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Ernährung bei Gallenerkrankungen

Gewürzmischung aus Fenchel, Kümmel und Anis
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Gewürze wie Kümmel, Anis und Fenchel wirken gegen Blähungen und entlasten auch die Galle. (Peter Hermes Furian - Shutterstock.com)

Bei Gallenerkrankungen ist es wichtig, Fette in der Nahrung einzuschränken. Die sparsame Verwendung von hochwertigen pflanzlichen Ölen beugt Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen vor.

Bei akuten Symptomen kann eine sogenannte "Teepause" eingelegt werden, nach der schrittweise zu Aufbau- und schonender Dauerkost übergegangen wird. Die häufigsten Erkrankungen der Galle sind Gallensteine, Gallenblasenentzündung, Gallengangentzündung und (sehr selten) Gallenblasenkrebs. Bei chronischen Entzündungen oder Krebs kann es notwendig werden, die Gallenblase operativ zu entfernen. Die Galle wird weiterhin von der Leber produziert - es fehlt lediglich das Vorratsbecken für die Gallenflüssigkeit.

Welche Rolle die Gallenflüssigkeit spielt

Die Gallenflüssigkeit wird in der Leber produziert und in der Gallenblase gespeichert. Sie wird erst abgegeben, sobald das zerkleinerte Essen den Zwölffingerdarm erreicht. Die wichtigste Aufgabe der Gallenflüssigkeit ist es, Fette aus der Nahrung zu zersetzen und für den Körper nutzbar zu machen. Außerdem wirkt die Gallensäure antibakteriell und zerstört schädliche Bakterien, die in der Nahrung enthalten sind.


Bei fettreichem Essen muss die Gallenblase viel Gallenflüssigkeit auf einmal freigeben, bei Gallensteinen kann durch das starke Zusammenziehen der Gallenblase eine Gallenkolik entstehen. Wenn die Gallenblase operativ entfernt werden musste, ist die spontane Abgabe von viel Gallenflüssigkeit nicht mehr möglich, daher fettarm essen.

Fettarm essen schont die Galle

  • Fette und Öle: Bevorzugen Sie pflanzliche Fette.
  • Milchprodukte: Greifen Sie bei Milchprodukten zu fettarmen Varianten.
  • Cholesterin: Essen Sie cholesterinarm.
  • Eier: Verzichten Sie auf hartgekochte Eier, sie sind schwer verdaulich.
  • Bei Gallensteinen: Essen Sie weder zu fett noch extrem fettarm.
  • Bei entfernter Gallenblase: Nehmen Sie sehr wenig Fett zu sich.
  • Diät und Fasten: Verzichten Sie auf strenge Diäten oder Fastenkuren, da auch hier der Gallensaft zu sehr eingedickt wird und körpereigenes Cholesterin ausgeschüttet wird, welches die Steinbildung begünstigt.

Gut verträgliche Zubereitungsmethoden

  • Kochen: Die Zutaten werden in heißem Wasser gekocht.
  • Dünsten: Den Lebensmitteln wird wenig oder gar keine Flüssigkeit, eventuell etwas hochwertiges Pflanzenfett zugesetzt. Beim Dünsten gibt das Gargut die nötige Flüssigkeit frei.
  • Dampfgaren: Die Lebensmittel kommen dabei nicht direkt mit dem kochenden Wasser in Kontakt, sondern nur mit dem heißen Wasserdampf. Das kann durch das Verwenden eines Siebeinsatzes im Kochtopf erreicht werden.
  • Garen in Alufolie: Fleisch und Fisch lässt sich in Alu- oder Bratfolie im Backrohr garen.
  • Garen im Wasserbad: Ein kleines, hitzebeständiges Gefäß wird in einen Topf mit kochendem Wasser gestellt, um Speisen zu garen.

Bei Gallenerkrankungen ist davon abzuraten, Lebensmittel zu frittieren oder in Fett zu backen. Auch Grillen über offener Flamme und scharfes Anbraten von Speisen sind nicht empfehlenswert, da dabei verdauungsreizende Stoffe entstehen.

Ballaststoffe und blähungsfördernde Nahrungsmittel

Der Verzehr von Ballaststoffen wirkt verdauungsfördernd und beugt Verstopfung vor. Zuviel davon kann allerdings Blähungen hervorrufen, die den Druck auf die Gallenblase steigern. Auch blähungsfördernde Gemüsesorten wie Kohl, Schwarzwurzeln, Hülsenfrüchte, Zwiebeln und Knoblauch sollten bei Gallenerkrankungen vermieden werden. Gegen Blähungen helfen Gewürze und Samen wie Kümmel, Fenchel, Anis und Liebstöckel.

Verträglichkeit und Beschwerden

Probieren Sie verschiedene Lebensmittel aus und achten Sie darauf, wie Ihr Körper reagiert. Beschwerden und Unverträglichkeiten äußern sich durch Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen.


