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Morbus Basedow

Morbus Basedow der häufigste Grund für eine Schilddrüsenüberfunktion
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Morbus Basedow kann durch eine Ultraschalluntersuchung oder einen Bluttest festgestellt werden. (AnnaVel / Shutterstock.com)

Bei Morbus Basedow handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Antikörper gegen Teile der Schilddrüse produziert.

Morbus Basedow, auch Basedow-Krankheit oder Basedowsche Krankheit genannt, betrifft nicht nur die Schilddrüse sondern kann auch andere Organe befallen. Besonders gefürchtet ist die Mitbeteiligung der Augen.

Namensgebung der Krankheit

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Morbus Basedow von zwei Ärzten unabhängig voneinander beschrieben – in Deutschland von Carl Adolph von Basedow und in England von Robert James Graves. Daher ist die Krankheit im englischen Sprachraum auch als Graves-Krankheit oder Graves’ disease bekannt.

Häufigkeit von Morbus Basedow

Weltweit ist Morbus Basedow die häufigste Ursache für eine Überfunktion der Schilddrüse. Die Autoimmunerkrankung tritt erstmals im Alter zwischen 20 und 50 Jahren auf, wobei mehr als ein Drittel der Betroffenen jünger als 35 Jahre ist. Frauen sind bis zu achtmal häufiger von Morbus Basedow betroffen als Männer.

Ursache von Morbus Basedow

Wie bei allen Autoimmunerkrankungen, ist auch bei Morbus Basedow die Ursache unklar. Fest steht aber, dass die Entstehung des Morbus Basedow nicht auf einen singulären Defekt zurückzuführen ist. Neben erblichen Faktoren spielen vielfältige immunologische Mechanismen sowie psychosoziale Faktoren und Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle.

 

Bei Morbus Basedow bildet das Immunsystem Antikörper gegen die Rezeptoren für das Hormon Thyreotropin (TSH). Diese Antikörper regen die TSH-Rezeptoren dazu an, verstärkt TSH zu produzieren. TSH stimuliert wiederum die Schilddrüse, die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) vermehrt freizusetzen. Dies hat zur Folge, dass es zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommt.

Symptome von Morbus Basedow

Patienten, die an Morbus Basedow erkrankt sind, leiden häufig an Nervosität. Weitere typische Symptome sind:

  • Rastlosigkeit und Händezittern

  • Schlaflosigkeit

  • beschleunigter Puls 

  • Herzrasen

  • Bluthochdruck

  • Schweißausbrüche und Hitzeempfindlichkeit

  • Durchfall

  • Gewichtsverlust

 

Erkrankung der Augen: Endokrine Orbitopathie 

Bei Morbus Basedow kann es auch zu einer Beeinträchtigung der Augen kommen. Erste Anzeichen einer endokrinen Orbitopathie sind:

  • Fremdkörpergefühl und Druck im Auge

  • geschwollene Augenlider

  • tränende Augen

  • Schmerzen bei den Augenbewegungen

  • Lichtempfindlichkeit

 

Außerdem kann es durch eine vermehrte Ansammlung von Lymphozyten in den Augenmuskeln und im Fettgewebe der Augenhöhlen zu einer Verdrängung der Augen aus den Augenhöhlen kommen und hervorstehende Augen verursachen.

Diagnose von Morbus Basedow

Die Autoimmunerkrankung kann sowohl durch eine Ultraschalluntersuchung, als auch durch einen Bluttest diagnostiziert werden. Dabei spielen die TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) eine wichtige Rolle. Ein erhöhter TRAK-Wert ist ein sicherer Hinweis auf die Erkrankung. Des Weiteren können auch die Thyreoperoxidase-Antikörper erhöht sein.

Therapie bei Morbus Basedow

Behandlung einer Überproduktion der Schilddrüsenhormone

Um die Bildung der Schilddrüsenhormone zu bremsen, bekommt der Patient Medikamente, sogenannte "Thyreostatika". Die Behandlung mit Thyreostatika führt jedoch in Einzelfällen zu Nebenwirkungen. Diese können von Hautausschlägen, Magen-Darm-Problemen und Juckreiz bis zu einem erhöhten Leberwert reichen. In seltenen Fällen kommt es zu einer Verminderung der weißen Blutzellen, sodass regelmäßig eine ärztliche Kontrolle empfohlen wird.
 

Radiojodtherapie oder operative Entfernung der Schilddrüse

Stellt sich durch die Medikamente keine Besserung ein oder kommt es zu einem Wiederauftreten der Beschwerden, wird eine Radiojodtherapie oder eine operative Entfernung der Schilddrüse empfohlen. Diese Eingriffe sollten jedoch gut überlegt sein, da sie eine Schilddrüsenunterfunktion zur Folge haben, die lebenslang mit Schilddrüsenhormontabletten behandelt werden muss.

 

Ziel der Schilddrüsenoperation ist es, das gesamte kranke Gewebe zu entfernen, die umliegenden Strukturen jedoch zu erhalten. Während der Operation kann es zu Risiken kommen. So besteht die Gefahr, dass der Stimmbandnerv verletzt wird. Dadurch kann es zu einer Lähmung der Stimmbänder kommen, die vorübergehend oder lebenslang zu Heiserkeit führt.

 

Des Weiteren kann es zu einer Verletzung der Nebenschilddrüsen kommen, die unter anderem für den Kalziumhaushalt im Körper verantwortlich sind. Bei einer Beschädigung kann der Kalziumspiegel im Blut nicht mehr aufrechterhalten werden. Ist dies der Fall, muss der Patient in den ersten Tagen nach der Operation Kalziumtabletten einnehmen.

 

Obwohl die Operation sehr speziell ist, wird sie von Fachleuten heutzutage sehr schonend und erfolgreich durchgeführt. Die Komplikationsrate bei Schilddrüsenoperationen ist gering. 

 

Bei der Radiojodtherapie wird eine Kapsel mit radioaktivem Jod-131 verabreicht. Dieses Medikament wird in der Schilddrüse gespeichert und zerstört durch Beta-Strahlen gezielt jene Zellen, die zu viele Schilddrüsenhormone produzieren.

 

Eine Radiojodtherapie wird nicht bei schwangeren und stillenden Frauen durchgeführt.

 

Behandlung der Augen bei Morbus Basedow

Abhängig vom Schweregrad der endokrinen Orbitopathie verschreibt der Arzt über mehrere Wochen Kortisonpräparate. Bei Morbus Basedow mit Augenerkrankung können sich die Beschwerden durch eine Radiojodtherapie verschlechtern. Daher wird in diesem Fall individuell entschieden, ob diese eine geeignete Therapiemöglichkeit ist.

AUTOR


Carola Bachbauer, BA
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


11.02.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Wolf
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Wolf
Foto (c): Med Uni Graz
Oberarzt, Allgemeinchirurgie, Medizinische Universität Graz

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