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Anaphylaktischer Schock (Anaphylaxie)

Frau benutzt einen Adrenalin-Pen
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Adrenalin hilft, den Kreislauf zu stabilisieren. (Andrey_Popov / Shutterstock.com)

Schwere allergische Reaktionen können lebensbedrohlich sein. Im Notfall gilt es daher, rasch zu handeln.

Anaphylaxie (griechisch "ohne Schutz") bezeichnet eine schwere allergische Reaktion, die innerhalb weniger Minuten nach dem Kontakt mit einem Allergen auftritt. Die häufigsten Auslöser sind Insektengifte (vor allem Wespen- und Bienengift), bestimmte Nahrungsmittel (Erdnüsse, Weizen, Hühnereier, …) und Medikamente (Antibiotika, Schmerzmittel). Die Schweregrad reichen von Grad I (leicht) bis IV (schwer).

Ursachen und Symptome eines allergischen Schocks

Bei einer Anaphylaxie kommt es zu einer Ausschüttung körpereigener Botenstoffe. Dies ist eine Reaktion von bestimmten Antikörpern (IgE-Antikörper) gegen an sich harmlose Stoffe. Anzeichen sind häufig Juckreiz an Händen und Füßen, Nesselausschlag sowie Schwellung der Lippen und Augenlider. Bereits bei mittelschweren Reaktionen kann es zum Anschwellen des Kehlkopfes sowie einer Verengung der Bronchien und somit zu Atemnot kommen. Bei schweren Formen erweitern es sich die Blutgefäße. Der Blutdruck fällt drastisch ab, das Herz beginnt zu rasen, um den Blutdruckabfall auszugleichen. In seltenen Extremfällen kann es zum Herzstillstand kommen.

 

Schweregrad

Haut

Verdauungssystem

Atemwege

Herz-Kreislauf

I, Leichte  Allgemeinreaktion

Juckreiz, Rötung, Nesselausschlag, Schwellung

   

II, Mittelgradige Allgemeinreaktion

Juckreiz, Rötung, Nesselausschlag, Schwellung

Übelkeit, Krämpfe

Rinnende Nase, Heiserkeit, Kehlkopfschwellung

Herzrasen, unregelmäßiger Herzschlag

III, Bedrohliche 

Allgemeinreaktion

Juckreiz, Rötung, Nesselausschlag, Schwellung

Erbrechen, Stuhlabgang

Verkrampfung der Bronchialmuskulatur, Kurzatmigkeit, bläuliche Verfärbung der Haut, Schleimhaut und Fingernägel

Blutdruckabfall, Schock, Bewusstlosigkeit

IV, Organversagen

Juckreiz, Rötung, Nesselausschlag, Schwellung

Erbrechen, Stuhlabgang

Atemstillstand

Kreislaufstillstand

Soforthilfe im Notfall

Bei ersten Anzeichen muss rasch reagiert werden: 

 

  1. Allergie-Auslöser (z.B. Bienenstachel) entfernen. 
  2. Medikamente des Notfallsets einnehmen bzw. verabreichen.
  3. Bei Blutdruckabfall ist der Betroffene in Schocklagerung zu bringen (Kopf und Oberkörper flach liegend, Beine erhöht). Bei Besserung nicht gleich aufstehen (Kollapsgefahr). Die Atemwege möglichst freihalten.
  4. Rettung bzw. Notarzt verständigen (144 oder Euro-Notruf 112).
  5. Allfällige Reanimationsmaßnahmen durchführen. 

Notfall-Medikamente bei allergischen Reaktionen

Kontakt mit Allergie-Auslösern ist nie gänzlich vermeidbar, deshalb sollten Patienten mit einem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche allergische Reaktionen stets ein Notfallset griffbereit haben.

 

Bei ersten Symptomen ist sofort ein Antihistaminikum einzunehmen. Dieses bringt Juckreiz und Schwellungen zum Abklingen. Kortison kann eine verzögerte weitere Reaktion verhindern.

 

Wenn die Symptome über Reaktionen der Haut hinausgehen (ab Schweregrad II) kommt der Adrenalin-Pen zum Einsatz um den Kreislauf zu stabilisieren. Dabei ist auf die richtige Handhabung des jeweiligen Modells zu achten. Bei manchen muss vor der Anwendung eine Sicherheitskappe auf der gegenüberliegenden Seite der Nadel entfernt werden, während andere Injektoren mit einer Schutzkappe auf der Applikationsseite versehen ist. Zudem unterscheiden sich die Modelle in der farblichen Kennzeichnung der Schutzkappe beziehungsweise des beweglichen Nadelschutzes. 

 

Nach dem Entfernen der Sicherheitsvorrichtung wird der Pen in die Führungshand genommen. Dabei ist darauf zu achten, dass der Daumen nicht an einem Ende aufliegt, um eine versehentliche Injektion in den Daumen zu vermeiden. Das kann zu starken Durchblutungsstörungen des Daumens führen. Der Pen wird im 90-Grad-Winkel kräftig gegen die Außenseite des Oberschenkels gedrückt, damit der Nadelschutz zurückschnellt. Ein Klicken signalisiert, dass der Injektor ausgelöst hat. 

 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Ratgeber "Allergischer Notfall" der IGAV – Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


09.07.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
Assoz.-Prof. Dr. Gunter Sturm
Foto (c): Wilke
Leiter des Allergieambulatoriums Reumannplatz in Wien und Facharzt an der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie in Graz
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