Generell werden folgende Lebensmittel von den meisten Betroffenen gut bzw. schlecht vertragen:

 

 

GUT VERTRÄGLICH

SCHLECHT VERTRÄGLICH

Backwaren und Kohlenhydrate

Mindestens einen Tag altes Brot und Semmeln, Zwieback


Weißer Reis, Nudeln, Kartoffeln

Frisches Brot, süße und fette Backwaren

Gemüse und Obst

Gekochtes Gemüse und Obst (nicht zu säurehaltig), Marmelade

Hülsenfrüchte, Gurken, Paprika, Kohl, Kraut, Wirsing, Zwiebeln, Schnittlauch, Knoblauch, Kartoffelsalat

Eier

Weichgekochte Eier

Hartgekochte Eier

Getränke

Wasser, Tee, stilles Mineralwasser, reizarmer Kaffee, milde Obstsäfte

Bohnenkaffee, kohlensäurehaltige Getränke

Tierische Produkte

Magere Wurst und Schinken, fettarme Milchprodukte, fettarmer Käse


Fisch, Geflügel, Fleisch (alles fettarm zubereitet)

Geräucherter Fisch / Schinken / Käse, geräucherte Wurst

Fett

Pflanzenöle, wenig Butter und Margarine

Frittiertes, Mayonnaise

 

Essen Sie über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten statt wenige große. Achten Sie auch darauf, viel und regelmäßig zu trinken - das fördert die Verdauung und sorgt dafür, dass die Gallenflüssigkeit dünnflüssig bleibt.

Kostpläne: Teepause – Aufbaukost – Dauerkost

Bei akuten Beschwerden bzw. nach der operativen Entfernung der Gallenblase kann eine "Teepause" von 1 bis 3 Tagen eingelegt werden, bis die Verdauungsbeschwerden abklingen. Die "Teepause" sollte nicht zu lange sein, damit Sie bald wieder wichtige Vitamine und Vitalstoffe zu sich nehmen. Danach kann von schonender Aufbau- langsam zur Dauerkost gewechselt werden. Wie schnell die Erhöhung der Fettmenge möglich ist, ist individuell unterschiedlich - achten Sie auf möglicherweise auftretende Beschwerden.

Was ist die "Teepause"?

Darunter versteht man folgende Zusammenstellung von Lebensmitteln und Getränken:

  • Getränke: Lauwarmer Tee
  • Gebäck: Zwieback, getoastetes Weißbrot, Knäckebrot
  • Suppen: Schleimsuppen, Grießsuppe, Haferflockensuppe
  • Snacks: Reiswaffeln
  • Obst: Apfelmus

Aufbaukost

Folgende Speisen und Lebensmittel können in der ersten Phase der Aufbaukost zu jenen der "Teepause" hinzugefügt werden:

  • Kohlenhydrate: gedünsteter Reis, Kartoffelpüree
  • Süßspeisen: Milchgrieß, Milchreis, Pudding, Cremes (alles schwach gesüßt)
  • Milchprodukte: Joghurt

Nach spätestens 5 Tagen, wenn die Beschwerden weiter abgeklungen sind, allmählich auch folgende Produkte essen:

  • Kohlenhydrate: Teigwaren, altbackenes Weißbrot, Toastbrot
  • Süßspeisen: Biskotten, Biskuit, schwach gesüßte Aufläufe (z.B. Reisauflauf) und Pudding (z.B. Grießpudding)
  • Milchprodukte: fettarmer Topfen
  • Obst: Apfel- und Birnenkompott
  • Gemüse, gedünstet: Karotten, Zucchini, Fenchel, Spinat
  • Fisch, gedünstet oder in Alufolie zubereitet: Forelle, Scholle, Dorsch
  • Fleisch: gedünstetes Hühner- und Kalbfleisch, magerer Schinken
  • Fette: nicht mehr als 40 g Butter / Margarine / Öl pro Tag
  • Gewürze: wenig Salz, mildes Kräutersalz, Küchenkräuter, Zitrone, wenig und milder Essig

Dauerkost

Erweitern Sie die Aufbaukost um folgende Lebensmittel:

  • Getränke: Wasser, Kräutertee, Milch (auch Soja-, Butter-, Sauermilch), Malzkaffee, schwacher Kakao, Karottensaft, kohlensäurefreies Mineralwasser
  • Gemüse: Kürbis, junge Bohnen, Erbsen, grüner Salat, Roter-Rüben-Salat, Selleriesalat, Kartoffeln
  • Obst: Bananen, Himbeeren, Melone, Äpfel, Birnen, Pfirsich- und Kirschkompott
  • Fisch: Zander, Seelachs, Hecht, Kabeljau
  • Milchprodukte: Topfen, Frischkäse, Hüttenkäse, milde Schmelz- und Hartkäsesorten (z.B. Gouda, Butterkäse, Edamer)                    
  • Fleisch: Faschiertes vom Huhn oder der Pute, Kalb- oder Rindfleisch, fettarme Wurst, fettarme Rind- oder Hühnersuppe
  • Gebäck: Cornflakes, nicht ganz frisches Brot, Nockerln, lockere Knödel
  • Süßspeisen: schwach gesüßte, lockere Mehlspeisen, Marmorkuchen, mürbe Kekse, Blätterteiggebäck
  • Eier: weiches Ei; Ei in Auflauf oder Mehlspeisen
  • Fette: Butter, Margarine, Raps-, Maiskeim-, Olivenöl
  • Gewürze: Kümmel, Anis, Zimt, Gewürznelken
AUTOR


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


30.12.2015 / 22.02.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Johann Grassl
Diätologe
QUELLEN
Interview mit Johann Grassl, Diätologe am 04.07.2015
Ernährung bei Gallensteinen und nach der Gallenblasenentfernung, I. Fortis, J. Kriehuber, E. Kriehuber, Wilhelm Maudrich Verlag, 2. Auflage, Wien, 2011
Ernährungsratgeber Leber und Galle: Genießen erlaubt, S.-D. Müller, C. Weissenberger, Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH, 2. Auflage, Hannover, 2010
Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse: Wirksame Hilfe bei Beschwerden, H. Liehr, TRIAS Verlag, Stuttgart, 2002

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