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Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Darstellung der männlichen Prostata
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Der Prostatakrebs ist ein bösartiger Tumor der Drüsenzellen. (CLIPAREA.com / Fotolia.com)

Das Prostatakarzinom ist eine bösartige Veränderung des Gewebes der Vorsteherdrüse (Prostata). Meist treten bei dieser Erkrankung vor allem im Frühstadium keine oder kaum Symptome auf.

Daher ist es besonders wichtig, dass Männer ab dem 45. Lebensjahr einmal pro Jahr zu einer Vorsorgeuntersuchung zum Urologen gehen – bei Krebsfällen in der Familie ab dem 40. Lebensjahr. Erfolgt die Diagnosestellung in einem organbegrenzten Tumorstadium, so können nach adäquater moderner Therapie 95 % der betroffenen Männer nahezu beschwerdefrei leben. 

Häufigkeit von Prostatakrebs

Mit rund 5.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist der Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung bei österreichischen Männern. Rund zwei Drittel der Erkrankungsfälle werden bei Männern über 65 Jahren diagnostiziert, aber auch Jüngere sind zunehmend betroffen. Dank Vorsorgeuntersuchung und vermehrter PSA-Bestimmung kommt es zu einer früheren Diagnosestellung und so zu einer besseren Therapierbarkeit.

Gutartige Vergrößerung der Prostata

Die Prostata oder auch Vorsteherdrüse hat meist die Größe einer Kastanie, umschließt den Anfangsteil der Harnröhre und liegt zwischen Harnblase und Beckenboden. In der Prostata wird ein Sekret produziert, das einen wichtigen Teil der Samenflüssigkeit bildet.

 

Ab dem 50. Lebensjahr kommt es bei der Hälfte aller Männer zu einer Vergrößerung der Vorsteherdrüse (gutartige Prostatavergrößerung oder benigne Prostatahyperplasie), bei 70-jährigen Männern besteht zu ungefähr 70 % eine Prostatahyperplasie. Rund 40 % dieser Männer haben Beschwerden wie z.B. Probleme bei der Entleerung der Harnblase.

 

Der genaue Mechanismus, warum es zu einer Vergrößerung der Prostata kommt, ist nicht endgültig geklärt, gesichert ist, dass der Einfluss des männlichen Hormons Testosteron an der Wachstumsregulation beteiligt ist.

 

Mögliche Anzeichen für eine gutartige Prostatavergrößerung:

  • Harnträufeln
  • häufiges Harnlassen
  • ständiges Dranggefühl, die Blase entleeren zu wollen
  • verringerter Urinstrahl
  • eine verlängerte Dauer des Urinierens

Diese Symptome sind typisch für die gutartige Prostatavergrößerung und müssen nicht unbedingt bei einem Prostatakarzinom bestehen, sodass ab dem 45. Lebensjahr auf jeden Fall eine urologische Basisuntersuchung zu empfehlen ist.

Ursachen des Prostatakrebses

Das Prostatakarzinom hat weniger eindeutige Risikofaktoren als manche andere Krebsarten – jedoch zählt es in der westlichen Welt zu den häufigsten Krebsarten. Grundsätzlich ist alles, was zur generellen Gesundheit – vor allem zu jener des Herzens – beiträgt, auch gut für die Prostata. Negativ wirken sich vor allem der Konsum von Zucker, rotem Fleisch, Alkohol sowie zu wenig körperliche Betätigung aus.

 

Genetische Faktoren bei Prostatakrebs

Bestimmte genetische Merkmale erhöhen das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, deutlich. Die genetischen Merkmale bzw. Veränderungen können entweder vererbt werden oder als spontane Mutation auftreten. Zu den wichtigsten vererbbaren Mutationen zählen BRCA1 und BRCA2. Diese beiden Varianten eines Gens sind in erster Linie durch ihre Rolle bei der Entstehung von Brust- und Ovarialkarzinomen bekannt. Es hat sich allerdings gezeigt, dass Männer, die solche Merkmale in sich tragen, ein signifikant höheres Risiko haben, ein Prostatakarzinom zu entwickeln. Wenn eine Mutation durch eine Genanalyse bestätigt ist, sollten sich auch die restlichen Familienmitglieder professionell genetisch beraten lassen. Mutationen im HOXB13-Gen haben ebenfalls ein erhöhtes Prostatakrebs-Risiko zur Folge. Diese Mutationen sind allerdings lediglich für die Prostata relevant und erhöhen nach derzeitigem Wissen nicht das Risiko auf die Entstehung anderer Tumoren.

