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Alkoholsucht

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Bei Alkoholsucht wird das Trinken zum Zwang, Betroffene haben das Verlangen, immer mehr zu trinken. (Syda Productions / Fotolia.com)

Etwa jeder 20. Österreicher ist alkoholabhängig, Männer sind 3-mal häufiger von der Sucht betroffen als Frauen. Bei Alkoholsucht wird das Trinken zum Zwang und drängt andere Aktivitäten in den Hintergrund. 

Betroffene haben das Verlangen, immer mehr zu trinken - wenn sie darauf verzichten, treten Entzugssymptome auf. Die Ursachen finden sich in der individuellen Lebensgeschichte, aber auch im sozialen Umfeld und dem Abhängigkeitspotenzial bzw. der Verfügbarkeit des Alkohols. Auch wenn sie über negative Folgen wie Leberschädigungen Bescheid wissen, können viele Betroffene nicht aufhören, zu trinken. Entzugstherapien, bei denen Medikamente und Psychotherapie eingesetzt werden, helfen bei der Bekämpfung der Abhängigkeit, aber auch der Besuch von Selbsthilfegruppen. 

Häufigkeit von Alkoholsucht

Insgesamt sind 5 % der Österreicher alkoholabhängig, genauer gesagt 7,5 % der Männer und 2,5 % der Frauen. Zusätzlich ist bei 12 % - d. h. bei ungefähr jedem 8. Menschen in Österreich - der Alkoholkonsum problematisch, man spricht von Alkoholmissbrauch.

 
Bei Alkoholmissbrauch entstehen für die Betroffenen durch den Alkoholkonsum Probleme auf zwischenmenschlicher oder rechtlicher Ebene, weil sie ihren Aufgaben (z.B. Job) nicht nachkommen, alkoholisiert Auto fahren oder zu Streit und Aggressionen neigen. Im Gegensatz zur Alkoholsucht ist das Trinken kein Zwang, es treten keine Entzugssymptome auf.

 
Wie viel Alkohol konsumiert werden kann, bis eine Gesundheitsgefährdung eintritt, ist für Männer und Frauen unterschiedlich: 

 

FRAUEN 

MÄNNER 

Unbedenklicher Konsum 

Bis 16 g Alkohol pro Tag
= ca. 0,4 Liter Bier / ca. 0,2 Liter Wein 

Bis 24 g Alkohol pro Tag
= ca. 0,6 Liter Bier / ca. 0,3 Liter Wein 

Gesundheitsgefährdender Konsum 

Ab 40 g Alkohol pro Tag
= ca. 1 Liter Bier / ca. 0,5 Liter Wein 

Ab 60 g Alkohol pro Tag
= ca. 1,5 Liter Bier / ca. 0,75 Liter Wein 

Alkoholsucht: Ursachen/Symptome/Verlauf

Alkohol wird von vielen Abhängigen wie ein Medikament eingesetzt: Wenn es ihnen schlecht geht, sie Stress oder Probleme zu bewältigen haben, trinken sie. Alkohol wird als Konflikt- und Spannungslöser eingesetzt oder als Mittel, um sich besser zu fühlen. Kurzfristig geht es Betroffenen auch besser, der Alkohol hebt die Stimmung und Probleme können leichter vergessen werden - das "Medikament" wirkt. Langfristig gewöhnt sich der Körper an die Wirkung des Alkohols, bei gleichbleibender Menge wird aber schon bald nicht mehr die gleiche Wirkung erzielt. Daher muss die Alkoholmenge erhöht werden, der Betroffene schlittert in die Abhängigkeit. 
 

Ganz allgemein gibt es 3 Faktoren für die Entstehung einer Sucht: 

  • Droge: Wie groß ist ihr Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial? (Wirkung der Substanz auf den Körper); Wie verfügbar ist sie? (kulturell unterschiedliche Verfügbarkeit und Strafbarkeit) 
  • Individuum: Welche genetischen und lebensgeschichtlichen Einflüsse gibt es? (z.B. alkoholkranke Eltern, Traumata); Welche biologischen und psychologischen Faktoren gibt es? (z.B. psychische Erkrankungen) 
  • Sozialfeld: Welche sozialen Rahmenbedingungen liegen vor? (z.B. Arbeitslosigkeit, Armut); Welche Besonderheiten gibt es im familiären Kleinraum? (z.B. Scheidung, Verlust eines Familienmitglieds) 

Von Alkoholabhängigkeit spricht man dann, wenn irgendwann während des vergangenen Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig aufgetreten sind: 
 

