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Diabetisches Fußsyndrom

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Aus der Sicht der Österreichischen Diabetes Gesellschaft kommt dem Diabetischen Fußsyndrom noch zu wenig Beachtung zu. (Smeilov Sergey/Shutterstock.com)

Diabetes schädigt die Nerven und beeinträchtigt das Schmerzempfinden. Kleinere Verletzungen am Fuß bleiben von Diabetikern deshalb häufig unbemerkt. Infektionen, die dadurch entstehen, können zum Diabetischen Fußsyndrom mit schlimmen Folgen führen.

Das Diabetische Fußsyndrom betrifft sowohl Menschen mit Diabetes Mellitus des Typs 1 als auch des Typs 2. Laut der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist das Diabetische Fußsyndrom in Österreich Auslöser für rund 3.000 Amputationen pro Jahr. Ein Großteil davon wäre vermeidbar, wenn den Füßen mehr Beachtung geschenkt würde. „Die Wahrscheinlichkeit, ein diabetisches Geschwür zu entwickeln, beträgt für die gesamte Lebensdauer eines Menschen mit Diabetes 19 bis 34 Prozent. Wenn es einmal manifest ist, dann kehrt diese zusätzliche chronische Erkrankung immer wieder zurück", so Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, Endokrinologin an der Med Uni Wien und Präsidentin der ÖDG.

Die Wahrscheinlichkeit, ein diabetisches Ulkus zu entwickeln, beträgt für die gesamte Lebensdauer eines Menschen mit Diabetes 19 bis 34 Prozent.

Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer
Foto: MedUni Wien/Matern

Ursache des Diabetischen Fußsyndroms

Ein Hauptproblem ist eine Schädigung der Nerven in den Extremitäten (periphere Diabetische Polyneuropathie). Diese bewirkt bei den Patienten eine Störung der Körperwahrnehmung. Eventuelle Symptome werden daher oft nicht erkannt und dementsprechend nicht behandelt. „Für den Patienten fühlt sich der Fuß normal an, weil er in diesem Bereich nicht mehr richtig fühlen kann und trotz optischer Zeichen, wie Druckstellen und offenen Stellen, wird das Problem meist vom Patienten ignoriert, weil nichts wehtut. Die medizinischen Fachkräfte sehen diese Stellen oft erst spät, weil Füße leider in der Regel zu wenig kontrolliert werden“, weiß Priv.-Doz. Dr. Gerd Köhler von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der MedUni Graz.

 

Durch die Schädigung der Nerven spüren diese nicht, wenn der Schuh nicht passt. Entstehende Druckstellen und Fußformveränderungen, werden nicht bemerkt, die mit der Zeit zu offenen Stellen und Geschwüren an den Füßen führen. Ursachen können aber auch eine falsche Fußpflege und Verletzungen sein, da Schmerzen nicht wahrgenommen werden. Solche Geschwüre und offenen Stellen heilen nur schwer oder gar nicht ab, wenn sie nicht entsprechend behandelt werden. Meist liegen neben der Schädigung der Nerven auch Durchblutungsstörungen vor. Das erschwert die Therapie zusätzlich.

Für den Patienten fühlt sich der Fuß normal an, weil er in diesem Bereich nicht mehr richtig fühlen kann und trotz optischer Zeichen, wie Druckstellen und offenen Stellen, wird das Problem meist vom Patienten ignoriert, weil nichts wehtut.

Priv.-Doz. Dr. Gerd Köhler
Foto: Therapie Aktiv

Schädigungen vermeiden und kontrollieren

Um eine diabetes-bedingte Schädigung der Nerven möglichst zu verhindern steht an erster Stelle eine gute Einstellung des Blutzuckers. Zudem sollten Diabetespatienten jährlich ein Neuropathie-Screening und Gefäß-Screening durchführen lassen. "Dabei wird mit einer schwingenden Stimmgabel oder einem sogenannten Monofilament (ein Stift mit einem dünnen Faden) die Wahrnehmungsfähigkeit in den Füßen getestet und die Durchblutung der Beine geprüft“, erklärt Kautzky-Willer.

Besondere Aufmerksamkeit für die Füße

Wird eine Schädigung festgestellt, müssen die Füße besonders gepflegt und täglich durch den Betroffenen oder eine Pflegeperson untersucht werden. Folgende Maßnahmen tragen zur Erhaltung der Fußgesundheit bei:

 

  • professionelle Fußpflege alle vier bis sechs Wochen
  • tägliche Kontrolle und Pflege der Füße mit einer Urea-haltigen Creme, um die Elastizität der Haut zu erhalten
  • auf Barfußgehen verzichten
  • geeignetes Schuhwerk vom Orthopädieschuhtechniker tragen
  • beim Tragen herkömmlicher Schuhe Spezialeinlagen verwenden (werden meist von der Sozialversicherung übernommen)

Wenn dennoch ein Geschwür entsteht

Wenn trotzdem ein Geschwür entsteht, muss dieses rasch entsprechend behandelt werden. Bei der offenen Stelle ist die lokale Druckentlastung wichtig. Je nach Position des Geschwürs kann sich das recht schwierig gestalten, etwa an den Fußsohlen. "Die Druckentlastung kann zum Beispiel durch einen Vollkontaktgips erreicht werden. Das ist derzeit mit Abstand die beste Methode (Goldstandard). Andere Möglichkeiten sind ein nicht abnehmbarer vorgefertigter Cast, abnehmbare Schienen oder spezielle Wundverbandsschuhe", führt Köhler aus. „Die feuchte Wundbehandlung durch Hauskrankenpflege oder Hausarzt oder Angehörige funktioniert in Österreich in der Regel gut. Problematisch wird es bei der Hornhaut um die Geschwüre und Wundbeläge. Beide sollten regelmäßig entfernt werden", fügt Kautzky-Willer hinzu. Dafür sind Diabetes Fußambulanzen oder andere spezialisierte Wundzentren die richtigen Anlaufstellen, denn Fußpfleger dürfen nicht bei offenen Wunden arbeiten.

 

Problematisch wird es, wenn sich ein Geschwür infiziert und die Infektion bis zum Knochen vordringt, denn eine Knocheninfektion ist nur schwer behandelbar. Dann kann eine Amputation nötig sein. "Oft ist es nur eine sogenannte Minoramputation (also eine kleinere Amputation z. B. ein Zehenglied oder eine Zehe), aber leider entstehen dann häufig neue Druckstellen und der Kreislauf beginnt von Neuem. Liegen zusätzlich Durchblutungsstörungen (PAVK) vor, sind diese grundsätzlich zu therapieren. Auf jeden Fall vor jedem chirurgischen Eingriff“, so Köhler.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


22.07.2019
QUELLEN
Presseinformation der Österreichischen Diabetes Gesellschaft vom 15.07.2019
Morbach S et al. Diabetisches Fußsyndrom...Diabetologie 2017; 12 (Suppl 2): S181–S189
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