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Frauen haben schlechtere Zähne als Männer

Frau mit schönem Lächeln putzt ihre Zähne
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Frauen haben trotz intensiverer Pflege schlechtere Zähne als Männer. (YakobchukOlena / Fotolia.com)

Frauen haben häufiger Zahnschäden als Männer. Sozioökonomische aber auch biologische Hintergründe werden damit in Zusammenhang gebracht. 

Frauen rauchen und trinken weniger, haben auch seltener chronische Erkrankungen und letzten Endes dadurch eine höhere Lebenserwartung als Männer. Für die Zahngesundheit gilt das allerdings nicht. Frauen sind anfälliger für Zahnschäden wie Karies und Erosionen, leiden jedoch seltener an Parodontitis. Die Geschlechtsunterschiede in Bezug auf die Mundgesundheit sind wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht. An der Pflege dürfte es jedenfalls liegen, denn Studien zufolge sind Frauen bei der Mundhygiene insgesamt gründlicher als Männer. Viele Diskrepanzen werden auf die Biologie – Stichwort veränderter hormoneller Status oder aber auch früherer Zahndurchbruch –, andere auf Verhaltensweisen und Risikofaktoren zurückgeführt.

 

Der Risikofaktor Rauchen schlägt sich in höheren Parodontitiszahlen bei Männern nieder. Durch das zurückweichende Zahnfleisch steigt bei Männern auch die Wurzelkariesgefahr. Frauen wiederum scheinen durch soziale Ungleichheit hinsichtlich Einkünfte und Armutsgefährdung in der Zahngesundheit benachteiligt zu sein. Validierte Studien sind derzeit jedoch Mangelware.

Frauen: Risiko in Pubertät und Schwangerschaft

Frauen und Männer haben unterschiedliche Hormonhaushalte. Dass Hormone eine Teilursache für schlechtere Zähne sein könnten, zeigt sich ungefähr ab dem 15. Lebensjahr. Bis dahin gibt es zwischen Jungen und Mädchen keine Unterschiede, was den Zustand der Zahngesundheit betrifft. Eine hormonbedingte Beeinträchtigung der Mundgesundheit kann jedoch nicht nur im Laufe der weiblichen Pubertät, sondern auch später im Rahmen der Schwangerschaft auftreten.

 

Grund dafür ist, dass sich im Zahnfleisch Hormonrezeptoren befinden, die empfindlich auf die Schwangerschaftshormone Progesteron und Östrogen reagieren. Blutungen und Entzündungen bei gleichzeitiger mangelnder Plaquekontrolle sind die Folge. Das häufige Erbrechen, wie es im 1. Schwangerschaftsdrittel gelegentlich auftritt, schädigt den Zahnschmelz. Dies wird auch bei der Essbrechsucht (Bulimie) beobachtet.

Gefährdete Mundgesundheit nach den Wechseljahren

Speichel in ausreichender Menge ist für die Mundgesundheit wesentlich. Einerseits trägt er zur Remineralisation bei, andererseits befeuchtet er die Schleimhäute, spült Speisereste und Bakterien weg und hält das orale Mikrobiom durch verschiedene Peptide und Faktoren im Gleichgewicht. Frauen produzieren in der Menopause aufgrund von Östrogenmangel oft zu wenig Speichel – ein Umstand, der Kariesentstehung begünstigen kann.

 

Postmenopausal lässt sich auch ein häufigeres Auftreten von Autoimmunerkrankungen beobachten, wie z.B. von oralem Lichen planus. Dieser ist insofern alarmierend, als einige Sonderformen des Lichen planus auch entarten können, weshalb regelmäßige Kontrollen absolut erforderlich sind.

AUTOR


Alexander Petz


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


26.08.2014 / 03.12.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. med. dent. Hady Haririan PhD, MSc
Foto (c): Universitätszahnklinik Wien
Spezialist für Parodontologie der ÖGP
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