  • zwanghaftes Trinken 
  • Verlust der Kontrolle über die aufgenommene Alkoholmenge 
  • Auftreten von Entzugssymptomen (wenn der Alkoholkonsum eingeschränkt wird) 
  • Entstehen einer Toleranz (es sind immer höhere Mengen an Alkohol nötig um die gewünschte Wirkung zu erzielen) 
  • Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten und erhöhter Zeitaufwand für Beschaffung, Konsum und Erholung von Alkohol
  • Anhaltender Alkoholkonsum trotz des Wissens um negative Folgen

So viel Alkohol ist in verschiedenen Getränken enthalten: 

 

GETRÄNK 

MENGE 

ALKOHOLGEHALT 

Bier

0,33 Liter 

ca. 13 g 

Bier

0,5 Liter 

ca. 20 g 

Wein (leicht) 

1 Liter 

ca. 55-75 g 

Wein (mittel) 

1 Liter 

ca. 75-90 g 

Wein (schwer) 

1 Liter 

ca. 90-110 g 

Korn (32 % vol.) 

1 Liter 

ca. 250-260 g 

Weinbrand (38-40 % vol.) 

1 Liter 

ca. 300-320 g 

Whiskey (38-40 % vol.) 

1 Liter 

ca. 340-350 g 

 

0,05 Liter Korn = 0,25 Liter Wein / Sekt = 0,5 Liter Bier / Most = 1/16 Liter Spirituosen (3 Schnäpse à 20 ml) = 1/8 Liter Likör 

Bei Alkoholabhängigen kann eine Alkoholisierung von etwa 3-4 Promille gegeben sein, ohne dass sie sich auffällig verhalten. Bei Personen, die nicht an die Wirkung von Alkohol gewöhnt sind, treten die nachfolgend aufgelisteten Reaktionen ein: 
 

PROMILLE (‰) 

WIRKUNG 

Unter 0,2 ‰ 

Enthemmende Wirkung, gesteigerte Redseligkeit 

Ab 0,3 ‰ 

Erste Beeinträchtigungen
(Sehfeldeinschränkung, Entfernungseinschätzung) 

Ab 0,5 ‰ 

Reaktionszeit verlängert, vor allem auf rote Signale (Rotlichtschwäche) 

Ab 0,8 ‰ 

Erste Gleichgewichtsstörungen, eingeengtes Gesichtsfeld (Tunnelblick), deutliche Enthemmung 

1-1,5 ‰ 

Sprachstörungen, erhöhte Risikobereitschaft und Aggressivität 

2-2,5 ‰ 

Starke Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Lallen 

Merh als 2,5 ‰ 

Bewusstseinseintrübung, Lähmungserscheinungen, Doppelbilder, Amnesie 

Mehr als 3,5 ‰ 

Gefahr der potenziell lebensbedrohlichen Atemdepression 

Alkohol wirkt auf folgende Grundfunktionen: 

  • Sensorik: Seh- und Hörvermögen verschlechtert sich, Schmerzempfindlichkeit sinkt, schnellere Ermüdung
  • Intellekt: Verbale und nonverbale intellektuelle Fähigkeiten verschlechtern sich bei Alkoholeinfluss 
  • Gedächtnis und Lernen: Gedächtnis (vor allem Kurzzeitgedächtnis) und die Fähigkeit, Neues zu lernen, sind beeinträchtigt 
  • Emotionen: Mehr Impulsivität; Stimmungsänderungen: depressiv, müde, gereizt; Euphorie

Es gibt verschiedene Typen von Alkoholikern (nach Lesch): 
 

ALPHA-TYP 

 
  • Konflikt- und Problemerleichterungstrinker
  • Nur psychische Abhängigkeit
  • Kein Kontrollverlust – undiszipliniertes Trinken mit Fähigkeit zur Abstinenz 
 

BETA-TYP 

 
  • Gelegenheitstrinker

  • Weder psychische noch körperliche Abhängigkeit
  • Kein Kontrollverlust 
 

GAMMA-TYP 

 
  • Süchtiger Trinker
  • 
Erst psychische, dann körperliche Abhängigkeit
  • Kontrollverlust mit Abstinenzphasen 
 

DELTA-TYP 

 
  • Gewohnheitstrinker: Kontinuierlicher Alkoholkonsum, selten mit Rausch
  • Körperliche Abhängigkeit

  • Weder Kontrollverlust noch Abstinenz 
 

EPSILON-TYP 

 
  • Episodischer Trinker

  • Psychische Abhängigkeit
  • Kontrollverlust mit Fähigkeit zur Abstinenz 
 

 

