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Blut im Bild

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Die Zusammensetzung des Blutes gibt wichtige Hinweise auf den allgemeinen Gesundheitszustand. (Witthaya / Fotolia)

Blutbilder werden häufig bei Vorsorgeuntersuchungen, bei Verdacht auf Infektionen oder vor Operationen erstellt. Bei nahezu jeder Erkrankung verändert sich das Blut in der Zusammensetzung.

Das Blutbild gibt Aufschluss über den Zustand der Organe und somit über den gesamten Gesundheitszustand, wenn man es zu lesen versteht. Je nach Situation entscheidet der Arzt, ob ein großes oder ein kleines Blutbild gemacht wird. Für das kleine Blutbild reichen bereits wenige Milliliter Blut aus. Dabei wird die Konzentration der Blutzellen bestimmt. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie die Blutplättchen (Thrombozyten) werden sowohl einzeln als auch im Verhältnis zueinander unter die Lupe genommen. Zudem werden die Konzentration des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) und der Hämatokritwert gemessen. Dieser gibt Aufschluss über den Anteil der Blutzellen am gesamten Blut an und darüber, wie dickflüssig das Blut ist.

Das kleine Blutbild

  • Erythrozyten
    Die roten Blutkörperchen enthalten den Blutfarbstoff Hämoglobin, der Sauerstoff an sich bindet. Die Erythozyten sorgen somit für den Transport von Sauerstoff von der Lunge in den Körper und für den Abtransport von Kohlendioxid.
  • Leukozyten
    Die weißen Blutkörperchen spielen eine wichtige Rolle in unserem Immunsystem. Ihre Aufgabe ist es, den Körper vor Krankheitserregern zu schützen.
  • Thrombozyten
    Die Blutplättchen werden im Knochenmark gebildet und sind wichtig für die Blutgerinnung nach Verletzungen.
  • Hämoglobin
    Der rote Blutfarbstoff ist Bestandteil der roten Blutkörperchen. Er transportiert den Sauerstoff von der Lunge in den gesamten Körper und nimmt auf dem Rückweg Kohlendioxid zurück zur Lunge, die es ausatmet.
  • Hämatokrit-Wert
    Dieser Wert gibt die Viskosität, also die „Konsistenz“ des Blutes an. Je zähflüssiger das Blut, desto mehr muss das Herz arbeiten, um die Organe zu versorgen. Dickes Blut fließt langsamer und lässt das Risiko für Thrombosen und Schlaganfälle ansteigen. Bei einem niedrigen Hämatokritwert sind im Verhältnis zum Gesamtblut zu wenige rote Blutkörperchen (Erythrozyten) vorhanden – die Sauerstoffversorgung des Körpers ist nicht optimal.

 

Zu viel – zu wenig

Wer das Blutbild versteht, kann darin verschiedenste Zusammenhänge erkennen und entsprechend handeln. Bei einer kleinen Blutuntersuchung gelten folgende Werte als normal:

 

Normwerte (Erwachsene)

Frauen

Männer

Erythrozyten (RBC oder ERY)

4,3 – 5,2 Mio./µl

4,8 – 5,9 Mio./µl

Leukozyten (WBC oder LEUK)

4 –10 Tsd./µl

4 – 10 Tsd./µl

Thrombozyten (PLT oder THRO)

150 – 400 Tsd./µl

150 – 400 Tsd./µl

Hämoglobin (HGB oder HG)

12 – 16g/dl

14 – 18g/dl

Hämatokrit (HCT oder HKT)

37 – 45%

40 – 52%

 

Werte außerhalb des Normbereiches

Erhöhte oder zu niedrige Werte können – müssen aber nicht zwangsläufig – auf eine Erkrankung hindeuten. Wenn im Blutbild Abweichungen vorliegen, sollte man dies mit dem Arzt besprechen.

 

Wert zu hoch

Wert zu niedrig

Erythrozyten

 

Von Polyglobulie ist die Rede, wenn die Zahl der roten Blutkörperchen erhöht ist. Das liegt häufig daran, dass – beispielsweise bei Aufenthalt in großen Höhen – nicht genügend Sauerstoff in den Körper gelangt. Der Körper versucht dies mit erhöhter Erythrozyten-Produktion auszugleichen. Aber auch Lungen,- Herz- oder Knochenmarks-erkrankungen können Gründe für eine verringerte Sauerstoffaufnahme sein.

Sind zu wenige der roten Blutkörperchen vorhanden spricht man von Blutarmut. Der Körper kann Sauerstoff nicht optimal verarbeiten. Die Ursachen sind vielfältig. Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure können ebenso dahinterstecken wie hoher Blutverlust.

