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Fructoseintoleranz

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Jeder 10. Europäer ist von Fructoseintoleranz betroffen. (monticello / Shutterstock.com)

Fructoseintoleranz ist ein Verdauungsproblem, das in jedem Alter entstehen, mehr Frauen treffen und vorübergehend oder auch dauerhaft auftreten kann.

Es handelt sich dabei nicht um eine Allergie, sondern um eine Unverträglichkeit, und ist oft mit einem Reizdarm-Syndrom gekoppelt. Der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Intoleranz ist wichtig zu wissen, da im Gegensatz zu einer Allergie, bei einer Unverträglichkeit die verantwortlichen Substanzen oder Lebensmitteln nicht vollständig vermieden werden müssen.

Übeltäter Fructose

Bei der Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruchtzuckerintoleranz) wird das Kohlenhydrat Fructose, welches im Dünndarm nicht ausreichend aufgenommen werden kann, im Dickdarm, von Bakterien abgebaut. Dabei können typische Beschwerden entstehen, wie Blähungen, Windabgänge, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Mit Hilfe einer Diät, und Enzympräparaten lässt sich die Fruchtzuckerunverträglichkeit gut in den Griff bekommen.

Fructose: Gestörter Abbau im Darm

Für Fructose steht normalerweise im Dünndarm nur eine begrenzte Aufnahmekapazität durch das Transportprotein GLUT-5, das Fructose vom Dünndarm in den Blutkreislauf schleust, zur Verfügung. Gelangt nun zu viel Fruchtzucker mit der Nahrung in den Dünndarm, kann es kurzzeitig zu einer Überlastung des Transportsystems kommen. Der Abtransport der Fructose ins Blut erfolgt dann nur unvollständig.

Folgen der Fructoseintoleranz

Die Folgen: Der Fruchtzucker wandert unverdaut in den Dickdarm, wo ihn Bakterien bearbeiten. Bei diesen Prozessen kommt es zu typischen Symptomen wie Blähungen, Windabgängen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall.

 

Die Kapazität des Transportsystems wird durch andere Nahrungsbestandteile beeinflusst – Sorbit etwa erschwert den Transport von Fructose und Traubenzucker (Glukose) unterstütz die Aufnahme von Fructose.

 

Daher ist die Verträglichkeit von Fructose von Person zu Person unterschiedlich und muss individuell getestet und die Ernährung darauf abgestimmt werden. Sie hängt in erster Linie von der Menge und dem jeweiligen Lebensmittel ab.

Fructose: Die Menge entscheidet

Entscheidend für die Verträglichkeit ist nicht die absolute Menge an Fructose sondern das Verhältnis von Fructose zu Glucose (Traubenzucker). Lebensmittel, deren Traubenzuckeranteil gleich hoch oder höher ist als der Fruchtzuckeranteil werden deutlich besser vertragen. Im normalen Haushaltszucker (Saccharose) kommt zum Beispiel Fructose in gleich großer Menge wie Glucose vor.

 

Fructose ist im Überschuss u.a. in Früchten, Fruchtsäften, Honig, Soft Drinks, Fertig- und "Light"-Produkten und manchen Süßigkeiten enthalten.

Fructoseintoleranz oder Fruchtzuckerunverträglichkeit?

Beide Begriffe werden im Allgemeinen synonym verwendet. Allerdings ist zu beachten, dass der Begriff „Fructoseintoleranz“ auch für eine sehr seltene angeborene Genmutation verwendet wird, die schon bei Säuglingen auftritt und sich mit schweren Stoffwechselstörungen bemerkbar macht, sobald Fructose mit der Nahrung zugeführt wird – diese Fructoseintoleranz macht eine strenge Diät erforderlich. Die Fructoseunverträglichkeit, um die es eigentlich in diesem Beitrag geht, kommt sehr viel häufiger bei Jugendlichen und Erwachsenen vor, ist nicht gefährlich und macht sich mit Blähungen, Windabgängen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall bemerkbar. 