Jahrelanger exzessiver Alkoholkonsum kann verschiedenste körperliche Erkrankungen nach sich ziehen. Leberschädigungen (z.B. Fettleber, Leberzirrhose), Lungenerkrankungen (z.B. COPD), Traumata, Bluthochdruck, Ernährungsstörungen (z.B. Mangelernährung) und Störungen des Gastrointestinaltraktes (z.B. Gastritis, Magen-Darm-Geschwür) können die Folge sein. Auch psychische Erkrankungen können auftreten. Zu den wichtigsten gehören depressive und aggressive Störungen, Eifersuchtswahn, Halluzinose und Gedächtnisverlust. 

 

Da die Betroffenen wegen dem Trinken oft andere Lebensbereiche von Hobbys, Freundschaften bis hin zum Job vernachlässigen, sind die sozialen Folgen ebenfalls von Bedeutung. 

Diagnose von Alkoholsucht


Die Diagnose Alkoholabhängigkeit wird dann gestellt, wenn mindestens 3 der folgenden Symptome

  • zwanghaftes Trinken,

  • Kontrollverlust
  • 
Entzugssymptome,
  • 
das Verlangen nach immer höheren Trinkmengen
  • Vernachlässigung anderer Aktivitäten
  • fortgesetztes Trinken trotz negativer Folgen 

innerhalb des letzten Jahres aufgetreten sind. 

 

Dies kann mithilfe von Selbstbeurteilungsfragebögen erfasst werden, in denen die Betroffenen ihr Trinkverhalten beurteilen. Zusätzlich dazu können auch Laboruntersuchungen durchgeführt werden, um die Diagnose zu bestätigen. Der aktuelle Alkoholkonsum lässt sich gut über die Menge an Ethylalkohol in Atemluft, Blut oder Urin messen. Für den chronischen Alkoholkonsum können die Stoffe Ethylglukuronid und Phosphatidylethanol herangezogen werden, die in Haaren, Blut oder Urin nachgewiesen werden können. 

Therapie von Alkoholsucht

Für die Behandlung von Alkoholsucht gibt es mehrere Möglichkeiten. Für den Entzug können folgende Mittel bzw. Methoden eingesetzt werden:

 

Medikamente: Entweder, um das Verlangen nach Alkohol zu dämpfen. Sie unterstützen aber auch im Rahmen einer abstinenzorientierten Entzugstherapie, um unangenehme Vergiftungserscheinungen (z.B. Erbrechen) hervorzurufen, wenn doch getrunken wird. Außerdem kann die Stimmung verbessert und häufig auftretende Schlafprobleme reduziert werden.

 

Psychotherapie: Alle Therapieformen sind für Alkoholabhängige geeignet - das Spektrum reicht von tiefenpsychologischer Psychotherapie über Verhaltenstherapie, von systemischer Therapie bis hin zu familienorientierter Therapie. 
 

Neuere Ansätze gehen davon aus, dass Alkoholsucht nicht die Ursache, sondern die Folge eines zugrundeliegenden Problems - einer psychischen Erkrankung oder persönlichen Krise des Betroffenen - ist. Deshalb sollte bei Alkoholabhängigen immer auch überprüft werden, ob Depressionen, Borderline-Störung, Schizophrenie, Zwänge oder Ängste vorliegen, aus denen sich die Sucht entwickelt haben könnte. Bei Bedarf können Psychopharmaka wie Antidepressiva eingesetzt werden. 

 

Statt völlige Abstinenz als Ziel anzustreben, die im Alltag schwer aufrechtzuerhalten ist, geht die Entwicklung hin zu Entzugstherapien, die kontrolliertes Trinken als Ziel haben. 

AUTOR


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


24.11.2016
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Wolfgang Gombas
Arzt für psychosomatische Medizin, Systemischer Psychotherapeut
LETZTES REVIEW
QUELLEN
Interview mit Dr. Wolfgang Gombas, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapeut
Interview mit Dr. Wolfgang Gombas, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapeut
Suchtmedizin kompakt – Suchtkrankheiten in Klinik und Praxis, F. Tretter (Hrsg.), Schattauer, 2. Auflage, Stuttgart, 2012
Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F), WHO/H. Dilling, W. Mombour & M. H. Schmidt (Hrsg.), Verlag Hans Huber, 7. Auflage, Bern 2010
Handbuch Alkohol – Österreich. Band 1: Statistiken und Berechnungsgrundlagen 2013, Bundesministerium für Gesundheit, 5. Auflage, Wien, 2013

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