 

Risikofaktor Rauchen

Rauchen ist einer der gravierendsten und vermeidbarsten Risikofaktoren für zahlreiche Erkrankungen. Neben Lungenkrebs und Blasenkarzinomen werden auch die Entstehung und die Prognose von Prostatakarzinomen durch Nikotinkonsum maßgeblich negativ beeinflusst. Raucher, die mit Prostatakrebs diagnostiziert wurden, haben ein deutlich geringeres Rückfallrisiko, wenn sie bald nach der Diagnose mit dem Rauchen aufhören.

 

Lebensstilbedingte Risikofaktoren

Es liegen keine Hinweise vor, dass spezielle Nahrungsmittel das Risiko massiv erhöhen oder senken können. Einzig ein schwacher Zusammenhang zwischen einem hohen Konsum von Milchprodukten und einem leicht erhöhten Risiko eines Prostatakarzinoms wurde in einer Studie gefunden. Starkes Übergewicht ist hingegen ein deutlicher Faktor. Fettleibigkeit, gemessen am Body-Mass-Index, erhöht das Risiko aggressiver Prostatakarzinome, senkt aber zugleich das Risiko wenig aggressiver Tumoren.

 

Bluthochdruck oder ein Hüftumfang von mehr als 102 cm sind andere lebensstilbedingte Risikofaktoren. Sollte ein Patient drei oder mehr Komponenten des Metabolischen Syndroms aufweisen, sinkt das Risiko. Die genaue Ursache hierfür ist nicht bekannt. Eine mögliche Erklärung ist, dass Patienten mit ausgeprägten Symptomen eines Metabolischen Syndroms oft an Typ-II-Diabetes leiden und das orale Antidiabetikum Metformin einnehmen. Metformin senkt das Prostatakrebs-Risiko, was in einigen Studien bestätigt wurde. Jedoch gilt dies für keine anderen oralen Antidiabetika. 

Symptome bei Prostatakrebs

Das Prostatakarzinom ist ein bösartiger Tumor der Drüsenzellen. Wie sehr viele Krebsarten verursacht auch der Prostatakrebs im Anfangsstadium keine Beschwerden. Mit dem Wachstum des Karzinoms ähneln die Beschwerden der gutartigen Prostatavergrößerung, sodass es keine wirklich "typischen" frühzeitigen Warnsignale gibt.

Verlauf des Prostatakrebses

Bei Prostatakrebs spielt Früherkennung eine große Rolle, da er sich über mehrere Jahre entwickelt. Deshalb ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung (rektale Untersuchung, Bestimmung des PSA-Wertes, eventuell Gewebsprobe) beim Urologen von großer Bedeutung. Je früher Prostatakrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Vorsorgeuntersuchungen ab dem 45. Lebensjahr (bei familiärem Risiko ab dem 40. Lebensjahr) und frühzeitige moderne Therapieverfahren haben die Prognose dieser Erkrankung deutlich verbessert. Ist der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnosestellung auf das Organ begrenzt, so können nach adäquater moderner Therapie 95 % der betroffenen Männer nahezu beschwerdefrei leben.

Diagnose von Prostatakrebs

Die Beschaffenheit der Prostata lässt sich

  • mit einer rektalen Tastuntersuchung
  • mit der digitalen transrektalen Sonografie abklären.

Die rektale Tastuntersuchung

Die rektale Tastuntersuchung der Prostata ist an sich schmerzlos, sie ist aber vielen Männern peinlich und unangenehm. Dabei führt der Arzt unter Verwendung von Handschuhen und Gleitmittel den Finger in den After ein und tastet vorsichtig die Prostata ab. Im Vorfeld kann ein ausführliches Gespräch viel dazu beitragen, Vorurteile über diese notwendige Untersuchung auszuräumen.

