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Ernährung bei Schilddrüsenunterfunktion

Ernährung bei Unterfunktion der Schilddrüse
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Radieschen, Kohl, Karfiol und Kresse sollten bei einer Schilddrüsenunterfunktion nur gelegentlich verspeist werden. (Albina Glisic / Shutterstock.com)

Die Schilddrüse produziert wichtige Hormone und ist für daher für wichtige Stoffwechselvorgänge, wie die Funktion unserer Muskeln oder unseres Nervensystems maßgebend.

Voraussetzung ist, dass die Hormonausschüttung in Balance bleibt. Eine träge Schilddrüse produziert zu wenige Hormone, das wird als Unterfunktion (Hypothyreose) bezeichnet. Dafür gibt es viele Ursachen, das häufigste Problem ist Jodmangel. Mehr als die Hälfte der Europäer nehmen zu wenig Jod zu sich. Die richtige Ernährung bei Schilddrüsenunterfunktion kann helfen das Organ wieder in Balance zu bringen.

Ernährung bei Unterfunktion der Schilddrüse

Eine Schilddrüseunterfunktion tritt eher im Alter auf, etwa 25 % der der über 60-Jährigen sind von einer Unterfunktion betroffen. Diese, sowie schwangere Frauen sollten den Hormonstatus ihrer Schilddrüse im Auge behalten, denn die Anzeichen werden häufig übersehen. Meist klagen Betroffene über Dauermüdigkeit, niedrigen Blutdruck, Leistungsschwäche, Verstopfung, Gewichtszunahme, bei Frauen treten oft Zyklusstörungen auf.


Neben einer medikamentösen Therapie ist die Ernährung eine wichtige Säule in der Therapie und Vorsorge. Jod und Selen sind die wichtigsten "Bausteine", die die tägliche Ernährung enthalten sollte.

Jod: Nahrung für die Schilddrüse

Der täglich empfohlene Bedarf liegt bei 200 Mikrogramm pro Tag, das entspricht etwa einer 100 Gramm Kabeljau-Portion oder etwa einem Kilo Äpfel. Kinder benötigen etwa 100 Mikrogramm Gramm, Schwangere 230 und Stillende 260 Mikrogramm.


Tatsächlich liegt der tägliche Jodkonsum der Österreicher gerade mal bei der Hälfte dieser Menge, im Gegensatz zu ozeanischen und mediterranen Gebieten, die durch fischreiche Ernährung viel an Jod aufnehmen.

Schilddrüse: Ausreichende Jodversorgung ist wichtig

1963 wurde in Österreich die erste "Jodsalzprophylaxe" erlassen. Einem Kilogramm Salz mussten 10 mg Jod beigefügt werden, 1990 wurde dieser Wert auf 20 mg erhöht. Zum Größenvergleich: Erwachsene benötigen etwa 200 Millionstel Gramm täglich von diesem Spurenelement. Mit 5 Gramm Speisesalz pro Tag führt man etwa 100 Mikrogramm Jod zu.

 

Essenziell für Schwangere

Schwangere sollten täglich zirka 230 Mikrogramm (also 230 Millionsten Gramm pro Tag) Jod zu sich nehmen, um Schädigungen des Ungeborenen zu vermeiden. Eine vorübergehende, durch den Arzt verordnete Tabletteneinnahme, ist in dieser Zeit sinnvoll.


Bei Jodmangel kann es u.a. Fehl- oder Totgeburten, in späterer Folge Taubstummheit, Schilddrüsenerkrankungen oder Wachstumssörungen kommen. Ein typisches Jod-Mangel-Erkrankungsbild, das vor einigen Jahrzehnten noch häufig war, wird in der Medizin als "Kretinismus" bezeichnet. Die Kinder wiesen Schäden am Skelett, wie Kleinwuchs auf, sie neigten zu Schwerhörigkeit, Taubheit oder geistiger Behinderung. Üblicherweise werden heute Kinder, die im Krankenhaus geboren werden, einem routinemäßigen "Neugeborenen-Screening" 5 Tage nach der Geburt unterzogen, bei dem eine eventuelle Schilddrüsenfunktionsstörung diagnostiziert werden kann.

 

Kinder brauchen Jod

Säuglinge müssen pro Tag zirka 40 - 80 Mikrogramm Jod aufnehmen, da die weibliche Brustdrüse Jod in dieser Phase "speichern" kann, ist diese Zufuhr durch Muttermilch gesichert. Für Kinder wird mit zunehmendem Alter (von 1 - 14) eine Jodmenge von 100 - 200 Mikrogramm empfohlen.

 

Jod im Alltag

Einen besonders hohen Jodgehalt haben Nahrungsmittel aus dem Meer, weil Algen und Seetiere Jod speichern und dieses für sie lebenswichtig ist.


Nachstehend eine Übersicht über wichtige Jodquellen pro 100 Gramm

 

Schellfisch, Kabeljau, Muscheln

250-300 µg

Algen

bis 300 µg

Brokkoli, Kohl, Kartoffeln

bis 15 µg

Spinat

12 µg

Karotten

15 µg

Schwarzer Tee

10 µg

Milch, Eier

10-12 µg

Roggenbrot

9 µg

Fleisch, Leber

14 µg

 

Speisesalz (2000 Mikrogramm = 2 mg), 10 Gramm Speisesalz (2 TL) würden den Tagesbedarf decken, allerdings wird empfohlen, pro Tag nur etwa 1 TL Salz zu konsumieren.


