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Mit Chirurgie zum Idealgewicht

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Die sogenannte bariatrische Chirurgie bietet mehrere Möglichkeiten zur Gewichtsreduktion. (Shidlovski/Shutterstock.com)

"Wenn Übergewicht zur Belastung wird – Chirurgische Behandlungsmaßnahmen bei Adipositas" war Thema des Vortrags zum MINI MED-Semesterstart im Van Swieten-Saal der MedUniWien.

Viel Interessantes rund um Übergewicht und Adipositaschirurgie berichtete am 5. März Univ.-Doz. Dr. Gerhard Prager, von der Adipositasambulanz der Universitäts-Klinik, AKH Wien. Demnach sind weltweit 2,1 Milliarden Menschen übergewichtig. „Vor allem bei Kindern steigt die krankhafte Fettleibigkeit an. Eine Adipositas liegt vor – so die Definition – wenn der Body-Mass-Index (BMI) mehr als 30 beträgt. Dabei sind Adipositas und Diabetes eng miteinander verbunden. Die größten Risiken sind ein zu hoher Taillenumfang und ein Zuviel an Bauchfett. Dieses sogenannte 'viszerale Fettgewebe' transportiert eine Reihe wichtiger Botenstoffe und ist Schnittstelle zwischen dem Stoffwechsel und unserem Immunsystem“, so Prager.

 

Das Dilemma hat die Evolution mit sich gebracht: Unser Körper ist nicht auf Überfluss angelegt. Er ist abgesichert, damit wir nicht verhungern, nicht aber um mit Übergewicht zu leben. Die Botenstoffe im viszeralen Fett lösen bei einem Zuviel an Nahrung chronische Entzündungen aus. Das wiederum begünstigt Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen, Diabetes, chronische Entzündungen und sogar Krebs (z. B. Darmkrebs oder postmenopausalen Brustkrebs).

Vor 20 Jahren hatte ein Cheeseburger 333 Kcal, heute bereits 590 Kcal. Pommes frites sind heute dreimal so energiereich wie vor 20 Jahren. Dagegen steht unsere verminderte Energieausgabe, also zu wenig Bewegung.

Univ.-Doz. Dr. Gerhard Prager,
Adipositasambulanz der Universitäts-Klinik/AKH Wien
Foto: MINI MED

Schwerwiegende Folgen

Eine der häufigsten Folgen von Fettleibigkeit ist eine Erkrankung an Diabetes Mellitus Typ II. Weltweit sind rund 415 Millionen Menschen davon betroffen. „Schuld am Ansteigen der Erkrankung ist unser adipogenes Umfeld“, so Prager. „Vor 20 Jahren hatte ein Cheeseburger 333 Kcal, heute bereits 590 Kcal. Pommes frites sind heute dreimal so energiereich wie vor 20 Jahren. Dagegen steht unsere verminderte Energieausgabe, also zu wenig Bewegung“.

 

Die weiteren Ursachen von Fettleibigkeit sind vielfältig: So etwa gibt es eine genetische und eine familiäre Disposition, letztere, wenn das Kind das ungesunde Ernährungsverhalten der Mutter nachahmt. Hinzu kommt ein ungesunder Lebensstil, also Bewegungsmangel und Fehlernährung, aber auch die ständige Verfügbarkeit von zuckerreichen Nahrungsmitteln. Auch Schlafmangel, Stress, Ess- und Stoffwechselstörungen (Schilddrüsenunterfunktion) oder Medikamente (z. B. Antidepressiva, Insulin, Neuroleptika etc.) können eine Gewichtszunahme fördern. Prager: „Übergewicht kostet im Schnitt 3,3 Lebensjahre, dadurch sinkt erstmals die Lebenserwartung. So etwa verliert eine 40-jährige Nichtraucherin mit einem BMI zwischen 30 und 34,9 etwa 7,1 Lebensjahre, ein Mann in dieser Situation 5 Lebensjahre.

Konservative oder chirurgische Behandlung?

Zur Behandlung von Adipositas gibt es mehrere Möglichkeiten. Einerseits konservative Methoden, wie Diät, Verhaltensänderung und Bewegung. „Das Schwierige ist jedoch, das Gewicht zu halten. 95 % der morbid Adipösen erreichen nach einer Diät wieder ihr Ausgangsgewicht oder mehr. Solange sich Betroffene mit dem Abnehmen beschäftigen, nehmen sie auch gut ab, allerdings steigt das Gewicht statistisch nach fünf Jahren wieder an".

