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Burnout

Psychische Erschöpfung und Müdigkeit
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Burnout: Jeder 5. Österreicher fühlt sich ausgebrannt. (photographee.eu / Fotolia.com)

Müde, abgeschlagen, antriebs- und lustlos, einfach ausgebrannt: Über das Phänomen Burnout klagt etwa jeder 5. Österreicher.

Der gefürchtete Zustand des Ausgebranntseins kommt nicht über Nacht, sondern entwickelt sich schleichend in verschiedenen Stadien. Der Körper ermüdet aufgrund komplizierter chemischer Vorgänge schon viel früher als die ersten Stresssymptome sichtbar sind. Der verstärkte Griff zu "Stresspuffern" wie Alkohol oder Zigaretten ist ein Alarmzeichen dafür, dass das Lebenstempo möglicherweise im oberen Drehzahlbereich liegt und ein Zusammenbruch kurz bevorstehen könnte.

Was ist Burnout?

Der Begriff "Burnout" ist mehr als 30 Jahre alt und entspringt den Forschungen amerikanischer Wissenschafter. Er beschrieb ursprünglich den Zustand von Menschen, die sich zu Beginn sehr für ihre Aufgabe engagieren, und sich in der Folge oft lustlos, müde, eben "ausgebrannt" fühlen. Bis heute gibt es keine einheitliche Beschreibung für diesen Zustand.

 

Die Wissenschaft kennt heute mehr als 160 Definitionen, die den Begriff "Burnout" zu erklären versuchen. Während in den 1970er-Jahren in erster Linie Menschen in Sozialberufen, in der Folge auch in Gesundheitsberufen, als Burnout-gefährdet galten, bezieht sich der Begriff heute auf die gesamte Arbeits- und Privatwelt. Burnout entsteht durch sich wiederholende Stresssituationen. Der Betroffene ist nicht mehr in der Lage, sich nach einer Stressbelastung zu regenerieren, er gerät in eine "Stressspirale", aus der man ohne professionelle Hilfe auch kaum mehr hinaus findet. Hält diese Dichte an Belastungen an, führt sie letztlich zum Burnout, also zum völligen "Ausgebranntsein".

Burnout verläuft in Phasen


Freudenberger und North haben ein Phasenmodell entwickelt, das 12 Stadien von Burnout beschreibt.

  • Stadium 1: Der Zwang, sich selbst zu beweisen

  • Stadium 2: Verstärkter Einsatz
  • 
Stadium 3: Subtile Vernachlässigungen eigener Bedürfnisse
  • Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
  • Stadium 5: Umdeutung von Werten
  • 
Stadium 6: Verstärkte Verleugnung der auftretenden Probleme
  • Stadium 7: Rückzug

  • Stadium 8: Beobachtbare Verhaltensänderung
  • 
Stadium 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
  • Stadium 10: Innere Leere

  • Stadium 11: Depression
  • 
Stadium 12: Völlige Burnout-Erschöpfung

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) hat ein Positionspapier erstellt, das im Wesentlichen 3 Dimensionen von Burnout-Beschwerden beschreibt:

 

1. Die emotionale Erschöpfung 

Betroffene fühlen sich überfordert und ausgelaugt, die körperlichen und psychischen Reserven sind nahezu aufgebraucht. Müdigkeit, Abgeschlagenheit und ein dauernder Energiemangel sind typisch für diese Erschöpfung. Betroffene, die sich in dieser Spirale befinden, sind meist auch unfähig, sich zu entspannen. In der Folge treten Schlafstörungen auf, hinzu kommen körperliche Beschwerden, charakteristischerweise Rückenschmerzen und Kopfschmerzen oder Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt. Aufgrund des geschwächten Allgemeinzustandes sind diese Menschen auch anfällig für Infekte. 
 

2. Zynismus/Distanzierung/Depersonalisation

Wurde vor Ausbruch der Erschöpfung die Arbeit noch als positiver Faktor gesehen, ändert sich diese Sichtweise im Zuge einer zunehmenden Erschöpfung: Frustration schleicht sich ein und führt zu einer Distanzierung von der Arbeit. Verbitterung, Schuldzuweisungen und eine Abwertung der eigenen Tätigkeiten oder der Arbeit der Kollegen entsteht, in der Folge entwickelt sich ein Zynismus, der sich häufig auch gegen die Arbeitskollegen (oder Familienmitglieder, Freunde) richtet. Im schlimmsten Fall tritt ein Gefühlsverlust auf, eine Depersonalisation, der Betroffene ist plötzlich unsensibel und "asozial".

