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Süchtig nach dem Handy

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Aus Angst, etwas zu verpassen, können manche Menschen ihr Handy nur mehr schwer aus der Hand legen. (Foto: Elnur/Shutterstock.com).

Digitale Medien sind auch aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Das birgt aber auch Risiken. Damit beschäftigt sich Mag. Peter Eberle vom Institut Suchtprävention in Linz.

Während Kinder im Volksschulalter das Smartphone oder den Computer hauptsächlich nutzen, um Filme zu sehen oder auch Online-Spiele zu spielen geht es bei den älteren eher um das Nutzen sozialer Medien zur Unterhaltung und Kommunikation. Männliche Jugendliche verbringen zudem mehr Zeit mit Computerspielen als ihre Altersgenossinnen. Pro Schultag nutzen Kinder und Jugendliche Handy oder Computer durchschnittlich etwa 220 Minuten, also mehr als dreieinhalb Stunden. Dieser Wert stagniert derzeit. „Es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die ihre Smartphones derart intensiv nutzt, dass ihr Alltagsleben darunter leidet“, weiß Mag. Peter Eberle. Das kann sich in verschiedensten Bereichen auswirken, beispielsweise auf schulische Leistungen oder reale soziale Kontakte. Besonders trifft das laut Eberle auf die Kommunikationsanwendungen, wie beispielsweise WhatsApp zu. Die betroffenen Jugendlichen schaffen es nicht, ihre Nachrichten längere Zeit nicht abzurufen und darauf zu antworten. Man nennt dieses Phänomen auch „FOMO“, was für den englischen Begriff „Fear of missing out“ (die Angst, etwas zu verpassen) steht.

Raus aus der realen Welt

Wesentlich ist jedoch nicht nur die Nutzungsdauer diverser Medien, sondern auch die Motivation. Bedenklich wird es, wenn man das Gefühl hat, dass sich das Kind nicht zur Unterhaltung und zum Zeitvertreib in der digitalen Welt bewegt, sondern um dem realen Leben zu entfliehen und Probleme zu vergessen. Eberle spricht von einer „magischen Verwandlung“. Die Mediennutzung wird zu einer Obsession. Das kann dazu führen, dass Jugendliche beispielsweise nicht mit auf Reisen gehen wollen, wenn es am Urlaubsort keine Internetverbindung gibt. Das soziale Netzwerk, das Spiel oder der Chat dienen nicht mehr der Entspannung. Vielmehr geht es um Gefühlsregulierung und darum, Defizite – wie fehlende Anerkennung und mangelnden Selbstwert – auszugleichen. Mediensüchtige Jugendliche sind auch häufiger von Depressionen oder Angstzuständen sowie anderen Süchten betroffen. Wobei sich hier oft die Frage hinsichtlich Ursache und Wirkung stellt.

 

Exzessiver Medienkonsum kann sich allerdings auch auf die körperliche Gesundheit auswirken: Augenprobleme, Kopfschmerzen durch das lange Tragen von Headsets, Gelenkschmerzen und Sehnenscheidenentzündungen sind mögliche Folgen. Nicht selten werden auch grundlegende Bedürfnisse (Schlaf, Hunger) ignoriert.

Es geht nicht nur um die Frage "Was macht das Smartphone mit meinem Kind", sondern auch "Was macht mein Kind mit dem Smartphone".

Mag. Peter Eberle
Institut Suchtprävention, Linz

Interesse an den digitalen Aktivitäten zeigen

Bei der Suchtprävention spielt eine gute Beziehung zu den Kindern eine wesentliche Rolle. Die Kinder sollten in der schwierigen Zeit des Erwachsenwerdens regelmäßig ermutigt werden, damit ihr Selbstwert gefördert wird. Der Experte rät, sich als Elternteil für die Aktivitäten der Kinder mit Smartphone oder Computer zu interessieren und auch einmal zuzusehen oder mitzuspielen. „Es geht nicht nur um die Frage ‚Was macht das Smartphone mit meinem Kind‘, sondern auch ‚Was macht mein Kind mit dem Smartphone‘“, so Eberle. Dazu müsse man selbst kein Technikexperte sein. Damit es erst gar nicht zu einem suchtartigen Verhalten kommt, sind klare Regeln gefragt. Das allerdings setzt voraus, dass sich beide Elternteile diesbezüglich einig sind. Dafür kann man mit dem Kind beispielsweise Zeitfenster bzw. handyfreie Zeiten und Zonen vereinbaren. Gemeinsame Aktivitäten und andere Alternativen – beispielsweise Sport – sollten hingegen gefördert werden.

Wenn Handlungsbedarf besteht

Hat das Kind allerdings bereits die Kontrolle über das Medienverhalten verloren, sollte man das Gespräch suchen, sich an eine Familienberatungsstelle wenden und Hilfsangebote wie z. B. die Ambulanz für Spielsucht am Neuromed Campus Linz in Anspruch nehmen. Die Therapie der Betroffenen bezeichnet Eberle allerdings als „schwierig, weil sie selbst die Notwendigkeit nicht erkennen und aus ihrer Sicht kein Handlungsbedarf besteht“.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


26.03.2019

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