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Männliche Depression

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Männer schämen sich häufig für ihre Depressionen und nutzen seltener Psychotherapien als Frauen. (New Africa / Fotolia)

Depressionen bei Männern äußern sich häufig anders als bei Frauen: Betroffene Männer sind einerseits antriebslos, andererseits aber auch übertrieben leistungsgetrieben, gereizt und aggressiv.

Phasen der Niedergeschlagenheit wechseln sich ab mit überaktiven Phasen hektischer Getriebenheit. Typisch sind erhöhte Risikobereitschaft und Alkohol- und Nikotinmissbrauch. Ohne Therapie kommt es zu dauerhaften Beschwerden, die sogar zum Suizid führen können. Antidepressiva und Psychotherapie sind die häufigsten Therapieformen.

Häufigkeit

Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Mindestens 400.000 Österreicher leiden derzeit an einer behandlungsbedürftigen Depression, die Dunkelziffer ist hoch. Männer dürften ebenso oft wie Frauen betroffen sein, die Erkrankung wird bei Männern jedoch seltener erkannt und behandelt.

Depressionen führen häufig zum Suizid. Die Suizidrate bei Männern ist wesentlich höher als bei Frauen. 20 von 100.000 Frauen in Österreich begehen Suizid, bei Männern sind es 180 von 100.000. Besonders suizidgefährdet sind ältere Männer.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Ein häufiges Merkmal depressiver Männer ist ihr ausgeprägtes Leistungsdenken. Sie stellen an sich selbst hohe Ansprüche und leben mit der (oft unbewussten) Angst, diese nicht erfüllen zu können. Ihr Bild von sich selbst, sich in Arbeit und auch im Privatleben beweisen zu müssen, treibt sie zu hohem Engagement. Anerkennung durch ihre soziale Umwelt ist ihnen wichtig. Da ihr Selbstwert somit von Umständen abhängt, die sie nicht immer selbst beeinflussen können, entsteht bei (Gefahr von) Jobverlust oder bei Niederlagen aller Art rasch eine Abwärtsspirale. Um die Ziele zu erreichen, strengt man sich vermehrt an. Ist man bereits geschwächt (z.B. durch Schlafstörungen, Ängste oder zu viel Engagement), kann jedes weitere Problem die Spirale nach unten beschleunigen. Trotz zunehmender Antriebslosigkeit versucht man, seine Ziele so gut es geht weiter zu erreichen, investiert die weniger werdende Energie in die Arbeit und ist gleichzeitig immer weniger in der Lage, diese erfolgreich zu bewältigen.

 

Die geschilderte Abwärtsspirale kann sich in vielen Fällen ungehindert weiterdrehen, weil sich viele Betroffene ihre Probleme nicht eingestehen und keine professionelle Hilfe suchen. Anstatt sich einem Arzt oder Therapeuten anzuvertrauen, betreibt man Raubbau an Körper und Psyche. Der Verlauf der Depression wird dadurch nicht gestoppt und die Probleme mehren sich. Sind die Symptome nicht mehr zu leugnen, konsultieren viele Männer Ärzte ausschließlich deshalb, um die körperlichen Auswirkungen (Schlafstörung, Schmerzen etc.) behandeln zu lassen. Erkennt der Arzt die Symptome der Depression nicht, wird sich diese in vielen Fällen verschlimmern. Im schlimmsten Fall steht ein Suizid am Ende dieser Kette.

 

Depressionen äußern sich bei Männern häufig anders als bei Frauen. Die typischen Beschwerden, die mit einer Depression in Verbindung gebracht werden - Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit - können zwar auch bei Männern auftreten, sie stehen aber im Gegensatz zu Frauen weniger im Vordergrund. Zudem zeigt sich die Antriebslosigkeit nicht als gleich bleibender stetiger Zustand, sondern sie verläuft in einem wellenförmigen Auf und Ab. Tieftraurige und lustlose Phasen wechseln sich ab mit Zeiten voller überaktiver, handlungsbetonter Phasen. Übertriebenes, geschäftiges Handeln kaschiert zudem bisweilen die Niedergeschlagenheit, die hinter viel "Action" oft versteckt wird. Oft sind beide Elemente auch vermischt. Während man niedergeschlagen und lustlos ist, fühlt man sich gleichzeitig getrieben und zu geschäftigem Handeln gezwungen.