 

3. Verringerte Arbeitsleistung 

Betroffene fühlen sich ausgelaugt und zweifeln an der Qualität ihrer Arbeit und schreiben dies einem negativen Arbeitsumfeld zu. Sie sind nicht mehr in der Lage, dieselbe Arbeitsleistung wie bisher zu erbringen. Das andauernde Gefühl, belastet zu sein, führt dazu, dass Betroffene ihre Arbeitsleistung verringern. Mehr noch: Es herrscht die Vorstellung, dass bei einer Änderung der negativen Arbeitsbedingungen (weniger Arbeit, mehr Anerkennung, andere Aufgaben etc.) auch das eigene seelische Gleichgewicht wieder hergestellt wäre.

 

Definitionen von Freudenberger et al. verweisen zwar darauf, dass Burnout an sich keine Erkrankung ist; andererseits wird der Zustand "aus der Balance" von schweren Krankheitssymptomen wie Konzentrationsstörungen, Depression, Angstzuständen und mitunter auch Suizidgefahr begleitet. 

Entwicklung von Burnout

Häufig werden Beschwerden mit dem Maslach-Burnout-Inventar (MBI) anhand von 25 Kriterien erfasst. Eine wissenschaftlich fundierte Möglichkeit der Messung bieten die internationalen Diagnosekriterien psychischer Erkrankungen (International Classification of Diseases, ICD-10), messbar sind im Zuge dessen jedoch weder Konzentrationsstörungen noch depressive Stimmungen oder eine bestehende Suizidgefahr.

 

Experten plädieren für eine Zusammenschau, bei der dynamische Zusammenhänge in die Diagnose mit einfließen. So müssen beispielsweise Bedingungen am Arbeitsplatz oder in der Familie ebenso in die Diagnose einbezogen werden wie bereits bestehende Erkrankungen.

 

Daraus ergibt sich nachstehende vierstufige Betrachtung:

 

1. Vorübergehende Arbeitsüberforderung

Ungewöhnliche Situationen, Aufgaben oder Herausforderungen bringen mitunter "schlaflose Nächte" mit sich. Der Körper reagiert mit Anspannung, Nervosität, Schlafproblemen etc. Sind diese Überforderungen vorübergehend, d.h. kann sich der Betroffene in Stresspausen wieder normal regenerieren, sollte man nicht von "Burnout" sprechen, da bewältigbare Prozesse keine Krankheitszustände hervorrufen. 

 

2. Längerfristige Arbeitsüberforderung

Dauern die oben beschriebenen Zustände mehrere Wochen bis Monate an und hat der Betroffene keine Möglichkeit, sich zu regenerieren, kommt es zu dauerhafter Erschöpfung, Leistungsminderung und vegetativen Störungen. In diesem Fall spricht man von "Burnout". Die Gründe dafür sind unterschiedlich, wie etwa tatsächlich unbewältigbare Aufgaben, mangelnde Anerkennung, fehlende Abgrenzung, Perfektionismus, überhöhter Selbstanspruch u.v.m.

 

3. Auslöser psychischer oder somatischer Erkrankungen

Eine Arbeitsüberforderung in Kombination mit einer ICD-10-Erkrankung, wie z.B. Depression, Alkoholmissbrauch oder Angststörungen, kann ein entscheidender Risikofaktor für die Manifestation einer psychischen oder somatischen Erkrankung sein. So etwa können z.B. gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Müdigkeit als Hauptsymptom auftreten. Werden sie von Zusatzsymptomen wie Schuldgefühlen, Schlafstörungen, verminderter Konzentrationsfähigkeit oder Appetitlosigkeit begleitet, kann dies zur Entstehung von depressiven Episoden führen.

 

4. Krankheiten als Ursache

Burnout-ähnliche Beschwerden treten u.a. auch in Folge von Erkrankungen wie chronischem Schmerz, Krebs, Psychosen, Schilddrüsenerkrankungen oder Multipler Sklerose auf. Die Betroffenen haben das Gefühl der Überforderung und können mitunter "normal" bewältigbare Arbeitsprozesse aufgrund ihrer Grunderkrankung nicht bewältigen. 

