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Magnetstimulation gegen Depressionen

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Mit Hilfe von Magnetfeldern werden ausgewählte Areale des Großhirns beeinflusst. (Klinikum Wels-Grieskirchen).

Menschen mit Depressionen, die auf Medikamente und Psychotherapie nicht ansprechen, ermöglicht die Magnetstimulation neue Therapiemöglichkeiten.

Psychische Erkrankungen können heute früh und exakt festgestellt werden, weshalb Behandlungen zeitnah begonnen und somit Langzeitschäden vermieden werden können. Die Bandbreite der Therapieoptionen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark erweitert und verbessert. Doch kann es vorkommen, dass bewährte Medikamente und andere Behandlungsformen, wie die Psychotherapie, über die Zeit an Wirkung verlieren oder in manchen Fällen überhaupt nicht wirken. Bei Depressionen spricht man in diesen Fällen von Therapieresistenz.

Wann gilt eine Depression als therapieresistent?

Eine schwierig zu behandelnde oder auch therapieresistente Depression nimmt man an, wenn nach zwei oder mehreren Behandlungsversuchen keine ausreichende Besserung der Beschwerden eingetreten ist. Etwa ein Drittel aller Patienten, welche an einer Depression erkrankt sind, spricht nicht oder nur unzureichend auf eine antidepressive Medikation an. Bevor man aber von einer Therapieresistenz ausgeht, müssen zuerst andere Ursachen für einen fehlenden Behandlungserfolg ausgeschlossen werden. Dies sind zum Beispiel zusätzlich bestehende körperliche oder andere psychische Erkrankungen sowie die sogenannte Pseudoresistenz (medikamentöse Therapieversuche mit zu geringer Dosis oder zu kurzer Dauer).

Elektromagnetische Stimulation gegen Depressionen

„Internationale und nationale Behandlungsleitlinien empfehlen bei der therapieresistenten Depression einen Stufenplan aus unterschiedlichen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen“, erklärt Michael Kroiß, Oberarzt an der Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin am Klinikum Wels-Grieskirchen. „Nach der Überprüfung der psychiatrischen Diagnosen, einer detaillierten psychologischen Testung und der Befragung von Angehörigen geben Labor, EEG und Bildgebung Hinweise auf körperliche Störungen, welche einen negativen Einfluss auf das Gemüt haben können – etwa Entzündungen, hormonelle oder Stoffwechselstörungen sein“, so Kroiß.

 

Am Klinikum Wels-Grieskirchen stehen in der Therapie außer medikamentösen Maßnahmen weitere Optionen zur Verfügung. Neben chronobiologischer und psychotherapeutischer Verfahren ist auch die Wirksamkeit elektromagnetischer Stimulationsverfahren nachgewiesen. „Bei der sogenannten ‚repetitiven transkraniellen Magnetstimulation‘ (rTMS) werden mithilfe von Magnetfeldern ausgewählte Areale des Großhirns, welche im Rahmen der Depression eine verminderte Aktivität und Glukoseaufnahme zeigen, beeinflusst“, so der Mediziner. „Dabei werden wiederholt kurze elektromagnetische Impulse aus einer Magnetspule durch den Schädelknochen direkt an das Gehirn abgegeben.“

 

Ambulant und arm an Nebenwirkungen

 

Die Therapie ist nebenwirkungsarm und kann ambulant durchgeführt werden: Durch kurze magnetische Impulse werden die betroffenen Gehirnregionen nicht-invasiv stimuliert und damit die neuronale Aktivität positiv beeinflusst. Die rTMS wurde erstmals 2008 in den USA für die Depressionsbehandlung zugelassen. Wirksamkeit und Sicherheit dieser Behandlungsmethode wurden in zahlreichen kontrollierten Studien mit insgesamt mehreren Tausend Teilnehmern bestätigt. Die Abteilung für Psychiatrie am Klinikum Wels-Grieskirchen verfügt seit 2015 über ein modernes Hochleistungs-Stimulationsgerät, mit welchem dieses neue Therapieverfahren durchgeführt wird.

Depressionen in Zahlen und Fakten

Nach aktuellen Schätzungen der WHO leben heute mehr als 300 Millionen Menschen mit der psychischen Erkrankung. Mangelnde Angebote, fehlende Akzeptanz, wenig Unterstützung sowie die Angst vor Stigmatisierung verhindern oft eine rasche Behandlung. Dies birgt die Gefahr einer Chronifizierung und damit längerer Krankheitsdauer.

  • In Österreich geht man von ca. 400.000 Betroffenen aus.

  • Statistisch durchleiden rund 23 Prozent der Frauen und ca. elf Prozent der Männer im Laufe ihres Lebens zumindest eine depressive Episode, im Schnitt also fast jeder fünfte Österreicher.

  • 70 bis 80 Prozent aller Suizide (im Jahr 2015 österreichweit ca. 1250, zum Vergleich: 475 Verkehrstote im selben Zeitraum) stehen in Zusammenhang mit Depressionen.

  • Depressionen verursachen laut WHO weltweit mehr verlorene (Arbeits-)Jahre als jede andere Krankheit. Entsprechend schwer belasten unbehandelte Depressionen das Gesundheits- und Sozialsystem.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


25.10.2018

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