 

Depressionen äußern sich bei Männern häufig durch aggressives Verhalten, wie etwa in

  • erhöhter Reizbarkeit Verstimmung Aufbrausen
  • Aggression und Wutanfällen
  • Neigung zu Vorwürfen und nachtragendem Verhalten

 

Weitere mögliche Symptome sind

 

Es gibt auch Symptome, die mit denen von depressiven Frauen übereinstimmen. So zeigen Betroffene häufige Rückzugstendenzen. Sie verlieren viele ihrer bisherigen Interessen, üben ihre Hobbys nicht mehr aus und ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld (Familie, Freunde) zurück. Die wenige verbleibende Energie wird, solange dies möglich ist, in die Notwenigkeiten des Lebens (Geld verdienen etc.) gesteckt.

 

Ein Erkennungsmerkmal einer Depression ist zudem die Schlafstörung. Männer reagieren auf verminderten Schlaf und die damit verbundene Energielosigkeit häufig mit einem erhöhten Konsum von Kaffee, Nikotin und Alkohol.

 

Wenig bekannt ist, dass sich eine Depression auch in körperlichen Symptomen wie unerklärlichen Schmerzen ausdrücken kann. Wird die Depression nicht erkannt und angemessen behandelt, besteht die Gefahr, dass sie chronisch verläuft. Es besteht auch die Gefahr, dass sich chronische Schmerzen festsetzen, welche die Depression weiter verschlimmern. Eine Negativspirale setzt sich dadurch in Gang.

Diagnose

Bei Männern wird die Depression oft erst spät erkannt. Ein ausführliches Arztgespräch - Hausarzt, dann Psychiater - ist immer der Grundpfeiler der Depressions-Diagnose. Auch Fragebögen helfen.

Therapie

Da Männer eine Depression oft fälschlich als Schwäche und nicht als Erkrankung ansehen, versuchen sie sich häufig (erfolglos) selbst zu behandeln, bevor sie zum Arzt gehen. Eine professionelle Therapie ist empfehlenswert, da Depressionen in der Regel gut und erfolgreich behandelbar sind.

Zwei Therapieformen stehen im Vordergrund: Medikamentöse Therapie und Psychotherapie (bzw. Klinisch- Psychologische Behandlung). Zur medikamentösen Behandlung stehen verschiedene Antidepressiva zur Verfügung. In vielen Fällen ist eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Behandlung zielführend. Bei leichten bis mittleren Formen kann Psychotherapie als alleinige Behandlungsmethode ausreichend sein.

 

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten, wie

  • Ergo- und Physiotherapie (um innere Anspannungen zu lösen)
  • Magnetische Tiefenstimulation
  • Elektrokrampftherapie (falls keine andere Methode erfolgreich ist)
  • Lichttherapie etc.
  • Bei leichten Depressionen kann auch konzentrierter Johanniskrautextrakt helfen

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

AUTOR


Dr. Thomas Hartl


ERSTELLUNGSDATUM


12.05.2014
MEDIZINISCHER EXPERTE
Mag. Arnold Husar
Leiter der Abteilung Klinische Psychologie der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg, Linz
QUELLEN
Interview mit Mag. Arnold Husar, Leiter der Abteilung Klinische Psychologie der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg im Februar 2014
Patientenbroschüre: "Auswege. Ein Patienten-Leitfaden bei Depression und Angst", unter der Ägide der Österreichischen Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB), S. Kasper, C. Haring, Wien, 2011

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