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Der Mann und seine Gesundheit

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Auch Männer sollten sich um ihre Gesundheit kümmern. (Alexander Raths / Fotolia)

Alljährlich steht der November im Zeichen der Männergesundheit. Was Mann braucht um gesund alt zu werden, erklärt Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer.

Männer und Frauen leben unterschiedlich lange - und auch der Wohnort hängt mit der Gesundheit zusammen. Während in Tirol und Salzburg aktuell im Schnitt 70 Lebensjahre in guter bis sehr guter Gesundheit verbracht werden, sind es in Wien und im Burgenland nur 65 Jahre. Die subjektive Lebensqualität wird unter anderem durch den Schweregrad chronischer Erkrankungen, das Alter, aber auch durch kulturelle und sozioökonomische Faktoren beeinflusst. Starke Einschränkungen der Lebensqualität ergeben sich vor allem durch Depression und Arbeitslosigkeit. Welche Faktoren die Gesundheit von Männern sonst noch ungünstig beeinflussen, erklärt Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, Leiterin der Gender Medicine Unit und interimistische Organisationseinheitsleiterin der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien/des AKH Wien, im Gespräch mit minimed.at.

Wie ist es um die Gesundheit der österreichischen Männer und um ihre Lebenserwartung bestellt?

Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer: Die Lebenserwartung bei der Geburt betrug im Jahr 2016 in Österreich bei Männern 79,1 Jahre und bei Frauen 83,9 Jahre – sie wies also einen Unterschied von fast fünf Jahren auf. Innerhalb des Landes gibt es zudem ein starkes West-Ost-Gefälle. Im Osten ist die Lebenserwartung aufgrund der sozialen Bedingungen und des Lebensstils – besonders in den Ballungszentren – niedriger als im Westen. Zwischen dem 20. und dem 60. Lebensjahr sind Männer um ein Vielfaches öfter von Erkrankungen wie Krebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt betroffen als Frauen. Hinzu kommt, dass Männer zwei- bis dreimal so häufig Suizid begehen.

Welche Rolle spielen Biologie und Lebensstil bei der Mortalität von Männern?

Prof.in Kautzky-Willer: Die erhöhte Mortalität von Männern beginnt schon im Mutterleib, auf 100 Mädchen kommen 105 Buben, da die kindliche Sterblichkeit bei Buben höher ist. Besonders der Testosteronspiegel ist für die männliche Gesundheit sehr wichtig: Ist er zu niedrig, geht das mit einem erhöhten Risiko einher, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Übergewicht zu entwickeln. Alkohol, Rauchen und Bluthochdruck sind die Hauptrisikofaktoren für frühzeitige Krankheiten und Einschränkungen und tragen auch zu einer höheren Mortalität bei, sie halten sich seit 20 Jahren konstant an der Spitze. Bei Männern spielt außerdem das Risikoverhalten eine Rolle, sie erleiden vor allem im Alter zwischen 20 und 30 häufiger Unfälle als Frauen.

Wodurch lässt sich die geringere Bereitschaft der Männer zur Vorsorge erklären?

Prof.in Kautzky-Willer: Männer verlassen sich eher auf die "Reparaturmedizin" als auf die "Vorsorgemedizin" – sie gehen nicht einfach so zum Arzt, sondern erst, wenn schon manifeste körperliche Einschränkungen, z. B. aufgrund einer Arthrose oder von Blutdruckproblemen, auftreten. Die Bereitschaft zur Vorsorge ist gering, was zum Teil wohl auch mit der Sozialisierung zusammenhängt. Es zeichnet sich zwar ein gesellschaftlicher Wandel ab und mittlerweile gibt es nicht mehr nur ein Männerbild – also jenes des starken Mannes, der alles aushalten muss. Die Vielzahl an Männerbildern kann aber auch verunsichernd sein, weil Identifizierung und Orientierung dann schwererfallen. Die jüngere Generation hat es diesbezüglich schon etwas leichter: Sie denkt gesundheitsbewusster, ernährt sich besser und nimmt Vorsorgeuntersuchungen mehr in Anspruch.

Welche Vorsorgeuntersuchungen sollten Männer wann in Anspruch nehmen?

Prof.in Kautzky-Willer: Bereits ab dem 20. Lebensjahr sollte besonderes Augenmerk auf Gewicht, Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin gelegt werden. Fast 15% sind bereits in diesem Alter übergewichtig, was aufgrund der daraus resultierenden Komplikationen ein großes Problem darstellt. Ebenfalls ab 20 sollten Männer angeleitet werden, ihre Hoden regelmäßig selbst abzutasten, und ab 45 sollte die Prostata jährlich vom Urologen untersucht werden. Auch eine Harnuntersuchung ist wichtig, um den bei Männern häufiger auftretenden Blasenkrebs rechtzeitig zu erkennen. Zuletzt ist noch die Koloskopie zu nennen: Da Männer früher von Darmkrebs betroffen sind, wird überlegt, die Vorsorgeuntersuchung von derzeit 50 Jahren für Männer auf 45 Jahre vorzuverlegen.

Was muss im Bereich der Prävention verbessert werden?

Prof.in Kautzky-Willer: Die Bedeutung von regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung sollte schon in Kindergärten und Schulen vermittelt werden, zum Teil gibt es dort bereits Projekte. Bei Kindern ist unbedingt auf die Gewichtsentwicklung zu achten, schließlich stellt Übergewicht den Hauptrisikofaktor für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes dar. Im Erwachsenenalter neigen viele Männer dazu, ihre Ernährung komplett auszulagern, und lernen nicht selbst, Quantität und Qualität der zugeführten Lebensmittel einzuschätzen. Aus diesem Bereich könnte man noch viel mehr herausholen.

Was kann das Gesundheitssystem dazu beitragen, dass Männer gesünder alt werden?

Prof.in Kautzky-Willer: Ein besonders wichtiger Punkt ist die psychische Gesundheit – bei Männern werden psychische Erkrankungen bzw. Probleme zu selten erkannt und behandelt. Zudem müssen die gesundheitlichen Ungleichheiten zwischen sozialen Schichten und verschiedenen Ethnien reduziert werden. Von den Bemühungen um eine Gleichstellung der Geschlechter in der Kinderbetreuung profitieren auch Männer sehr – durch den Kontakt zu ihrem Nachwuchs, den stärkeren Familienbezug und die verbesserten sozialen Netzwerke rückt der Fokus vom Beruf ab. Arbeitslosigkeit und Pensionsschock treffen diese Männer weniger hart, da sie sich nicht nur durch ihre Berufsrolle, sondern auch durch die Familienrolle definieren, was eine Bereicherung für ihre psychische Gesundheit darstellt.

AUTOR


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc


ERSTELLUNGSDATUM


16.10.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer
Foto (c): MedUni Wien / Matern
Leiterin der Gender Medicine Unit, interim. Organisationseinheitsleiterin der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien/des AKH Wien
QUELLEN
Hofmarcher M, Molnárová Z, Leistungskraft regionaler Gesundheitssysteme, 08/2018

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