×
×
articleicon

Psychosomatik

Image Error
Diesen Artikel mit Freunden teilen
Stress oder emotionale Konflikte können auch zu körperlichen Beschwerde führen. (Africa Studio - Fotolia.com)

Die psychosomatische Medizin beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Körper und Geist. Damit ist sie  Eckpfeiler einer ganzheitlichen Medizin.

Sie ergänzt die rein somatische, also körperliche Betrachtungsweise des Menschen um eine psychologische Sichtweise. Behandelt werden organische Krankheiten, bei denen Auslöser und Verlauf von seelischen Problemen mitbestimmt werden.

"Holy Seven"

"Holy Seven", („heilige sieben Krankheiten“) – war der klassische Katalog von sieben psychosomatischen Krankheiten, die 1950 von Franz Alexander beschrieben wurden.

  1. Ulcus ventriculi (Magengeschwür) und Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür)
  2. Asthma bronchiale (Bronchialasthma)
  3. Rheumatoide Arthritis (Chronische Polyarthritis)
  4. Neurodermitis (Hauterkrankung)
  5. Essentielle Hypertonie (Bluthochdruck)
  6. Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
  7. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankungen)

 

Von einigen Autoren wird auch die Migräne zu den „Holy Seven der Psychosomatosen“  gezählt.

 

Unter der Annahme, dass spezifische Konflikte – v. a . in Kindheit und Jugend – zu einer entsprechenden Dynamik bei der Entstehung solcher Krankheitsbilder führen wurde dieses Konzept auch von Thure von Uexküll aufgegriffen. Er hielt organbezogene vegetative Störungen als Auswirkung eines unbewältigten Dauerstress und bezeichnete sie als Bereitstellungskrankheiten. Sie stellen die chronische Fortführung der Pathodynamik funktioneller Syndrome dar.

 

Der  psychosomatische Ansatz ergänzt die rein somatische, also körperliche Betrachtungsweise des Menschen um eine psychodynamische Sichtweise. Behandelt werden organische Krankheiten, bei denen Auslöser und Verlauf von seelischen Problemen mitbestimmt werden, z. B. ein Magengeschwür, das durch beruflichen Stress ausgelöst wird. Beschwerden wie das Geschwür werden auf körperlicher Ebene durch Medikamentengabe behandelt. Ergänzend dazu erfolgt aber auch eine Psychotherapie, um die Ursache der Symptome – in diesem Fall den beruflichen Stress – zu ermitteln,  zu bearbeiten und gegebenenfalls auch  zu beheben.

Wem nützt die Psychosomatik?

Erkrankungen, die durch emotionale und psychische Konflikte wie beispielsweise Stress oder Überforderungen ausgelöst werden, können mittels psychosomatischer Medizin besser verstanden und auch effizienter und umfassender  therapiert werden.

 

Die psychische Belastung führt bei den Betroffenen zu nachweisbaren organischen Veränderungen und körperlichen Beschwerdebildern.

 

Zu den klassischen psychosomatischen Erkrankungen zählen unter anderen

 

Psychosomatik: Wie wirkt die Therapie?

Krankheiten  werden als ein Geschehen angesehen, das mehrere Ursachen haben kann.  Sie ergeben sich aus dem Zusammenwirken seelischer, sozialer und biologischer Faktoren. Anstatt sich nur auf die Funktion der Organe zu konzentrieren, sind bei der Behandlung daher psychische und körperliche Aspekte gleichermaßen von Bedeutung. Das erfordert ein Zusammenspiel aller medizinischen Fachrichtungen. Bei der Diagnose und der Therapie arbeiten daher  Ärzte fächerübergreifend  mit Psychotherapeuten zusammen.