 

Die sogenannte bariatrische Chirurgie ist in diesem Fall mit Abstand die erfolgreichste Behandlungsmethode. „Eine derartige Operation ist für Menschen mit einem BMI über 40 sinnvoll, in dem Fall werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Empfohlen wird sie auch für Betroffene mit einem BMI zwischen 35 und 40 mit einer Begleiterkrankung sowie für Diabetiker, deren Werte nicht einstellbar sind.“ Vor einer Operation wird ein psychologisches und ein diätlogisches Gutachten erstellt. Es erfolgt eine Magenspiegelung sowie andere Untersuchungen, etwa ob beim Betroffenen eine Fettleber vorliegt. Die OP-Methode richtet sich nach unterschiedlichen Faktoren, wie nach dem Alter, dem Essverhalten, den Leberfunktionen und ob ein Diabetes oder Reflux vorliegt.

Die häufigsten Verfahren

Weltweit werden etwa 685.000 Operationen pro Jahr durchgeführt, am häufigsten werden Schlauchmagen, Magen-Bypass und Magenband gesetzt. In Österreich wurden seit 2018 3.500 Operationen pro Jahr durchgeführt. Alle Eingriffe werden übrigens laparoskopisch durchgeführt und dauern etwa eine Stunde. „Die einfachste Methode ist das Einbringen eines Magenbandes, allerdings sind die Langzeitergebnisse nicht gut“, so der Chirurg. Mithilfe des Magenbandes aus Silikon kann der Betroffene weniger essen. Der Vorteil dieser Methode: Sie ist simpel, kann rückgängig gemacht werden und ist sicher, hat dennoch heute aber kaum mehr Bedeutung.

 

Als „Sleeve gastrectomy“ wird das Einsetzen eines Magenschlauchs bezeichnet, bei dem ein Teil des Magens entfernt wird. Die Anatomie bleibt normal erhalten, der Magen wird jedoch stark verkleinert. „Dadurch wird auch das ‚Hungerhormon‘ Grehlin, das im Magen produziert wird, nach unten reguliert. Dadurch wird der Gewichtsverlust auf etwa 60% erhöht.“

 

Ein Magenbypass („Y-Roux“) hat einen noch stärkeren Einfluss auf das Sättigungsgefühl. Dabei wird der Magen abgeklemmt und mit einer Dünndarmschlinge verbunden, sodass sich der natürliche Weg der Nahrung durch den Magen-Darmtrakt verändert. Der Betroffene kann weniger essen, weil die Nahrung nicht so aufgenommen werden kann. Vier von fünf Diabetikern brauchen danach keine Medikamente mehr. Allerdings kann der Diabetes wiederkommen, wenn der Betroffene wieder zunimmt. „Ein Magenbypass bringt exzellente Ergebnisse und gilt als Goldstandard in der Diabetes-Chirurgie“, so Gerhard Prager.

 

Eine Modifikation dieser Methode ist der Omega Loop Gastric Bypass. Er hat eine längere Darmschlaufe und zwei Verbindungen. Der Gewichtsverlust beträgt 70 bis 100% des Übergewichts. Der Nachteil: Der Körper nimmt Fett damit nicht so gut auf, es kann zu Blähungen und Fettstuhl bei schlechter Ernährung kommen.

 

Eine ganz neue Methode ist „SADI-S“, eine Kombination der beiden Loop-Verfahren, das derzeit aber ausschließlich bei Adipösen mit einem BMI über 50 gemacht wird. „Wir haben dieses Verfahren zum ersten Mal in Österreich durchgeführt“, berichtet der Chirurg. Wichtig in jedem Fall ist jedoch eine lebenslange Nachsorge, wie etwa regelmäßige Blutuntersuchungen durchzuführen. „Die Methoden sind in Expertenhänden absolut sicher und kosteneffektiv“, unterstreicht Prager. „Betroffene brauchen keine Medikamente mehr, Diabetes kann verhindert oder reduziert werden, weiters ist die Wahrscheinlichkeit geringer, an Krebs zu erkranken sowie einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden. Wenn der Betroffene das Gewicht hält.“

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


15.03.2019

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