Diagnose von Burnout

Stress ist eine Reaktion, die über das Limbische System und den Hypothalamus im Gehirn gesteuert wird. Nicht jeder Stress macht krank. Positiver Stress (Eustress) sorgt für die nötige Spannkraft und Leistungsfähigkeit. Bei übermäßiger Beanspruchung befindet sich der Körper in Daueralarmbereitschaft und innerlich auf Hochtouren. Dies bezeichnet man als Distress. Messbar ist Stress mit Hilfe des CSA (Clinical Stress Assessment).

 

Während einer Stresssituation werden in unserem Körper eine Reihe biochemischer Vorgänge aktiviert. In Stresssituationen steigt z. B. der Adrenalinspiegel oder der Cortisolspiegel an. Chronisch erhöhtes Adrenalin wiederum kurbelt den Zuckerstoffwechsel an, dadurch gelangt zu viel Milchsäure ins Blut, es wird sauer. Der Körper versucht, durch verstärkte Atmung die gasförmige Säure – es liegt als Kohlendioxid vor – loszuwerden. Da neben diesem Prozess auch Wasserdampf abgeatmet wird, also weniger Flüssigkeit im Körper bleibt, verdickt sich das Blut. 

 

Ein weiteres Problem ist der hohe Energieumsatz, der durch Stress verursacht wird. Aufgrund dieses hohen Energieumsatzes nimmt das Gewebe zu viel Kalzium auf, es lagert sich in den Knochen ab und führt im ungünstigsten Fall zu Osteoporose. Außerdem wird durch den hohen Energieumsatz wichtiges Magnesium verbraucht. In der Folge gerät der gesamte chemische Haushalt des Körpers aus der Balance, es kommt zu Veränderungen des Mineralstoffgehalts (bedingt durch Kalzium und Magnesium). 
 

Chemisch ist ein Burnout, schon lange bevor es seine äußeren Symptome zeigt, im Körper messbar, z. B. durch einen niedrigen Magnesium- oder Kalziumgehalt und einen erhöhten Milchsäureanteil im Blut. Das System beruhigt sich vielleicht wieder, doch wird der Stress chronisch, bleiben auch Adrenalin-, Noradrenalin- und Cortisolspiegel im Körper erhöht. Der nachfolgende Burnoutzustand ist vergleichbar mit Depressionen oder der Apathie nach Schockzuständen: Der Körper beschränkt seine Funktionen auf wichtige Organe, wie Leber, Herz, Niere und Hirn, um die wenigen Kraftreserven zu schonen.

Therapie von Burnout

Stress und Burnout sind kein unausweichliches Schicksal. Eine Reihe von Spezialisten, wie Arbeitsmediziner, Stressmediziner und Fachärzte für Psychiatrie, können dabei helfen, der Stressspirale bzw. einem Burnout zu entkommen. Wichtig ist es vor allem, in bestimmten Bereichen "Ordnung" bzw. "Muster" zu schaffen.

  • Zeitmanagement: Ganz ohne Stress geht es im Alltag kaum. Doch ein effektives Zeitmanagement ist zugleich auch ein gutes Stressmanagement. Wichtig ist es, zu lernen, wie man mit Stress umgeht. Gesundheitspsychologen oder Coaches, die in diesem Bereich spezialisiert sind, helfen weiter. 
  • Entspannung: Gefährlich wird eine Überlastung dann, wenn der Körper und der Geist keine Chance mehr haben, sich wieder zu erholen. Günstig ist es daher, Entspannungstechniken zu erlernen.
  • Coaching: Eine Begleitung und Unterstützung bei schwierigen Arbeitssituationen trägt dazu bei, dass man eigene Strategien findet, besondere Fähigkeiten deutlich macht und Probleme aus einer anderen Perspektive sieht. 
  • Probleme am Arbeitsplatz oder im Privatleben: Über Probleme zu sprechen, löst sie zwar meist nicht, doch erleichtert so manche Entscheidungsfindung. Für tiefliegende Probleme stehen Psychotherapeuten mit Rat und Tat zur Seite. Sie helfen mit, neue Perspektiven und Veränderungsmöglichkeiten zu finden. Betroffene werden angeleitet, selbst Lösungen zu entwickeln und erfahren so Hilfe zur Selbsthilfe.
  • Medizinische Behandlung: Burnout an sich ist keine Krankheit, die man behandeln kann. Vielmehr führt Burnout zu einer Reihe von Begleiterkrankungen, bzw. es liegen Grunderkrankungen vor, die Burnout verursachen können. Ein Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens ist in jedem Fall eine gute Basis, um wieder gesund und in Balance durchs Leben zu gehen.

