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Schwere Folge von Darmresektionen – Kurzdarmsyndrom mit chronischem Darmversagen

Mann mit Kurzdarmsyndrom hält sich auf den Bauch
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Betroffene eines Kurzdarmsyndroms haben oft ein Leben lang mit Einschränkungen zu kämpfen. (Taras Mikhailyuk / Shutterstock.com)

Bei verschiedenen Krankheiten oder Verletzungen kann eine operative Verkürzung des Darms notwendig werden. Für den Betroffenen ist dies mit Einschränkungen verbunden.

Beim Kurzdarmsyndrom ist die Funktion des Darms – meist als Folge einer chirurgischen Entfernung von Teilen des Darms – so stark eingeschränkt, dass die Verdauung und die ausreichende Aufnahme von Nährstoffen, Flüssigkeit und Mineralien nur mit speziellen Maßnahmen aufrechterhalten werden kann. Dabei sind Patienten meist auf eine zusätzliche künstliche Ernährung über einen venösen Zugang (parenteral) angewiesen. Mit anderen Worten: Der Darm versagt. Man spricht deshalb auch vom Kurzdarmsyndrom mit Darmversagen.

Ursachen

Das Kurzdarmsyndrom tritt in der Regel auf, wenn ein großer Teil des Darms nach einer Krankheit oder einem Unfall operativ entfernt wurde.

 

Als weitere Ursache kommen Erkrankungen in Frage, bei denen der Darm zwar eine normale Länge hat, jedoch nicht regulär funktioniert und deshalb ebenfalls nur schlecht oder gar keine Nährstoffe und Flüssigkeiten aufnehmen kann. Das bezeichnet man dann als funktionelles Kurzdarmsyndrom.

 

Bei Erwachsenen kann die operative Entfernung von Teilen des Darms unter den folgenden Umständen notwendig sein:

  • bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (z. B. Morbus Crohn)
  • bei einem Darminfarkt (akuter Blutgefäßverschluss im Darm)
  • bei einer Krebserkrankung des Darms
  • bei schweren Bauchverletzungen
  • bei Bestrahlungen im Bauchraum aufgrund einer Krebserkrankung
  • bei der intestinalen Pseudoobstruktion, einer seltenen, aber schweren Störung der Beweglichkeit des Darms

 

Bei Kindern können neben Bauchverletzungen auch folgende Erkrankungen dazu beitragen, dass ein Teil des Darms operativ entfernt werden muss:

  • Nekrotisierende Enterokolitis (eine entzündliche Darmerkrankung, die vor allem Frühgeborene betrifft)
  • Darm-Volvulus (eine Darmverdrehung)
  • Morbus Hirschsprung. Dieser ist durch einen fehlerhaften Aufbau des Nervensystems des Darmes charakterisiert. Es fehlen die sogenannten Ganglienzellen innerhalb der Darmwand, deren Aufgabe es im Wesentlichen ist, für eine geordnete Peristaltik und Entleerung des Darmes zu sorgen. Die grundsätzliche Therapie besteht in der chirurgischen Entfernung des Darmabschnitts, der keine Ganglienzellen trägt.
  • Ischämie (ein Darminfarkt) eines Darmabschnitts

 

Im Kindesalter können auch angeborene Fehlbildungen ursächlich für ein Kurzdarmsyndrom sein:

  • Dünndarmatresie. Dabei ist der Dünndarm nicht durchgängig. Diese Erkrankung tritt entweder durch das Fehlen eines Darmanteils (echte „Atresie“) auf oder durch eine Membran, die sich windsackartig in den Darm vorwölbt.
  • Gastroschisis. Das ist eine angeborene Fehlbildung der vorderen Bauchwand. Durch eine Lücke in der Bauchdecke kommt es bereits während der Schwangerschaft zum Vorfall von inneren Bauchorganen des Säuglings nach außen. Die Ursache bzw. die Entstehung der Gastroschisis ist unklar.

Symptome

Die Symptome hängen maßgeblich davon ab,

  • wie viel vom Darm fehlt,
  • welche Darmabschnitte entfernt wurden und
  • wie lange die Operation zurückliegt.

 

Im Dünndarm findet der größte Teil der Verdauung statt. Hier werden Makronährstoffe (Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette) und Mikronährstoffe (Vitamine und Spurenelemente) aufgenommen. Fehlt ein großer Teil davon, können diese Nährstoffe nur schlecht aufgenommen werden.

 

Die Resorption von Wasser und Mineralien (Elektrolyte) erfolgt im Dünn- und im Dickdarm. Eine Reihe von Nährstoffen wird nur in bestimmten Darmabschnitten resorbiert. Vitamin B12 und die Gallensäuren zum Beispiel im unteren Dünndarm (Ileum). Werden diese Darmabschnitte entfernt, kann der restliche Darm diese Aufgabe nicht übernehmen.

 

Die Funktion des oberen Dünndarms (Jejunum) hingegen kann gegebenenfalls von den weiter unten gelegenen Dünndarmabschnitten (Ileum) nach einer Anpassungsphase übernommen werden.

