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Diabetes hat viele Gesichter

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Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, um sich über die Erkrankung zu informieren. (Foto: MINI MED)

Mit dem dramatischen Befund „Diabetes ist ein globaler Notfall“ eröffnete die Mini Med-Studienleiterin Univ. Profin. Drin. Alexandra Kautzky-Willer von der Medizinischen Universität Wien den ersten Wiener Diabetestag.

Derzeit sind rund 425 Millionen Erwachsene weltweit an Diabetes erkrankt – Tendenz steigend. Auch die Zahl der erkrankten Kinder und Jugendlichen steigt dramatisch an. Die Gründe dafür liegen vor allem im Lebensstil und der damit verbundenen Gewichtszunahme. Neben den beiden bekannten Typ 1 und Typ 2 Diabetes werden heute weitere Untergruppen unterschieden. Die Symptome sind aber meist ähnlich, wie vermehrter Harndrang, Müdigkeit oder Kurzatmigkeit. Diabetes Typ 1 tritt häufig im Jugendalter auf. Hier produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin. Diabetes Typ 2 entsteht langsam. Hier produziert die Bauchspeicheldrüse durch zu viel Nahrungszufuhr ständig Insulin, der Blutzuckerspiegel ist daher länger erhöht. Mit der Zeit reagieren die Insulinrezeptoren in der Muskelzelle weniger sensibel bis schließlich eine Insulinresistenz vorliegt.

Information

Im Hörsaalzentrum des Wiener AKH gab es erstmals die Möglichkeit, sich umfassend über das Thema Diabetes zu informieren. Mit einem kostenlosen Cholesterintest konnten Interessierte auch gleich ihre Blutfettwerte bestimmen lassen. In insgesamt zwölf Impulsvorträgen haben namhafte Diabetes-Experten die neuesten medizinischen Erkenntnisse in verständlicher Form vermittelt.

 

Wenn es um Vorsorge geht, erst gar nicht an Diabetes zu erkranken, stehen Lebensstilmaßnahmen im an erster Stelle. Gesunde Ernährung und Bewegung helfen Übergewicht zu vermeiden. Eine deutliche Gewichtsabnahme kann Diabetes 2 in der Frühphase sogar wieder komplett verschwinden lassen. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Medikamentendosis deutlich gesenkt werden. „Diabetes ist – aus sportwissenschaftlicher Sicht betrachtet – eine Muskelmangelerkrankung“, so der Mini Med-Experte Mag. Timothy Hasenöhrl, Bakk. von der Universitätsklinik für Physikalische Medizin. Er rät nicht nur zum Ausdauersport, sondern auch zu Kraftübungen. Muskeln verbessern den Glukosestoffwechsel und die Insulinsensitivität und helfen beim Abnehmen. „Muskeln verbrauchen auch im Ruhezustand mehr Energie als Fettgewebe, dadurch steigt der Grundumsatz“, so der Experte.

Messung und Therapie

Dr. Michaela Stögerer-Lanzenberger von der Diabetes Ambulanz im Krankenhaus Hietzing präsentierte die neuesten Technologien, wenn es um die Messung des Blutzuckerspiegels geht. Die jüngsten Entwicklungen sind Sensoren, die entweder äußerlich auf der Haut appliziert oder in die Haut implantiert werden und Messergebnisse oder auch Alarmsignale direkt auf das Smartphone liefern. In der Pumpentherapie steht die erste halbautomatische Pumpe knapp vor der Marktzulassung, die in Zukunft automatisch die richtige Dosis Insulin zum richtigen Zeitpunkt abgeben soll.

 

In der Diabetes Therapie spielen mehrere Faktoren zusammen. Meist geht Diabetes 2 mit weiteren Erkrankungen, wie Bluthochdruck oder erhöhten Blutfettwerten einher. Hier gelten meist strengere Grenzwerte als bei gesunden Patienten, die auch eingehalten werden müssen, so die Diabetes- Expertinnen Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer und Dr. Bianca Itariu von der Universitätsklinik für Innere Medizin. Daher müssen Diabetiker sehr oft mehrere Medikamente einnehmen. Die Gabe von Insulin ist bis heute die effektivste und nebenwirkungsärmste Therapie

Diabetes Folgeerkrankungen: Fokus Auge und Herz

Das Auge und das Herz sind jene Organe, die bei einer Diabetes Erkrankung längerfristig Schaden erleiden können. Die Retinopathie, eine durch Diabetes hervorgerufene Erkrankung der Netzhaut kann aber – rechtzeitig diagnostiziert – gut behandelt werden. „Regelmäßige Injektionen direkt ins Auge sind heute die gängigste Form der Therapie, dadurch können Flüssigkeitsansammlungen in der Netzhaut wieder verschwinden“, so die Mini Med-Expertin OÄ Priv.-Doz. Dr. Katharina Kriechbaum von der Ambulanz für diabetische Retinopathie an der Medizinischen Universität Wien in ihrem Vortrag.

 

Herzinsuffizienz ist eine ernstzunehmende Folgeerkrankung von Diabetes, etwa 30-40 Prozent der Diabetiker sind betroffen. Henrike Arfsten von der Abteilung für Kardiologie appellierte an Diabetes-Patienten, eine Herzschwäche unbedingt medikamentös zu behandeln. „Manche Diabetiker spüren einen Herzinfarkt gar nicht, das ist besonders gefährlich“, so Dr. Florian Höllerl von der Diabetes-Spezialambulanz der Krankenanstalt Rudolfsstiftung. Das Risiko ist für Diabetiker zwei bis vierfach erhöht. Gefäßverengungen können zur koronaren Herzerkrankung führen oder auch einen diabetischen Fuß verursachen.

 

Diabetes ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern, die unbehandelt viele Folgen nach sich zieht und auch die Mitarbeit der Patienten erfordert. Der Lebensstil spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wer sich bewegt und gesund ernährt, hat die besten Chancen mit Diabetes ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu führen.

AUTOR


Alice Herzog
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


04.12.2018

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