Diagnose der Fructoseintoleranz

Der Nachweis erfolgt durch eine Symptommessung nach Zufuhr von Fructose – dies kann zum Beispiel in der Ordination oder der Ambulanz im Rahmen eines Atemtests (siehe unten), oder in Zukunft auch zu Hause mit Hilfe einer App, erfolgen. Die Symptommessung erfolgt mit Hilfe von Skalen für jedes der typischen Symptome. Ein an den Universitäten Graz und Wien entwickelter Fragebogen wird nun in internationalen Richtlinien für die Verwendung für die Symptommessung empfohlen. Die Entwicklung einer App welche die Verwendung dieses Fragebogens über Handys, auch für Selbtmessungen durch PatientInnen, möglichen machen wird steht kurz vor dem Abschluss – mit einer Veröffentlichung der App ist im Sommer 2021 zu rechnen.

 

Wichtig ist auch festzustellen, ob die Symptome wegen derer der Test durchgeführt wird, auch jene sind, die nach Einnahme der Fructose dokumentiert werden – falls nicht, mag zwar eine Fructoseintoleranz bestehen, die Beschwerden wegen derer die Testung durchgeführt worden ist, sind aber nicht erklärt sein, was weitere Untersuchungen notwendig machen kann.

 

Ergänzend kann mit einem Wasserstoff-Atemtest (Fructose-H2-Atemtest) die unvollständige Aufnahme von Fructose im Dünndarm nachgewiesen werden (Laktosemalabsorption). Beim Atemtest muss der Betroffene eine Flüssigkeit mit aufgelöstem Fruchtzucker trinken. Wird nun die Fructose im Dünndarm nicht aufgenommen und in der Folge im Dickdarm durch Bakterien abgebaut, entsteht dabei Wasserstoff, der über die Lungen abgeatmet wird. Der Anteil des Wasserstoffs in der Atemluft wird dann elektrochemisch bestimmt. Ein Nachteil dieses Tests ist, dass für diesen Test die Ordination oder eine Ambulanz aufgesucht werden muss, verbunden mit einem Zeitaufwand von mehreren Stunden. Ein Atemtest ohne begleitende Symptommessung ist für die Entscheidung ob Symptome durch die Fruktoseintoerlanz bedingt sind, sowie für die Entscheidung zur Einleitung einer Behandlung nicht relevant.

Fructoseintoleranz: Was wird nicht vertragen?

Fruktose kommt typischerweise in Obst vor, wird aber auch von de Nahrugnsmittelindustrie als Süßstoff in der Herstellugn vershciedner Speisen oder getränke verwendet.. Meiden sollte man besonders in der Phase der Eliminierungsdiät Obst, Fruchtsäfte undFertigprodukte. Bessern sich die Symptome trotz fructosearmer Kost nicht, könnte dies auf eine zusätzliche Laktoseintoleranz oder eine Ballaststoffunverträglichkeit, z.B. im Rahmen eines Reizdarmsyndroms, hindeuten.

 

Es gibt auch die Möglichkeit, ein Nahrungsergänzungsmittel in Form eines Enzyms zuzuführen, welches den Abbau der Fructose im Dünndarm unterstützt.

Fructoseintoleranz: Was kann man zusätzlich tun?

Wer sensibel auf Fruchtzucker reagiert, sollte Protokoll führen: wann wird was in welchen Mengen gegessen bzw. in welchem Zusammenhang es zu Beschwerden kommt. Es macht auch Sinn, nach der Diätphase schrittweise wieder in kleinen Mengen fructosehaltige Lebensmittel zu essen.

MINI MED Vortrag zum Nachhören

Intoleranz muss nicht Ihr Leben bestimmen! Der richtige Umgang mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten

(Graz, 17.10.2019)

 

Referent: Univ.-Prof. Dr. Heinz Hammer

Nahrungsmittelintoleranzen: Alles nur Einbildung? Der Einfluss der Psyche auf die Nahrungsaufnahme

(Graz, 17.10.2019)

 

Referentin: Priv.-Doz. Dr. Theresa Lahousen-Luxenberger

AUTOR


Mag. Silvia Feffer-Holik
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Carola Bachbauer, BA


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


14.07.2017 / 26.05.2021
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ. Prof. Dr. Heinz Hammer
Foto (c): Vanessa Hammer
Medizinische Universitätsklinik Graz; Klin. Abt. für Gastroenterologie und Hepatologie
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