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Wirkstoff in Brokkoli soll bei Autismus helfen

Brokkoli-Rößchen
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Ein bestimmter Inhaltsstoff in Brokkoli kann bei Autismus helfen. (Pexels.com)

Kinder mit Autismus haben ein atypisches Sozialverhalten und eine verzögerte Sprachentwicklung. Ein Wirkstoff aus Brokkoli-Sprossen-Extrakt ist die erste orale Therapie, die Wirkung zeigt.

Eines von 86 Kindern, das entspricht 1,5 %, erhält die Diagnose "Autismus". Menschen, die eine Entwicklungsstörung im Bereich des Autismus-Spektrums haben, zu dem auch das Asperger Syndrom zählt, haben oft Schwierigkeiten, regulär mit ihrem Umfeld zu kommunizieren. Sich wiederholende, zwanghafte Verhaltensmuster sind ebenfalls typisch. Bislang galt Autismus als unheilbar. Eine neue Studie zeigt, dass eine Milderung möglich ist. Der erfolgsversprechende Wirkstoff wurde gefunden, als Autismus-Symptome nach Fieberschüben schwächer wurden. Ein Brokkoli-Wirkstoff soll nun nebenwirkungsfrei den Zellschutz bei Fieber nachahmen.

Verbessertes Sozialverhalten nach wenigen Wochen

Zu Beginn der Studie hielten die Forscher den Status Quo im Verhalten der Studienteilnehmer fest. Dazu wurden mehrere gängige Verfahren zur Messung des Autismus angewandt. Die soziale Reaktionsfähigkeit und das abweichende Verhalten wurden dazu mit Hilfe einer Skala erhoben. Dabei gaben auch die Eltern und behandelnden Ärzte der Studienteilnehmer ihren Input. Diese Erhebung wurde am Ende der Studie wiederholt, um eventuelle Veränderungen zu dokumentieren.

 

Um die Wirksamkeit des Medikamentes zu überprüfen, wurden die 44 Studienteilnehmer, die zwischen 13 und 27 Jahre alt sind, in zwei Gruppen geteilt:

  • 29 Teilnehmer erhielten den Wirkstoff Sulforaphan, in einer auf ihr Körpergewicht angepassten Menge, in Tablettenform
  • 15 Teilnehmer erhielten ein Placebo
  • Weder die Studienteilnehmer, noch ihre Familien, wussten, wer den tatsächlichen Wirkstoff bzw. das Placebo erhielt.

Schon nach wenigen Wochen war das Sozialverhalten der Gruppe, die Sulforaphan erhielt, deutlich verbessert, und zwanghafte Wiederholungshandlungen kamen seltener vor. Bei der Placebo-Gruppe veränderte sich das Verhalten dahingegen nur unwesentlich.

Erhöhter Zellstoffwechsel verbessert Autismus-Symptome

Die Wissenschafter des Massachussets Hospital for Children stießen ursprünglich durch die Berichte von Eltern auf den Wirkstoff Sulforaphan. Diese hatten beobachtet, dass die Symptome ihrer Kinder nachließen, wenn sie einen Fieberschub gehabt hatten. Während dem Fieber fährt der Körper ein Programm, das die Zellen vor der extremen Hitze schützen soll. Bei Störungen im Autismus-Spektrum besteht bereits länger der Verdacht, dass zelluläre Prozesse durch genetische und umweltbedingte Faktoren verändert ablaufen. Daher suchten die Forscher nach einem Wirkstoff, der die Wirkung von Fieber auf die Zellen imitiert, ohne ihnen jedoch zu schaden. Bei Sulforaphan, einem Stoffe, der u. a. in Brokkoli vorkommt. wurden sie fündig. Sulforaphan fördert die zelluläre Schutzfunktion und den Zellstoffwechsel beschleunigt. Die Studie verlief vielversprechend. Brokkoli zu essen ist übrigens zwecklos - Sulforaphan ist ein hochkonzentrierter Wirkstoff, der in Brokkoli selbst nur in Spurenelementen vorkommt.

Wirkung hielt nur während Medikamentengabe

Die Untersuchung lief noch 4 Wochen weiter, nachdem die Gabe des Medikamentes eingestellt worden war. Dabei stellten die Wissenschafter fest, dass das Verhalten der Studienteilnehmer sich wieder dem zu Beginn der Studie anglich. Mögliche Verbesserungen, die mit dem Medikament erreicht werden können, bleiben also nur während der Einnahme bestehen.

AUTOR


Magdalena Eitenberger, MA
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Elisabeth Mondl


ERSTELLUNGSDATUM


14.10.2014

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