Leukozyten

 

Sind zu viele weiße Blutkörperchen im Blut enthalten, kann das auf bakterielle Infektionen, Vergiftungen, Leukämie oder chronisch-entzündliche Erkrankungen hindeuten.

Virusinfektionen, Knochenmarksschädigungen, Medikamente (z. B. Antibiotika), Bestrahlung (etwa bei Krebs) oder Autoimmunerkrankungen können Gründe für einen niedrigen Leukozyten-Wert sein.

Thrombozyten

 

Ein erhöhter Thrombozyten-Wert tritt bei verschiedenen Krankheiten auf. Dazu zählen Erkrankungen des Knochenmarks ebenso wie Reaktionen des Körpers auf  Entzündungen, Milzentfernung, Operationen und Blutverlust.

Ebenso vielfältig sind die Ursachen für einen zu niedrigen Wert. Verschiedene Infektionen, Blut-, Autoimmun- oder rheumatische Erkrankungen, blutverdünnende Medikamente, Allergien oder Leberzirrhose zählen dazu.

Hämoglobin

 

Erhöhte Hämoglobin-Werte können beispielsweise eine Bluteindickung (etwa bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme oder vermehrter -ausscheidung) als Ursache haben. Eine gesteigerte Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark, chronische Herz und Lungenerkrankungen  können ebenso mit erhöhten Hb-Werten einher gehen.

Ein verminderter Wert spricht für eine Blutarmut (Anämie), die vielfältige Ursachen haben kann. Häufig besteht ein Eisenmangel. Aber auch Blutverluste, Folsäure- und Vitamin-B-12-Mangel sowie Organerkrankungen (wie z. B. der Nieren) und Bluterkrankungen können Ursachen sein.

Hämatokrit

 

Ist der Hämatokrit-Wert zu hoch, deutet dies darauf hin, dass zu viele rote Blutkörperchen gebildet werden oder der Körper austrocknet (Deyhdrierung).

Ein zu niedriger Hämatokrit-Wert kann auf Überwässerung oder einen hohen Blutverlust zurückzuführen sein. Eine verringerte Bildung roter Blutkörperchen kann ebenso die Ursache sein.

Das große Blutbild

Beim großen Blutbild werden mit dem Differentialblutbild noch zusätzliche Werte bestimmt. Es liefert detailliertere Informationen über die drei Untergruppen der Leukozyten – die Granulozyten, die Monozyten und die Lymphozyten.

 

Normwerte (Erwachsene)

Frauen

Männer

Stabkernige Granulozyten

150 – 400/µl

150 – 400/µl

Segmentkernige Granulozyten

3000 – 5800/µl

3000 – 5800/µl

Eosinophile Granulozyten

50 – 250/µl

50 – 250/µl

Basophile Granulozyten

15 – 50/µl

15 – 50/µl

Lymphozyten

1500 – 3000/µl

1500 – 3000/µl

Monoxyden

285 – 500/µl

285 – 500/µl

 

Lymphozyten

Ein erhöhter Lymphozyten-Wert kann unter anderem auf bestimmte bakterielle oder virale Infektionen hinweisen. In Betracht kommen auch Krebsarten wie Leukämien Ursachen für einen zu niedrigen Wert können beispielsweise bestimmte Medikamente sein, Krebsarten wie Morbus Hodgkin, eine Harnvergiftung oder Autoimmunerkrankungen wie z. B. Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte).

 

Monozyten

Anzeichen auf Bakterien- oder Vireninfektionen, bestimmte Krebsarten, eine Herzinnenhautentzündung oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen kann ein erhöhter Monozyten-Wert sein. Ein Zuwenig an Monozyten tritt praktisch nur bei einer gesamten Verminderung des Leukozyten-Wertes auf.

 

Granulozyten

Sind die Granulozyten-Werte zu hoch, können neben anderen Ursachen akute Infektionskrankheiten dahinterstecken.Häufig finden sich gering erhöhte Werte bei Rauchern. Beginnende Infektionen lassen den körpereigenen Granulozytenbedarf vorübergehend ansteigen, bei schweren Infektionen können die Werte im späteren Verlauf unter den Normwert absinken. Jedoch auch Folsäuremangel oder eine Schädigung des Knochenmarks können Ursachen für einen verminderten Wert sein.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


06.08.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
OA Univ.-Prof. Dr. Michael Pfeilstöcker MBA
Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Transfusionsmedizin, Zusatzgebiet Hämato-Onkologie 3. Medizinische Abteilung, Hanusch Krankenhaus der Wiener Gebietskrankenkasse
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