Der Jodanteil hängt bei Fleischprodukten jedoch wesentlich von der Fütterung der Tiere (mit jodreichem Futter), bei pflanzlichen Nahrungsmitteln von der Bodenbeschaffenheit (jodarmer/-reicher Boden) ab. Günstig auf die "Jodbilanz" wirkt sich auch die Verwendung von jodiertem Speisesalz aus. Auch industriell hergestellte Lebensmittel, wie Brot, Wurst, Käse oder Fertiggerichte sollten Jodsalz enthalten, dies ist jedoch nicht verpflichtend. Hersteller geben die Verwendung von jodiertem Speisesalz üblicherweise auf der Verpackung an.

Schilddrüse: Was die Jodaufnahme blockiert

Liegt ein Jodmangel vor, sollte man bestimmte Nahrungsmittel, wie Kohl, Karfiol, Rüben, Kresse, Radieschen nur gelegentlich zu sich nehmen. Diese Lebensmittel enthalten Glucosinolate. Dabei handelt es sich um Einfachzucker-hältige Moleküle, die in Pflanzen gebildet werden und ihnen den typischen Geschmack verleihen. Problematisch dabei ist jedoch, dass diese Moleküle mit Jod einen "Wettlauf" absolvieren, welche der beiden Teilchen sich in der Schilddrüse einlagern kann. Glucosinolate verhindern die problemlose Einlagerung von Jod in der Schilddrüse.


Auch die in Soja- und Hirseprodukten enthaltenen Flavonoide blockieren die Einlagerung von Jod, vor allem bei Kindern kann dies bei zu geringer Jodzufuhr zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen. Glucosinolate können außerdem zu Thiocyanaten abgebaut werden, die ebenfalls mit der Jodeinlagerung in der Schilddrüse konkurrieren. Sie finden sich u.a. in Süßkartoffeln, Leinsamen oder Hirse, aber auch im Zigarettenrauch. Vor allem bei Stillenden hindert Rauchen die Jodaufnahme, da das Spurenelement in dieser Phase nicht nur in der Schilddrüse, sondern vorübergehend auch in der Brustdrüse eingelagert wird.

Schilddrüse: Schadet zuviel Jod?

Eine ständig übermäßige Jodzufuhr kann den gegenteiligen Effekt bewirken, nämlich zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Erklärt wird dies durch den "Wolf-Chaikoff-Effekt". Dabei wehrt sich die gesunde Schilddrüse vor exzessiver Jodzufuhr und blockiert die Jodeinlagerung in den Schilddrüsenfollikeln.

Wichtige Mineralstoffe für die Schilddrüse

Selen: wichtig für den Stoffwechsel

Selen ist ein Bestandteil von Enzymen und Proteinen und spielt beim Stoffwechsel der Schilddrüse eine wichtige Rolle. Der Selenbedarf beträgt pro Tag zwischen 30 und 70 Mikrogramm bei Erwachsenen. Enthalten ist das Spurenelement in Fisch, Fleisch, Eiern, Milch- oder Getreideprodukten, sowie in Nüssen und Spargel. Selenhaltige Proteine ("Dejodasen") aktivieren die Schilddrüsenhormone und setzen einen Regelkreis in Gang, der die Schilddrüse vor Schäden durch Freie Radikale schützt. Diese Schutzfunktion ist jedoch nur möglich, wenn der Schilddrüse ausreichend Selen zugeführt wird.

 

Wichtige Selenquellen sind (pro 100 Gramm)

 

Hering, Thunfisch

110-140 µg

Steinpilze

180 µg

Leber

55-58 µg

Karpfen, Garnelen, Rotbarsch, Garnelen

40-60 µg

Weizenkleie

110 µg

 

Eisen

Bei einer Funktionsstörung der Schilddrüse, wie der Unterfunktion, ist die Drüse nicht in der Lage, ausreichend Eisen aufzunehmen. Eisenmangel verursacht eine Störung der Schilddrüsen-Peroxidase (TPO). Dabei handelt es sich um ein Enzym, das die "Initialzündung" für die Bildung von Schilddrüsenhormonen gibt. Liegt ein Eisenmangel vor, werden daher keine Schilddrüsenhormone gebildet. Vor allem in der Schwangerschaft ist das problematisch, da eine reibungslose Schilddrüsenfunktion für Mutter und Kind lebenswichtig ist.


Über die tägliche Nahrung sollten zwischen 10 mg (Männer) und 15 mg (Frauen) Eisen zugeführt werden.

 

Besonders reich an Eisen sind (pro 100 Gramm):

 

Petersilie

97 mg

Minze

88 mg

Thymian

30 mg

Schweineleber

18 mg

Weizenkleie

16 mg

Kakao

10 mg

Sojabohnen

8,6 mg

Linsen

8 mg

 

Die Schilddrüse ist ein Beispiel, wie biochemische Prozesse in Feinabstimmung verlaufen. Eine ausgewogene, durchdachte Ernährung ist die ideale Ergänzung, damit unsere größte Hormondrüse gesund bleibt und wird.

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Sylvia Neubauer


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


03.01.2017 / 01.07.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
Mag. Rita Longin
Ernährungswissenschafterin

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