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Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit)

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Alkohol, wie Rotwein, Sekt oder Schnaps sorgt für eine Freisetzung von Histamin. (margouillat photo - Shutterstock.com)

Eine Histaminintoleranz (HIT) entsteht durch Ungleichgewicht im Körper zwischen Bildung, Zufuhr und Abbau  von biogenen Aminen. Histamin ist das Bekannteste aber nicht einzige dieser biogenen Amine. 

Der Abbau von Histamin das aus der Aminosäure Histidin entsteht, ist verlangsamt und vermindert: zumeist liegt eine verringerte Aktivität des Histamin abbauenden Enzyms DAO zugrunde. Diese kann vorübergehend oder andauernd sein. Histamin wirkt im Körper über 4 verschiedene spezielle Rezeptoren, entsprechend vielgestaltig sind die Symptome: sie reichen von Kopfschmerzen über Blähungen, Durchfall bis Schwindel. Bis zu 4 % der Österreicher sind nach Schätzungen von einer Histamin Intoleranz betroffen. Histamin wird im Körper synthetisiert; es ist in erster Linie in unterschiedlichen Mengen in lang gelagerten, konservierten bzw. gereiften Lebensmitteln wie Rotwein, Hartkäse oder Geräuchertem und wiederaufgewärmten Speisen  vorhanden.  Eine sorgfältige Anamnese, Hauttests und eine histaminfreie Diät können helfen, diese Diagnose zu bestätigen, und welche Nahrungsmittel sie verursachen.

Wie häufig tritt Histaminintoleranz auf?

Etwa 1 bis 4 % der Österreicher sind histaminintolerant. 70 bis 80 % davon sind Frauen.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Bei einer Histaminintoleranz sind Darmschleimhaut Bereiche, v.a. im Dünndarm, vorübergehend (z.B. nach einer Entzündung), oder dauerhaft nicht in der Lage Histamin abzubauen. Mit ein Auslöser ist ein Mangel des Enzyms Diaminoxidase (DAO), das in den Mukosa Zellen produziert wird.

Was ist Histamin?

Histamin entsteht aus der Aminosäure Histidin und löst über Bindung an vier verschiedene Rezeptoren eine Vielfalt von Vorgängen aus. Es spielt eine Rolle bei der Produktion der Magensäure, der Darmperistaltik und bei der Kontrolle des Appetits, bei der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus und des Blutdrucks und nicht zuletzt auch im Immunsystem. Histamin ist der Stoff, der - bei Schnupfen und Heuschnupfen- Nasen zum Rinnen und Augen zum Tränen bringt, indem er die Zellen, die das Sekret (Tränen, Nasenschleim, Magensäure, usw.) produzieren, stark anregt. Histamin wird aber auch durch Essen und Trinken zugeführt! Bei Stress, allergischen Erkrankungen, schüttet der Körper große Mengen Histamin aus. Durch große Histaminmengen können bei  vielen  Menschen, variabel, folgende Symptome ausgelöst werden:

 

Die wenigsten haben dabei alle diese Symptome, sondern meist konzentrieren sie sich entweder auf den Darm oder auf den Kopf oder auf den Kreislauf usw. Die Ausprägung der Symptome ist dosisabhängig.

 

Histamin wird auf 2 voneinander getrennten Wegen im Körper mit Hilfe von Enzymen abgebaut. Einmal mit Hilfe des Enzyms Diaminoxidase (DAO), auf dem anderen Weg über das Enzym Histamin-N-Methyltransferase (HNMT), v.a. im zentralen Nervensystem. Bei der Histaminintoleranz kann der Körper das Histamin langsamer abbauen, weil eines oder beide Enzyme entweder zu wenig produziert werden oder zu viel Histamin zugeführt wird. Dadurch sammelt sich das Histamin im Blut an und erreicht eine erhöhte Dosis, die zu Symptomen führt.

 

Dazu kommt, dass bestimmte Medikamente (z.B. die bei Bronchitis so beliebten Schleimlöser, oder manche Antibiotika), aber auch Alkohol die DAO hemmen, also deren Wirkung vermindern oder blockieren. Weiters können andere biogene Amine, das sind dem Histamin sehr ähnliche Stoffe, die ebenfalls mit den genannten Enzymen abgebaut werden, zu einem erhöhten Histaminspiegel beitragen.

In welchen Lebensmitteln ist Histamin enthalten?

Der Histamingehalt in Lebensmitteln schwankt sehr stark. So entsteht etwa bei der Lagerung Histamin, bei Fisch und Meeresfrüchten zum Beispiel sehr schnell. Während frisches Faschiertes nahezu histaminfrei ist, enthält es nach einem Tag Lagerung schon eine größere Menge Histamin. In Emmentaler fand man Werte von 0,1 bis 2500 mg Histamin pro kg Käse.

 

Ab welchen Mengen sind Beschwerden zu erwarten?

