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Hernie (Weichteilbruch)

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Die häufigsten Ursachen für einen Weichteilbruch sind Gewebeschwachstellen in der Bauchwand. (svershinsky - Shutterstock.com)

Hernien, im Volksmund auch Bruch genannt, gehören zu den häufigsten Erkrankungen in der Allgemeinchirurgie.

Es handelt sich dabei um angeborene oder erworbene Lücken in der Bauchdecke oder im Zwerchfell durch die sich Baucheingeweide ausstülpen können. Zur Vermeidung der zu erwartenden Größenzunahme und auch um Komplikationen zu verhindern, wie beispielsweise die Einklemmung von Eingeweiden z.B. Darmwandanteilen, sollten Hernien im Allgemeinen operativ versorgt werden.

Symptome

Erste Symptome können ziehende Schmerzen vor allem bei Belastung sein. Mit zunehmender Größe des Bruchs kommt es zur Vorwölbung oder Schwellung in der betroffenen Region, die sich besonders beim Husten, Pressen oder Niesen bemerkbar macht. Plötzlich einsetzende heftige Schmerzen verbunden mit einer nicht reponiblen (zurückdrängbaren) Schwellung erfordern immer eine rasche ärztliche Abklärung, da es sich hierbei um eine Einklemmung mit Darmgefährdung und Lebensbedrohlichkeit handeln könnte.

Diagnostik

Die Diagnose einer Hernie kann in aller Regel durch eine einfache und schmerzfreie körperliche Untersuchung gestellt werden. Bei unklarem klinischem Befund oder bei sehr kleinen Brüchen kann ergänzend eine Ultraschalluntersuchung rasch Gewissheit bringen. Zur exakten Operationsplanung großer, komplexer Bauchwandbrücke ist allerdings oftmals eine dynamische Bauchdecken-Computertomographie erforderlich wofür im KH der Barmherzigen Schwestern Linz die modernsten Gerätschaften zur Verfügung stehen.

Therapie

In der modernen Hernienchirurgie sollte man nicht mehr von Standardverfahren zur operativen Versorgung bestimmter Bruchformen sprechen. Vielmehr stehen heute dem erfahrenen Chirurgen eine Vielzahl an Operationsverfahren und Materialien zur Verfügung, aus denen er individuell je nach Gegebenheiten und Bedürfnissen des Patienten die geeignete Variante auswählen kann.

 

Leistenbruch (Hernia inguinalis) und Schenkelbruch (Hernia femoralis)

In der Versorgung des Leistenbruchs haben netzgestützte Verfahren, die früher oft angewandten nahtgestützten Verfahren weitgehend abgelöst. Der Vorteil dieser Verfahren liegt im spannungsfreien Bruchlückenverschluss sowie in der geringeren Rezidivrate. Das Netz kann hierbei sowohl „offen“, dass heißt über einen kleinen Schnitt in der Leistenregion (Verfahren nach Lichtenstein) oder laparoskopisch minimal invasiv (Schlüssellochmethode) über die Bauchhöhle (TAPP) bzw. über die Bachdecke (TEP) eingebracht werden. Die zuletzt genannten Methoden eignen sich vor allem bei beidseitigen Leistenbrüchen sowie im Rezidivfall (Rückfall). Auch sportlich aktive Personen können von solchen minimal- invasiven Verfahren profitieren, da die postoperativ einzuhaltende Schonungsphase in der Regel etwas kürzer ist und je nach körperlichen Ansprüchen 2 bis 6 Wochen betragen kann.

Nahtgestützte Verfahren werden weiterhin bei Kindern (Bruchsackligatur nach Grob) und Jugendlichen (Einengung des inneren Leistenkanals nach Marcy, Zimmermann) oder jungen Erwachsenen bei kleinen Brüchen sicher und erfolgreich angewandt.

 

Schmerzsyndrome nach Leistenhernienchirurgischen Eingriffen

Dieses Problem ist in bis zu 10% der Fälle vorhanden und kann in ca. 2% zu massiver Einschränkung der Lebensqualität führen. Eine umfassende Diagnostik und medikamentöse bzw. Krangengymnastische Therapie ist nötig. Wenn alle konservativen Maßnahmen fehlschlagen, kann eine Operation an den Leistennerven zielführend sein.  

 

Nabel (Umbilikalhernien) und epigastrische Hernien

Je nach Größe des Bruches, Beschaffenheit der Bauchwand und patientenabhängiger Faktoren werden Nahtverfahren oder netzgestützte offene bzw. laparoskopische (minimal invasive) Verfahren angewendet.

