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Was ist Diabetes?

Mann misst Blutzucker
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Rund 30.000 Personen sind in Österreich von einem Typ-1-Diabetes betroffen. (Maya Kruchankova / Shutterstock.com)

Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch chronisch erhöhten Blutzuckerwerten gekennzeichnet ist. Dazu kommt es, wenn die Wirkung des Hormons Insulin eingeschränkt ist (wie meist bei Diabetes Typ 2) oder Insulin nicht produziert werden kann (wie bei Diabetes Typ 1).

Etwa 800.000 Menschen sind in Österreich an Diabetes erkrankt, 700.000 davon leiden an einem Diabetes mellitus Typ 2, etwa 20% wissen nichts von ihrer Diagnose, da moderat erhöhte Blutzuckerwerte wie sie häufig bei Diabetes mellitus Typ 2 vorliegen lange keine Symptome verursachen. Erste Anzeichen können Konzentrationsschwäche, starker Durst und ständiger Harndrang sein, verschiedene Blutzuckertests bringen Klarheit. Eine Behandlung von Diabetes ist unbedingt notwendig, da es sonst zu schweren Schädigungen im Bereich verschiedener Organe kommt.

Video: Alles was man über Diabetes wissen sollte

Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser (Stv. Direktorin, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Innsbruck) erklärt, worauf Diabetiker besonders achten sollten und warum die Krankheit immer noch unterschätzt wird. (Webinar, 14.4.2021)

Wie häufig ist Diabetes?

Von Diabetes Typ 1 sind in Österreich zirka 30.000 Menschen betroffen, 1600 davon Schulkinder, von Typ 2 sind etwa 700.000 Personen betroffen. Typ 1 Diabetes mellitus tritt meist im Kindes- oder Jugendalter auf, Typ 2 Diabetes typischerweise im Erwachsenenalter, bei den meisten ab dem 50. Lebensjahr. Etwa jede 10. Schwangere erkrankt an Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).

Wie kommt es zu Diabetes?

Insulin hat die Aufgabe, den Zucker, der durch den Abbau von Nahrung entsteht, aus der Blutbahn in die Zellen zu transportieren. Wird der Blutzuckerspiegel aufgrund eines Insulinmangels oder fehlender Wirkung nicht mehr ausreichend reguliert, so können sich schwere Erkrankungen wie HerzinfarktSchlaganfall, Nierenversagen oder Erblindung entwickeln.

Welche Diabetes-Typen gibt es?

Es gibt viele verschiedene Diabetesarten, am häufigsten sind Typ1 und Typ 2 Diabetes.

 

Diabetes Typ 1 (zirka 5 % der Erkrankten)

Durch eine (Autoimmun-) Erkrankung werden die Insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, der Körper kann kein Insulin mehr produzieren: Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 sind auf eine Insulintherapie angewiesen, diese kann durch mehrfach tägliche Spritzen oder in Form einer Insulinpumpe verabreicht werden. Sehr häufig tritt diese Diabetesform im Kindes- oder Jugenalter auf.

 

Diabetes Typ 2 (zirka 90 % der Erkrankten)

Zwar ist (zumindest zu Beginn der Erkrankung) ausreichend Insulin vorhanden, es ist aber in seiner Wirkung eingeschränkt. Die Bauchspeicheldrüse muss immer mehr Insulin produzieren, um den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu schleusen – bis die Zellen in der Bauchspeicheldrüse schließlich erschöpfen. Der Blutzuckerspiegel im Blut bleibt hoch, viele Organe können geschädigt werden. Zudem liegen häufig andere Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen vor, die sich ebenfalls schädlich auf Gefäße auswirken können. Für Typ 2 Diabetes besteht eine erbliche Veranlagung. Übergewicht, ungesunde Ernährung, Nikotin und mangelnde Bewegung erhöhen das Erkrankungsrisiko.

 

Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes haben ebenso ein deutlich erhöhtes Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken.

Diabetes in der Schwangerschaft

Eine Sonderform ist der Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Bedingt durch die hormonelle Umstellung erkrankt jede zehnte schwangere Frau daran, nach der Entbindung normalisiert sich der Blutzuckerspiegel in den meisten Fällen wieder. Allerdings ist bei Betroffenen und deren Kindern das Risiko höher, mit den Jahren an Diabetes Typ 2 zu erkranken. 

Welche Symptome verursacht Diabetes?