Beschwerden können ab einer Menge von 60 bis 100 mg Histamin auftreten, starke Symptome einer Vergiftung treten meist bei Histaminmengen bis deutlich über 1000 mg auf.

 

Wesentlich geringere Mengen können aber bei Menschen mit DAO-Mangel bzw. einer DAO-Blockade unter Alkoholeinfluss schon deutliche Reaktionen auslösen.

 

Grundsätzlich gilt für Lebensmittel: Je frischer, desto histaminärmer.

 

Hohe Histaminwerte haben:

  • Käse, vor allem gereifter, harter Käse, z.B. Parmesan
  • Geräuchertes: Fleisch, Wurst, Geselchtes, ...
  • Rohschinken und Rohwürste wie Salami
  • Thunfisch (v.a. Konserven) und andere Makrelenarten, Bonito
  • Alles Aufgewärmte!
  • Andere Fische, wenn nicht absolut fangfrisch (sehr hoher Histamingehalt schon nach einem Tag), dazu zählen nicht: Scholle, Forelle, Flunder
  • Faschiertes, wenn nicht ganz frisch (durch die große Oberfläche leicht verderblich)
  • Rotwein, Sekt (Prosecco) Champagner, Schnaps (Alkohol sorgt dafür, dass Histamin freigesetzt wird)
  • Weinessig, Balsamico, Sojasaucen
  • Essiggurkerl und anderes sauer Eingemachtes, Gemüse, Pilze

Diagnose

Der Arzt hat spezielle Fragebögen, die die Beschwerden der Histaminintoleranz sehr gut erfassen. Das Führen eines Nahrungsmitteltagebuches ist ebenfalls eine gute Methode, einer Histaminintoleranz auf die Spur zu kommen. Darin werden über einige Wochen alle Speisen, Getränke und mögliche Beschwerden festgehalten. Je häufiger nach dem Genuss Symptome wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Durchfall oder rinnende Nase auftreten, desto eher liegt eine Histaminintoleranz vor.


Der Arzt wird auch andere Erkrankungen ausschließen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen können, wie z.B. die Laktoseintoleranz, die Fruktosemalabsorption, die Zöliakie, das Reizdarmsyndrom oder auch die Nahrungsmittelallergie.

 

Eine relativ rasche Symptombesserung wird mit einer histaminfreien bzw. histaminarmen Diät erzielt, die zirka 4 Wochen dauert. 

Therapie

Abgesehen von der Vermeidung histaminreicher Lebensmittel können Antihistaminika-Tabletten gegen die Beschwerden helfen. Antihistaminika (genauer H1-Blocker) blockieren für einige Stunden (je nach Präparat) die Histaminwirkung, indem spezielle Wirkstoffe das Histamin überlisten die Histaminrezeptoren  im Körper selber besetzen. Mit speziellen Nahrungsergänzungsmitteln lässt sich das Darmenzym DAO vor dem Essen zuführen und damit der Histaminabbau unterstützen.

Was kann der Betroffene tun?

Bei der Histaminintoleranz gilt es, jene Nahrungsmittel, die Beschwerden verursachen, fürs Erste einige Zeit konsequent zu meiden. Dafür ist es wichtig, die zumindest vierwöchige Diät ohne Histamin strikt einzuhalten. Auch wenn das in dieser Zeit sehr schwierig ist, für Personen mit Histaminintoleranz lohnt sich der Aufwand, um die wahren Übeltäter zu finden. Dem Darm wird damit auch eine Erholungsphase gegönnt.

 

In Folge ist es wichtig, mit Hilfe eines Diätologen einen individuellen Ernährungsplan zu erstellen, um Mangelernährung zu vermeiden. Denn viele Patienten mit einer Histaminintoleranz sind völlig gesund, ernähren sich aber falsch.

 

Enzymersatzpräparate führen das fehlende Enzym künstlich zu, der Betroffene bleibt beschwerdefrei. Dadurch ist es möglich, schrittweise wieder zur Normalkost überzugehen und in kleinen Mengen immer wieder die persönliche Verträglichkeit auszutesten. Geht ein Glas Rotwein am Abend? Oder sogar 2? Oder bekomme ich davon schon wieder Kopfschmerzen, eine verstopfte Nase oder Durchfall?

AUTOR


Mag. Silvia Feffer-Holik , Livia Rohrmoser


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


09.12.2013 / 02.05.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
UNIV.-DOZ. Dr. Heinz Kofler
Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Allergologe Leiter des Allergieambulatoriums Hall
QUELLEN
L. Kofler, H. Kofler: Histaminintoleranz (HIT). Mit gezielter Anamnese zur richtigen Diagnose. In: Der Deutsche Dermatologe 2012; 2: 99-102
Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit, R. Jarisch, Thieme Verlag, 3. Auflage, Stuttgart, 2013
L. Maintz, T. Bieber, N. Novak: Die verschiedenen Gesichter der Histaminintoleranz. Konsequenzen für die Praxis. In: Dtsch Ärztebl 2006; 103(51-52): A-3477 / B-3027 / C-2903

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