Burnout vorbeugen: Tipps

Distanz zur Arbeit aufbauen

Moderne Arbeitsbedingungen erzeugen Stressfallen, die man jedoch entschärfen kann: Versuchen Sie, klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen. Ständige Erreichbarkeit muss nicht sein! Lesen Sie eine E-Mail nicht sofort wenn sie eintrifft, sondern schließen Sie erst eine Tätigkeit ab. Experten wissen, dass wir viel effektiver arbeiten, wenn Mail-Zeiten eingegrenzt werden. Durch die ständigen Unterbrechungen sind wir sonst häufig unter unserem Konzentrationsoptimum. Zudem gilt es, Aufgaben auch zu delegieren. Man muss nicht immer alles selber machen. Und: Pausen während der Arbeit sind wichtig und keine verschwendete Zeit!

 

Perfektionismus ablegen

Zwingen Sie sich nicht ständig selbst zu Höchstleistungen! Niemand kann immer perfekt sein und man muss es auch nicht sein. Fehler passieren und sind keine Schande, für die Sie sich selbst fertig machen müssen.

 

Nein sagen lernen

Ob im Beruf oder in Beziehungen: Es ist wichtig, Nein sagen zu können. Wer keine Grenzen ziehen kann, zahlt möglicherweise einen hohen Preis. Unzufriedenheit und das Gefühl, dass alle anderen mehr über die eigene Energie und Zeit verfügen als man selbst, können in Depressionen oder eben einem Burnout münden. Nein sagen zu können ist also extrem wichtig für unseren Selbstschutz. Achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse und nicht nur auf die Ihrer Mitmenschen.

 

Täglich erholen

In der Freizeit sollten Sie gezielt für Ausgleich zum Stress sorgen. Hören Sie dabei auf Ihr Innerstes, um herauszufinden, was Sie zur Erholung brauchen: Das kann an einem Tag Ruhe, am nächsten jedoch das Treffen von Freunden und am übernächsten Sport sein.

 

Entspannungstechniken erlernen

Wer nur schwer durchatmen und das Gedankenkarussell kaum anhalten kann, sollte spezielle Techniken erlernen, die bei der Entspannung helfen. Das können z. B. autogenes Training, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder asiatische Techniken wie Yoga, Meditation, Tai-Chi oder Qigong sein. Die Österreichischen Volkshochschulen und andere Organisationen der Erwachsenenbildung bieten spezielle Kurse an, sowie Stressbewältigungsseminare, in denen ebenfalls solche Techniken vermittelt werden.

 

Dem Stress davonlaufen

Ausdauersport gilt als eines der besten Mittel, um Stress abzubauen. Erwiesenermaßen normalisiert sich durch Ausdauersport einerseits das Stresshormonsystem, andererseits wirkt die Bewegung auch gegen Symptome, die durch Stress entstehen. Die Dosis ist dabei entscheidend, damit Sport nicht selbst Stress erzeugt: Experten empfehlen eine halbe Stunde Ausdauersport mindestens 3 Mal pro Woche. Sie sollen und müssen also nicht zum Höchstleistungssportler werden, um sich gegen Burnout zu wappnen.

 

Jeden Tag eine Freude

Planen Sie jeden Tag etwas ein, das Ihnen Freude bereitet. Das kann die Ausübung eines Hobbys sein, Unternehmungen mit Freunden, ein nettes Telefonat, das Hören Ihrer Lieblingsmusik oder die Zubereitung von leckerem Essen.

 

Selbstwert steigern

Schreiben Sie jeden Abend in ein kleines Buch, was Sie an dem zu Ende gehenden Tag alles gut gemacht haben. Freuen Sie sich darüber und klopfen Sie sich selbst auf die Schulter. Das steigert Ihren Selbstwert.

Audio: Stress lass nach! Die Psyche durch mehr "Momente für mich" stärken

Referentin: Mag. Nina Lankes (15.5.2019)

AUTOR


Dr.Doris Simhofer, Anja Speitel
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


29.12.2016 / 13.04.2021
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Christine Allen
Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin- ÖÄK Diplome: Akupunktur, Ernährungsmedizin, Orthomolekulare Medizin, Pallativmedizin, Psychotherapeutische Medizin
QUELLEN
Stress verstehen - Burnout besiegen, S. Porta, M. Hlatky, Verlagshaus der Ärzte, 1. Auflage, Wien, 2009

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