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Bipolare Störung (Bipolare Erkrankung)

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In Österreich sind zwischen 85.000 und 170.000 Personenan an einer schweren Bipolaren Störung erkrankt. (loreanto / Fotolia.com)

Jeder kennt Schwankungen in seinem Gefühlsleben. Bei Menschen mit einer bipolaren affektiven Störung jedoch wechseln depressive Episoden mit manischen bzw. hypomanischen Phasen ab. Ausprägung und Verlauf können sehr unterschiedlich sein. 
 

Meist überwiegen depressive Phasen mit Symptomen wie vermindertem Antrieb, Gefühlsleere oder Appetitverlust. Auf eine depressive Phase folgt eine manische: Sie lässt Betroffene vor Energie strotzen und treibt sie zu Höchstleistungen - bis der Absturz in die Depression kommt. Zwischen 2 Episoden können auch beschwerdefreie Phasen liegen. Menschen mit schweren Formen der bipolaren Erkrankung sind oft akut suizidgefährdet, daher sollten sie unbedingt in ärztliche Behandlung. Auch die Neigung zu Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch sowie Angsterkrankungen ist sehr hoch. 
 

Häufigkeit

In Österreich leiden zwischen 85.000 und170.000 Personen (1 bis 2 % der Allgemeinbevölkerung) an schweren Verlaufsformen der Erkrankung, die früher auch als "manisch-depressives" Krankheitsbild bezeichnet wurde. Die "Stoffwechselstörung" bleibt lange Zeit unerkannt, es dauert im Schnitt acht Jahre bis zur Diagnose. Vor allem leichtere Formen von Stimmungsschwankungen, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können, werden oft nicht diagnostiziert. Schätzungen zufolge leiden etwa 400.000 bis 800.000 Österreicher an moderaten Formen dieser Erkrankung. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. 
 

Eine bipolare Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, häufig zeigen sich die ersten Symptome zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr. 
 

Ursachen/Symptome/Verlauf

Bipolare Erkrankungen können jeden treffen, sie werden durch ein Ungleichgewicht verschiedener Botenstoffe im Gehirn hervorgerufen, die für Fühlen und Denken zuständig sind (wie Serotonin, Noradrenalin, Dopamin) und beeinflussen Gefühle und Denkprozesse stark. Die Anlage zur Erkrankung wird zum Teil vererbt. 
 

Es können depressive, manische, hypomanische und gemischte Episoden auftreten: 
 

Depressive Episode


Die depressive Episode einer bipolaren Störung unterscheidet sich nicht von schweren Stadien einer "herkömmlichen" (unipolaren) Depression. Sie kann mindestens 2 Wochen aber auch monatelang dauern. Häufige Symptome sind: 

  • Traurigkeit, depressive Verstimmung, Gefühlsleere

  • Verminderter Antrieb, rasche Ermüdung
  • Gefühl der Wertlosigkeit, Schuldgefühle
  • Verlangsamung des Denkens, Konzentrationsstörungen
  • 
Ein-/ und Durchschlafschwierigkeiten oder erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Appetitverlust oder gesteigerte Nahrungsaufnahme
  • Suizidgedanken 

Manische Episode, hypomanische Episode

Übersteigerter Tatendrang, Rastlosigkeit, Aggressivität - all diese Symptome sind typisch für Personen, die in exzessiven Hochstimmungsphasen (Manie) große Probleme mit der eigenen Wahrnehmung und einem enthemmten, distanzlosen Verhalten zu ihrer Umwelt haben. Die Vorstufe zur Manie wird - mit abgeschwächten Beschwerden - auch als Hypomanie bezeichnet. 
 

Gemischte Episode 

Bei sehr gedrückter Stimmung und Hochstimmung in sehr kurzen Abständen (innerhalb von Tagen und Stunden) spricht man von "Mischzuständen". Diese Phase kann beispielsweise in Form von gedrückter Stimmung, begleitet von Rededrang und Überaktivität oder auch durch Euphorie gepaart mit Antriebslosigkeit zum Ausdruck kommen. Das Suizidrisiko ist während dieser gemischten Episode sehr hoch. 
 