Lange Zeit verursacht der ständig erhöhte Blutzucker keine Beschwerden, allerdings greift er Gefäße, Nerven, Augenhintergrund, Nieren, Leber und Herz an. Erste Anzeichen dieser Schädigung können Kribbeln in den Beinen, verstärkter Durst, bleierne Müdigkeit oder auch auffallender Konzentrationsmangel sein. Bei Typ 1 Diabetes kann es aufgrund des raschen und deutlichen Anstiegs des Blutzuckers bei Krankheitsbeginn zu starken Symptomen wie starker Harndrang, Durst, Gewichtsverlust oder Gedeihstörungen bei Kindern kommen.

Wie wird Diabetes diagnostiziert?

Mit Hilfe von Blutzuckermessungen (morgens nüchtern) und des sogenannten HbA1c Wertes. Dazu wird Blut aus der Vene entnommen, der Blutzucker wird im Blutplasma gemessen. Dabei sollte der ermittelte Wert unter 100 mg/dl liegen. Diabetes liegt vor, wenn der Nüchternblutzuckerwert (mehrmals gemessen) über 126 mg/dl liegt. Für den Schwangerschaftsdiabetes gelten andere Grenzwerte.

 

Es gibt auch die Möglichkeit eines Zuckerbelastungstests bzw. einer Messung des Blutzuckerwertes (nach Einnahme einer Mahlzeit). Liegen die Werte über 200 mg/dl, so spricht das auch für das Vorliegen eines Diabetes.

 

Der Hämoglobin A1c-Wert (HbA1c) Wert wird ebenfalls im Blut bestimmt, ein Wert von größer oder gleich 6,5% deutet auf einen Diabetes hin und erfordert weitere Abklärung.

Welche Therapie gibt es für Diabetes?

Typ 1-Diabetiker müssen sofort nach der Diagnosestellung beginnen, Insulin zu spritzen. Für die Behandlung des Typ 2 Diabetes stehen abgesehen von Lebensstilmaßnahmen verschiedene Medikamente in Tabletten oder Spritzenform zur Verfügung. Die Lebensstilmaßnahmen umfassen neben körperlicher Bewegung, Nikotinkarenz auch eine mediterrane Kost.

Warum ist eine rasche Behandlung von Diabetes so wichtig?

Dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigen zahlreiche Gewebe oder Organe, wie zum Beispiel Gefäße, Herz, Niere, Auge, Leber und Nerven. Deshalb kann es bei schlechter Blutzuckerkontrolle über längere Zeit zu Gefäßverkalkung, Nervenschädigungen, Erblindung, Nierenversagen oder auch Herzschwäche kommen. Vor allem im Bereich der Füße kann es zu offenen Stellen kommen (diabetisches Fußsyndrom), die über lange Zeit nicht abheilen, im schlimmsten Fall kann eine Amputation notwendig werden. Auch Schlaganfall und Herzinfarkt treten beim Diabetiker 2 bis 3 Mal häufiger auf als bei Menschen ohne Diabetes.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Wichtig sind regelmäßige Untersuchungen beim Arzt und auch Selbstkontrollen des Blutzuckerspiegels, des Blutdrucks und des Gewichts. Bei Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 zählt auch eine Gewichtsreduktion genauso zum Therapieplan wie die Einnahme der verordneten Medikamente. Gelingt es beispielsweise, das Cholesterin bei Diabetikern konsequent zu senken, so können Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich reduziert werden.

AUTOR


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


06.03.2017 / 30.06.2021
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser
Foto (c): Wild und Team, Salzburg
Stellvertretende Direktorin der Universitätsklinik für Innere Medizin I Innsbruck, Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft
QUELLEN
Pressekonferenz der Österreichischen Diabetes Gesellschaft: "Weltgesundheitstag Diabetes 2016 - Diabetes im Focus der WHO, April 2016 in Wien
M. Roden: Diabetes mellitus – Definition, Klassifikation und Diagnose. In: Klinische Wochenschrift 2012; 124 [Suppl 2]: 1-3
A. Kautzky-Willer, D. Bancher-Todesca et al.: Gestationsdiabetes (GDM). In: Wiener Klinische Wochenschrift 2012; 124 [Suppl 2]: 58-65
Diabetes Manual, M. Müller-Korbsch, Verlagshaus der Ärzte, 1. Auflage, Wien, 2010