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Training bei Krebserkrankungen

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Krebspatienten sollen Studien zufolge nicht vor intensiven Trainingseinheiten zurückschrecken. (Kzenon / Shutterstock.com)

Bewegung hilft Krebspatienten dabei, gegen das „Chemobrain“ anzukämpfen – am Kepler Universitätsklinikum in Linz wird dazu gerade geforscht.

Sport in der Onkologie hat eine lange Vorgeschichte. Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurde immer seltener ein absolutes Sportverbot für onkologische PatientInnen empfohlen, dafür zunehmend ein möglichst leistungsintensives Training.

 

In mehreren Studien gibt es mittlerweile erste Hinweise, dass Sport bei Brust-, Darm- oder Prostatakrebs einen günstigen Effekt auf die Erkrankung haben kann – und zwar nicht nur vorbeugend, sondern auch unter bereits laufender Behandlung.

 

Regelmäßige körperliche Aktivität während der Therapie reduziert nicht nur Nebenwirkungen, sondern beschleunigt auch die Erholungszeiten zwischen und nach der Therapie und kann letztlich das Überleben der Patienten verlängern.

 

Patienten, die regelmäßig Sport treiben, sind trotz Chemotherapie fitter, befinden sich in einem besseren Allgemeinzustand und zeigen weniger kardiovaskuläre Probleme, Erschöpfungszustände oder Depressionen. Auch die Infektionshäufigkeit unter der Therapie ließ sich nachweislich senken, was sich in einer reduzierten Antibiotikagabe widerspiegelt.

Sport für das Gehirn

Sport ist nicht gleich Sport – und nicht jede Bewegung stellt schon ein Training dar. Der Frage, ab welchem Ausmaß Training während einer Chemotherapie wirksam ist, welche Belastungsintensitäten es braucht, um positive Effekte zu erzielen, soll in naher Zukunft am Kepler Universitätsklinikum Linz nachgegangen werden.

 

Hierbei beschäftigt man sich aktuell mit der Auswirkung der Chemotherapie auf die kognitive Leistung von Brustkrebspatientinnen: Es geht um das „Chemobrain“. Dieser Symptomenkomplex kann in unterschiedlicher Ausprägung bei bis zu 80% aller PatientInnen unter Chemotherapie beobachtet werden und umfasst vor allem Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, des Lernens, des Kurz- und Langzeitgedächtnisses und der Ausführung visuell-motorischer Aufgaben.

 

Bei der Analyse der biochemischen Prozesse hinter dem besagten Phänomen konnte man Botenstoffe isolieren, welche die Blut-Hirn-Schranke unter Chemotherapie schwächen und sich durch intensives Training reduzieren ließen.

Intervalltraining zahlt sich aus

Wissenschaftliche Studien geben Hinweise darauf, dass sich ein hochintensives Intervalltraining (HIIT) begleitend zur Therapie noch positiver auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt als normales Ausdauertraining. Verglichen wurden hierbei zwei Gruppen: eine HIIT-Gruppe und eine Gruppe mit moderatem Ausdauertraining (AT). In Summe verbesserte sich die kognitive Leistung der Studienteilnehmer bisheriger Untersuchungen in beiden trainierenden Gruppen, in der HIIT-Gruppe allerdings deutlicher als in der AT-Gruppe. Die HIIT-Gruppe zeigte dabei in Bezug auf das verbale Gedächtnis, das Erinnerungsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit bessere Ergebnisse als die AT-Gruppe.

 

Zusammenfassend hoffen Mediziner und Wissenschaftler, dass durch ein intensives therapiebegleitendes Trainingsprogramm ab dem Behandlungsbeginn nicht nur die körperliche Leistung maßgeblich beeinflusst wird, sondern dass auch biologische Faktoren, die im Rahmen eines Trainings ausgeschüttet werden, vor möglichen neurokognitiven Nebenwirkungen schützen.

AUTOR


Dr. David Kiesl
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc


ERSTELLUNGSDATUM


06.03.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. David Kiesl
Foto (c): Foto: KUK
Klinik für Hämatologie und Internistische Onkologie, Kepler Universitätsklinikum in Linz

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