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Hämorrhoiden: Wenn der Stuhlgang zur Tortur wird

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Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Sie sind per se keine Krankheit. (Zerbor / Fotolia)

Hämorrhoidalknoten hat jeder Mensch. Wenn sie durch verschiedene Ursachen aber vergrößert sind, können sie Beschwerden verursachen.

Bei Hämorrhoiden handelt es sich um eine normal anatomische Struktur, die bestimmte Funktionen erfüllt. Es sind kleine Gefäßkissen zwischen dem Enddarm und dem Schließmuskel, die von arteriellem – daher hellrotem – Blut gespeist werden. Beschwerden können dann auftreten, wenn sich die Gefäßpolster erweitern und nach unten sinken. Bedingt durch Schwangerschaft und Entbindung sind Frauen häufiger betroffen als Männer.

Mögliche Ursachen für Hämorrhoiden

Als Ursache für symptomatische Hämorrhoiden werden seit Jahrzehnten von Laien zahlreiche Erklärungen herangezogen: Erbliche Vorbelastung, sitzender oder stehender Beruf, kalte oder warme Sitzgelegenheiten, Sport oder wenig Bewegung, Verstopfung, Bindegewebsschwäche, Assoziation mit Krampfadern. "Aus den vielen Alternativen geht schon hervor, dass keine von ihnen wirklich zutrifft. Der fehlende Zusammenhang wird durch die Literatur bestätigt, in der sich keine statistisch signifikanten Ursachen finden. Als einzige Ursachen sind gesichert: Schwangerschaft und Geburt", meint Prim. Univ. Prof. Dr. Max Wunderlich Leiter der Abteilung Chirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien.

 

Während der Schwangerschaft ist der Körper einer Frau großen Belastungen ausgesetzt. Hormonell bedingte Veränderungen des Bindegewebes und der venösen Gefäße begünstigen das Entstehen eines hämorrhoidalen Leidens. Gängige Erklärungen hierfür sind die verminderte Spannkraft in den Venen, die gesteigerte Blutzirkulation im Beckenbereich, die Gefäßerweiterung und die Bindegewebsschwäche.

Typische Beschwerden

  • hellrote Blutung beim Stuhlgang (muss unbedingt abgeklärt werden, da sie auch andere, bedrohlichere Ursachen haben kann!)
  • Juckreiz, Nässen, Brennen und Schmerzen beim Stuhlgang
  • ertastbare und verschiebbare Wölbungen und Knoten (können auch ein störendes kosmetisches Problem darstellen)

Auch andere – mitunter bedrohliche – Erkrankungen in dieser Region können mit ähnlichen Symptomen einhergehen. Aus diesem Grund ist stets eine Untersuchung durch den Facharzt angezeigt. Die korrekte Diagnose wird zumeist von Chirurgen gestellt, vorzugsweise von Spezialisten im Gebiet der Proktologie.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten

Prinzipiell gilt,...

  1. ...dass asymptomatische Hämorrhoiden, also jene ohne Beschwerden, gleichgültig welchen Stadiums, keiner Therapie bedürfen.
  2. ...dass bei Hämorrhoiden aller Stadien zunächst immer eine konservative Therapie angezeigt ist. Diese wirkt selbst bei permanent prolabierten großen Hämorrhoiden oft Wunder, während eine Operation selten aber doch von mehr Beschwerden gefolgt sein kann als jenen, die vor dem Eingriff bestanden haben.
     

"Die vielgepriesenen Änderungen des Lebensstils mit Ratschlägen für eine gesündere Ernährung, beispielsweise mit Ballaststoffen, Stuhlregulierung, etwa mit Flohsamen, mehr Bewegung etc. mögen in manchen Fällen hilfreich sein", sagt Wunderlich.

 

Weitere Empfehlungen des Experten:

  • In den meisten Fällen genügt die Reinigung der Intimsphäre mit Wasser, eventuell milder Seife. Dies mag zu Hause einfach sein, gelingt jedoch nur selten unterwegs, auf fremden Toiletten. Zumindest in diesen Situationen empfiehlt sich die Anwendung von dermatologisch getesteten Reinigungs & Pflegetüchern mit natürlichen Extrakten aus Kamille, Kornblume und Ringelblume. Feuchte Toilettentücher im Handel enthalten vielfach Stoffe wie Formaldehyd, die selbs in Spuren zu einer weiteren Irritation der Haut führen können (ÖKO Test 2014). Schon der Verzicht auf diese Tücher lässt den Juckreiz oft schwinden.
  • Sitzbäder, wie z.B. mit Eichenrinde etc., können durchaus empfohlen werden, sind abermühsam in der Anwendung.
  • Die orale Medikation mit Flavonoiden ist erwiesenermaßen häufig erfolgreich. Sie bewirken ein Abschwellen der Hämorrhoiden und beherrschen insbesondere das Symptom der Blutung. Allerdings ist die Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit gegenwärtig mit Vorbehalt zu sehen, da es Auswirkungen auf den Fötus oder das Neugeborene haben könnte.
  • Bei Salben und Cremen rät Prim. Univ. Prof. Dr. Max Wunderlich vor allem zu Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen. Bewährt haben sich stechender Mäusedorn, Rosskastanie, Kamille, Korn- und Ringelblume.

In den meisten Fällen kann den Patienten durch eine konservative Therapie gut geholfen werden und die Beschwerden verschwinden vollständig. Ist dies jedoch nicht der Fall, so führt manchmal der Weg an einer chirurgischen Therapie nicht vorbei.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


25.09.2018
QUELLEN
Presseaussendung des Berufsverband der österreichischen GynäkologInnen (BÖG) vom 25.09.2018

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