 

Digitale transrektale Sonografie

Entdeckt der Urologe bei der Tastuntersuchung Veränderungen der Prostata, so wird eine transrektale Sonografie durchgeführt. Die Ultraschallsonde wird versehen mit Gleitmittel und Plastikschutz vorsichtig Richtung Prostata eingeführt, am Bildschirm erkennt der Urologe Veränderungen.

 

Die Prostata wird sowohl bei der Tastuntersuchung als auch beim Ultraschall auf folgende Kennzeichen überprüft:

  • Ist sie unnatürlich groß?
  • Wie ist sie beschaffen, ist sie weich oder hart?
  • Ist sie klar abgegrenzt?
  • Ist die Oberfläche glatt oder rau?
  • Lässt sich die Rektumschleimhaut verschieben?
  • Ist sie druckempfindlich?

Prostataspezifisches Antigen (PSA)

Liegt eine vergrößerte Prostata vor, wird mittels einer Blutuntersuchung das "Prostataspezifische Antigen" getestet. Dieses Enzym wird in der Prostata gebildet. Es ist wichtig für die Verflüssigung von Ejakulat.

 

Der PSA-Wert steigt mit dem Alter an und gibt Auskunft über die Prostatagröße. Nur ein erhöhter PSA-Wert allein reicht für die Diagnose von Prostatakrebs nicht aus.

 

Ist die Prostata vergrößert und steigt der PSA-Wert über einen bestimmten Grenzwert, wird mit Hilfe von Ultraschall eine Biopsie der Prostata durchgeführt. Unter lokaler Betäubung werden Gewebezellen entnommen.

Therapie bei Prostatakrebs

Je nach Befund stehen folgende Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:

  • Radikale Prostatavesikulektomie: darunter versteht man die vollständige Entfernung der Prostata und der Samenblasen
  • Aktive Überwachung: Sie kommt bei sehr günstigen Diagnosekriterien zum Einsatz. Dabei werden Verlaufskontrollen durchgeführt, bis eine Therapie notwendig wird (PSA-Kontrollen 3 - 6 monatlich und wahlweise Re-Biopsien)
  • Strahlentherapie
  • Hormontherapie: Mit ihrer Hilfe wird der Androgenspiegel medikamentös gesenkt
  • Chemotherapie: Die Chemotherapie ist eine Möglichkeit bei Versagen der Hormontherapie
  • Kombination der einzelnen Verfahren

Die Therapieentscheidung erfolgt nach Alter, etwaigen Begleiterkrankungen und Wünschen des Patienten. Nach der Therapie wird ein individueller Nachsorgeplan erstellt. Die Nachsorgeuntersuchungen erfolgen in der Regel vierteljährlich in den ersten 2 Jahren, später halbjährlich und schließlich in jährlichen Abständen. Beim Auftreten von Beschwerden soll nicht bis zum Nachsorgetermin gewartet werden.

Worauf sollten Männer achten?

Das Wichtigste ist Vorsorge: Ab dem 45. Lebensjahr sollte jeder Mann einmal jährlich zum Urologen, bei Krebserkrankungen in der Familie ist die jährliche Kontrolle schon ab 40 besonders wichtig.

 

Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko senken, an Prostatakrebs zu erkranken:

  • Mit dem Rauchen aufhören
  • Den Konsum von rotem Fleisch reduzieren
  • Möglichst fettarme Kost
  • Vermehrt Fisch und Gemüse essen

Extrakte aus Kürbiskernen, Sojaisoflavonen, Sägepalmenfrüchten oder der Brennnesselwurzel leisten einen natürlichen Beitrag zur Gesunderhaltung der Prostata und können einen normalen Harnfluss fördern.

AUTOR


Mag. Silvia Feffer-Holik, Dr. Nicolai Hübner


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


02.02.2017 / 08.04.2021
MEDIZINISCHER EXPERTE
Prim. Dr. Eckart Breinl
Vorstand der Abteilung für Urologie und Andrologie, Landesklinikum St. Pölten
QUELLEN
Facharztwissen Urologie, H. Schmelz et al, Springer Verlag, 2. Auflage, Heidelberg, 2010
Urologie, R. Hautmann, Springer Verlag, 4. Auflage, Heidelberg, 2010
"Prostatakrebs - Vorbeugung. Diagnose. Therapie." von S. Shariat, N. Hübner. Erschienen in: MANZ Verlag, 2018.
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