorangetriebene Forschung in diesem medizinisch noch wenig eroberten Gebiet laufend verbessert“, unterstreicht OA Dr. Christian Schauer, Präsident-elect der AGO und erster Oberarzt an der Abteilung für Gynäkologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz, „wenn ich die Entwicklungen der Therapieoptionen des Ovarialkarzinoms und die damit verbundene Prognose der Patientinnen der letzten Jahre betrachte, hat sich die Situation und die Lebensqualität wesentlich verbessert.“

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


09.05.2019