 

Die Folge der mangelhaften Aufnahme von Flüssigkeit und Nährstoffen aus dem Darm (Malabsorption) ist, dass viel Flüssigkeit im Darm verbleibt und schweren Durchfall verursacht. Typischerweise tritt er sofort nach der Operation auf. Als weitere Folge des Flüssigkeitsverlusts kann es zu einem extremen Durstgefühl kommen, das sich nur schwer durch Trinken stillen lässt. Übermäßiges Trinken hilft dabei nicht, da es zu einer Verstärkung des Durchfalls führt.

 

Ohne spezielle Behandlung kommt es durch die Malabsorption schnell zu Gewichtsverlust und zu Symptomen der Mangelernährung, wie beispielsweise Schwäche, Fett- und Muskelschwund. 

 

Der Vitaminmangel kann zudem zu trockener Haut, Knochenerkrankungen, Apathie/Depression, verminderter Wundheilung, vorzeitigen Alterserscheinungen und einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes führen.

Diagnose

Die Diagnose beim Kurzdarmsyndrom ergibt sich über die Ergebnisse der Operation des Magen-Darm-Traktes und der darauffolgenden Ausprägung einer möglichen eingeschränkten Aufnahmefähigkeit von Nährstoffen und Flüssigkeiten über den Darm. Wichtig sind dabei die regelmäßige Untersuchung von Blut und Stuhl sowie die Kontrolle des Körpergewichts.

 

Der Darm ist bis zu einem gewissen Umfang in der Lage, sich selbst zu regenerieren. Die durch eine Operation verursachte reduzierte Aufnahmefähigkeit, kann durch eine optimierte Ernährung oder durch eine Hormonbehandlung wieder erhöht werden. Die Höhe der Darmzotten und die Tiefe der Darmkrypten kann nach einigen Monaten zunehmen und dadurch die Aufnahme der Nährstoffe verbessert werden.

 

Ist das nicht der Fall, da beispielsweise nur noch ein sehr kleiner Teil des Darms übrig ist, kann eine dauerhafte künstliche, parenterale Ernährung erforderlich sein.

 

Der Krankheitsverlauf nach einer Operation ist zwar individuell verschieden, er lässt sich aber grundsätzlich in verschiedene Phasen unterteilen. Jede dieser Phasen erfordert eine unterschiedliche Therapiestrategie.

Therapiemöglichkeiten

So individuell wie der Krankheitsverlauf sein kann, so unterschiedlich gestalten sich auch die Behandlungsmöglichkeiten. Für die Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen und zur Vermeidung von Mangelernährung ist eine ausreichende Nährstoff- und Flüssigkeitsversorgung unerlässlich.

 

Vor allem in der ersten Zeit nach der Darmoperation kann eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, Flüssigkeit und Mineralien häufig nur mit Hilfe von speziellen medikamentösen und ernährungstherapeutischen Maßnahmen gewährleistet werden.

 

  • Chirurgische Maßnahmen

Chirurgische Maßnahmen werden in Form von kleineren Eingriffen eingesetzt um KDS-assoziierte Komplikationen zu reduzieren.

 

  • Ernährungstherapie

Nach einer Darmresektion wird üblicherweise die Optimierung der Diät und der Flüssigkeitsversorgung eingeleitet. Dabei bekommt jeder Patient eine auf seine persönlichen Bedürfnisse abgestimmte Ernährungstherapie. Diese kann enteral/oral oder parenteral (z.B. über die Vene) erfolgen.

 

  • Begleittherapien

Geeignete Begleittherapien sind ein wichtiger Bestandteil in der Therapie. Diese zielen auf die Reduktion akuter und chronische Beschwerden der Patienten ab und sollen die Adaption des Darms fördern.

 

  • Hormontherapie

Schlussendlich kann bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom eine hormonelle Therapie zur Förderung der Darmfunktion in Erwägung gezogen werden. Diese kann die Anpassung der Darmzotten und Darmkrypten fördern und Kurzdarm-Patienten helfen, den Bedarf an parenteraler Ernährung zu reduzieren oder diese ganz abzusetzen.

Unterstützung und Austausch

Das Kurzdarmsyndrom ist eine sehr schwerwiegende Erkrankung, die nicht nur dem Körper viel abverlangt. Auch die Seele kann darunter leiden. Manchen Patienten hilft es, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

 

Eine Möglichkeit dazu bietet die Patientenorganisation "Die chronischen Experten". Diese besteht aus einem Netzwerk für Betroffene mit Kurzdarmsyndrom und deren Angehörige sowie Interessierte: https://www.die-chronischen-experten.at

Freigabenummer: C-ANPROM/AT/SBS/0001

AUTOR


Advertorial


ERSTELLUNGSDATUM


04.12.2020
QUELLEN
1. Jeppesen P. B. et al. Gastroenterology 2012;143(6):1473–1481.
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