 

Narbenhernien (Hernia cicatricea)

Narbenhernien sollten, mit wenigen Ausnahmen, heutzutage stets mit Netzen versorgt werden. Diese, in Studien gut überprüften nicht resorbierbaren oder sich selbst auflösenden  Netze auf synthetischer oder biologischer Basis können entweder offen oder laparoskopisch implantiert werden, wobei  grundsätzlich unterschiedliche Techniken der Netzpositionierung bezogen auf die Bauchwandschichten möglich sind. Beim „Onlay“ wird das Netz auf die vordere Bauchwandfaszie platziert. Das „Sublay“ Verfahren beschreibt eine Netzlage hinter der Muskulatur und die „IPOM“ Methode charakterisiert sich durch eine Netzposition innen am Bauchfell.  Zur Versorgung komplexer Bauchwanddefekte mit weit auseinander gedrängten Faszien (Binde und Stützgewebe)- u. Muskelrändern sind zusätzlich oft sogenannte Komponentenseparationen der vorderen oder hinteren seitlichen Bauchwandanteile zur spannungsfreien Bauchdeckenrekonstruktion erforderlich. Hierbei werden nach modernsten Gesichtspunkten  innervierte also funktionell aktive  Muskel und Bindegewebige Komponenten möglichst schonend getrennt um die auseinander gedrängten Bruchlückenränder wieder anzunähern.

Je nach Bruchgröße, Begleiterkrankungen, Zustand der Bauchmuskulatur u. Aktivitätsgrad des Patienten bedarf es also immer eines individuellen, maßgeschneiderten Behandlungskonzept um eine optimale Versorgung zu gewährleisten.

 

Parastomalhernien

Parastomalhernien stellen ein häufiges Problem vor allem bei dauerhaft angelegten künstlichen Darmausgängen oder Harnaleitungen dar. Neuerdings stehen zur Versorgung solcher Brüche speziell vorgeformte, tunnelförmige 3-D Netze zur Verfügung.

 

Zwerchfellbruch (Hiatushernie) und Refluxkrankheit

Selbige sind häufig mit krankhaftem Sodbrennen, Schmerzen hinter dem Brustbein, Aufstoßen, Räusperzwang und schlechtem Atem bis hin zu Heiserkeit und  sogar Schluckstörungen vergesellschaftet. Eine umfassende Abklärung unter stationären Bedingungen mit Magenspiegelung, Säure und Druckmessungen ist hierbei nötig, um eine Therapieempfehlung ableiten zu können. Die Bandbreite reicht von medikamentöser über endoskopischer bis hin zur operativen Behandlung

 

Konditionierungsmaßnahmen

Vor der Operation komplexer Fälle müssen gelegentlich Maßnahmen ergriffen werden, die den definitiven Hernienverschluß erleichtern. Zum Beispiel wird Botox in die seitliche Bauchwand eingebracht, um die Dehnbarkeit der Muskulatur zu erhöhen und den Durchmesser des Rumpfes zu vergrößern und/oder ein sogenanntes Pneumoperitoneum angelegt. Das bedeutet die Insufflation von Luft in die Bauchhöhle, um durch Änderung der Druckverhältnisse das Volumen der Bauchhöhle zu vergrößern

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Wurde eine Hernie diagnostiziert, so müssen in erster Linie die Empfehlungen des Arztes genau befolgt werden – vor allem hinsichtlich schwerer körperlicher Betätigung/Arbeit und Sport. Alles, was den Druck in der Bauchhöhle erhöht, sollte möglichst gemieden werden. Menschen, die unter Obstipation (Verstopfung) leiden, sollten z.B. durch Ernährungsumstellung versuchen, einen normalen Stuhlgang zu erreichen. Prostataveränderungen, die das Wasserlassen erschweren, gehören behandelt. Übergewichtige sollten sich außerdem um eine Optimierung des Körpergewichtes bemühen und einen Body Mass Index unter 35 erreichen. Raucher und schlecht eingestellte Diabetiker haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Wundkomplikationen. Medikamente zur Blutverdünnung müssen mitunter nach Absprache mit dem behandelnden Arzt zeitgerecht vor der Operation abgesetzt werden.

AUTOR


Margit Koudelka
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


15.07.2014 / 29.10.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
OA Priv.- Doz. Dr. Gernot Köhler MSc.
Foto (c): Ordensklinikum Linz
Facharzt für Allgemeinchirurgie, Facharzt für Viszeralchirurgie, Leiter des Hernien- Referenzzentrums Linz

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