Anzahl und Dauer der Krankheitsepisoden können zwischen einigen Tagen, mehreren Monaten und einigen Jahren variieren. Zwischen den einzelnen Krankheitsepisoden können Intervalle von mehreren Monaten oder Jahren liegen, in denen der Patient völlig beschwerdefrei ist bzw. über eine stabile Stimmungslage verfügt. 
 

Diagnose

Entscheidend für die Diagnose ist ein genauer Bericht der Lebensgeschichte und der Probleme des Erkrankten (z.B. Suchterkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten, familiäre Erkrankungen...). Da Verlauf und Beschwerden sehr vielfältig sein können, sollte ein Psychiater konsultiert werden. Er wird in Gesprächen und mit Hilfe moderner KlassifikationssystemeilfeH die für bipolare Störungen charakteristischen Kriterien bestimmen. 
 

Weiters sollte der Arzt eine Schilddrüsenüberfunktion ausschließen. 
 

Therapie

Ohne Behandlung nehmen Anzahl und Schweregrad der manischen wie auch der depressiven Episoden im Verlauf der Erkrankung zu, daher ist es besonders wichtig, möglichst früh mit einer Therapie zu beginnen. 
 

Akutbehandlung 

Mithilfe von Medikamenten werden akute Episoden zum Abklingen gebracht und das Auftreten neuer Krankheitsschübe deutlich abgeschwächt bzw. verhindert. Je nach Phase der Erkrankung (Akut-, Stabilisierungs-, Erhaltungsphase) kommen verschiedene Medikamente - Stimmungsstabilisatoren und Akutmedikamente - zum Einsatz. 
 

In der Akutbehandlung werden vor allem sogenannte Neuroleptika (Antipsychotika) verordnet. 
 

Stimmungsstabilisatoren 

Die Stimmungsstabilisatoren werden in unterschiedlichen Dosierungen in allen Phasen bipolarer Erkrankungen angewandt. Wichtig ist eine exakte Dosierung und regelmäßige Kontrolle beim Psychiater. Zu den wichtigsten Stimmungsstabilisatoren zählen Lithium, Valproat, Carbamazepin und Lamotrigin sowie die modernen Atypika - insbesondere Quetiapine, Aripiprazol, Risperidon und Olanzapin. 
 

Psychotherapie 

Eine Psychotherapie sollte fester Bestandteil der Behandlung sein: Sehr häufig kommt die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz. Es geht unter anderem um die Bearbeitung von Gedanken-, Gefühls- und Verhaltensmustern in manischen und depressiven Episoden. 
 

Psychoedukation


Psychoedukation setzt sich mit allen Themen rund um die Erkrankung Bipolar auseinander. In Gruppen lernen Teilnehmer aktiv mit ihrer Erkrankung umzugehen. 
 

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Wichtig ist es, die verordneten Medikamente regelmäßig einzunehmen, auch wenn der Zustand stabil ist. Absetzen ohne ärztliche Rücksprache kann einen erneuten Krankheitsschub auslösen. 
 

Ein Tagebuch gibt Aufschluss über die Abfolgen der Episoden.
Ein geregelter Tagesablauf und regelmäßige Schlafenszeiten sowie Sport wirken sich sehr positiv aus. 
 

Stress zählt zu den möglichen Auslösern einer Episode. Techniken zur Stressbewältigung können wichtige Impulse sein. 
 

AUTOR


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


09.12.2013
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Christine Allen
Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin- ÖÄK Diplome: Akupunktur, Ernährungsmedizin, Orthomolekulare Medizin, Pallativmedizin, Psychotherapeutische Medizin
LETZTES REVIEW
QUELLEN
Depression und Manie, C.Simhandl, K. Mitterwachauer, Springer Verlag, 1. Auflage, Wien, 2007
Bipolare Erkrankungen, S. Kasper, P. Hauk, Verlagshaus der Ärzte, 1. Auflage, Wien, 2006

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