 

Nachdem der jeweilige Facharzt – beim  Beispiel Magengeschwür etwa ein Internist – den körperlichen Befund stellt und die Symptome behandelt, erfolgt bei einem Psychotherapeuten ein therapeutisches Einzelgespräch. In den psychotherapeutischen Sitzungen werden aktuelle Beschwerden, Konflikte sowie gewohnheitsmäßige Verhaltensweisen und die persönliche Entwicklung des Betroffenen und seine Einstellungen  thematisiert. Im intensiven Gespräch können die Auslöser der Erkrankung ermittelt werden. Zusammen arbeiten Arzt und Patient dann an einer Lösung des psychischen Problems, im Beispiel Magengeschwür durch Stress am Abbau von beruflichem Stress bzw. an einem gesünderen Umgang damit oder an der Verbesserung der eigenen Relilienz.

Wann kommt eine psychosomatische Behandlung zum Einsatz?

Psychosomatische Behandlungen sind immer dann sinnvoll, wenn eine Erkrankung nicht nur körperlicher bedingt ist, sondern auch durch psychische Einflüsse ausgelöst wird.

Psychosomatik: Was können Sie zum Gelingen der Therapie beitragen?

Denken Sie bei einer Erkrankung nicht immer nur an die Behandlung der Beschwerden. Das gilt vor allem wenn die Beschwerden trotz Therapie wiederkehrend auftreten. In einigen Fällen besteht die Möglichkeit, dass die Ursache der Beschwerden durch seelische Faktoren mit ausgelöst wird. Erst wenn dieser Auslöser geklärt ist, kann eine dauerhafte Besserung eintreten. Dafür ist es hilfreich, den Psychotherapeuten als Vertrauensperson anzusehen und offen über alle Probleme, Konflikte und Ängste in Ihrem Leben zu berichten.

Welcher Arzt kennt sich mit psychosomatischer Medizin aus?

Bei der psychosomatischen Medizin arbeiten verschiedene Fachrichtungen zusammen. Während ein Allgemeinmediziner oder Facharzt die Symptome behandelt, konzentriert sich ein Psychotherapeut oder Psychiater auf das Patientengespräch, um gemeinsam den Auslöser der Erkrankung zu finden.

Psychosomatik: Kosten & Krankenkasse

Die komplette Übernahme der Behandlungskosten erfolgt nur bei einem stationären Aufenthalt. Wenn der Arzt eine psychosomatische Erkrankung feststellt, können Betroffene bei Ihrer Krankenkasse jedoch einen Zuschuss für die Psychotherapie beantragen. Den Rest der Kosten müssen Sie privat tragen.

AUTOR


Nadja Heine
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


25.04.2017 / 20.08.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
OÄ Dr. Jutta Leth
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Klientenzentrierte Psychotherapeutin, Kooperationsärztin bei JUVENIS
QUELLEN
Gesundheit heute, Dr. med. A. Schäffler (Hrsg.), Trias Verlag, Stuttgart, 2014
Duale Reihe: Psychiatrie und Psychotherapie, H.-J. Möller (Hrsg.), Thieme Verlag, 2009

Cookie-Informationen zu dieser Website


Wir verwenden Cookies zur Bereitstellung von minimed.at, für nutzerfreundliche Features und Social-Media-Funktionen, um Zugriffe zu analysieren, relevante Inhalte vorzuschlagen und gemeinsam mit unseren Werbepartnern auf das Surfverhalten abgestimmte Werbeanzeigen einzublenden. Hier können Sie alle zustimmungspflichtigen Cookies akzeptieren oder ablehnen:


oder weitere Informationen in unserer Cookie-Richtlinie einsehen. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit widerrufen. Informationen zu den Auswahl- und Kontrollmöglichkeiten und zur Ausübung des Widerrufs- oder Widerspruchsrechtes finden Sie in unserer Datenschutzinformation.

Bitte beachten Sie, dass manche Cookies für den reibungslosen Betrieb von minimed.at unerlässlich sind. Solange Sie zustimmungspflichte Cookies nicht akzeptiert haben, werden nur solche Cookies gesetzt, die erforderlich sind, um die reibungslose Nutzung von minimed.at zu ermöglichen. Diese dienen nicht dazu, personenbezogene Daten zu sammeln und werden von Ihrer Zustimmung unabhängig verwendet.