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Wenn Angst und Panik das Leben bestimmen

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Wenn Angst das Leben bestimmt ohne dass eine tatsächliche Bedrohung vorliegt, dann spricht man von einer krankhaften Angststörung. (Photographee.eu/Shutterstock.com)

Angst, wie sie jeder kennt, ist prinzipiell nichts Negatives. Zu einer echten Belastung wird sie jedoch, wenn sie ohne wirkliche Bedrohung die Kontrolle übernimmt.

Angst kennt jeder von uns. Und so war es auch am letzten MINI MED-Studienabend am vergangenen Dienstag nicht weiter verwunderlich, dass am 8. Jänner nahezu sämtliche Plätze des Festsaals der Wirtschaftskammer Burgenland besetzt waren. Die Vortragende, Dr. Ines Paul, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt, präsentierte die neuesten wissenschaftlichen Daten zum Thema Angst und vermittelte allen Interessierten sehr einfühlsam und verständlich wissenswerte Inhalte.

 

Angst, wie sie jeder kennt, ist prinzipiell nichts Negatives. Die Evolution hat diesen Mechanismus in uns Menschen angelegt, damit wir überleben können. Flucht oder Kampf, lautete das evolutionäre Programm dazu. Doch da wir uns heute weder vor wilden Tieren noch vor überraschenden Angriffen durch andere Stämme fürchten müssen, bleibt die Frage: Was schürt die Angst in uns? Kindheitstraumata, Existenzängste oder Sorgen, die zu Ängsten werden, verursachen diffuse Ängste, die mehr als 61,5 Millionen Menschen in der EU, in Island, Norwegen und der Schweiz quälen.

Unterschiedliche Ausprägungen

„Zu den Angststörungen zählen Panikstörungen, die generalisierte Angststörung, die Agoraphobie, die soziale Angststörung und die Spezifischen Phobien“, nennt Ines Paul die unterschiedlichen Ausprägungen der Angst. Wenn Angst oder Panik das Leben bestimmt, man seinen Alltag deswegen nur mehr schwer bewältigen kann, aber eine tatsächliche Bedrohung durch äußere Faktoren fehlt, dann spricht man von einer pathologischen – also krankhaften – Angst oder einer Angststörung.

 

Es gibt vielfältige Auslöser und niemals ist nur ein einziger Faktor „schuld“ an einer Angststörung. „Gründe für Ängste oder eine Angststörung umfassen u. a. psychosoziale Faktoren, Veranlagung, ein vorangegangenes Trauma oder akuten oder chronischen Stress. Aber auch körperliche Faktoren wie Störungen der Schilddrüsenfunktion, der Nebenniere, körperliche Erkrankungen oder auch Medikamente (Insulin, Schilddrüsenhormone) können zu Ängsten führen.

Zu den Angststörungen zählen Panikstörungen, die generalisierte Angststörung, die Agoraphobie, die soziale Angststörung und die Spezifischen Phobien.

Dr. Ines Paul
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt.

Foto: Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt

Geduld und Gespräche

Oft ist es ein langer Weg bis zur exakten Diagnose, „vor allem wenn vom Hausarzt festgestellt wird, dass der Betroffene körperlich gesund ist“, so Paul. In diesem Fall kann ein Facharzt für Psychiatrie helfen. Eine ausführliche Anamnese bzw. ein längeres Gespräch kann eine große Entscheidungshilfe bei der Frage sein, ob der Betroffene eine Behandlung in Anspruch nehmen sollte. Zur Verfügung stehen Psychotherapie und/oder Pharmakotherapie.

 

Im Bereich der Psychotherapie hat sich die Kognitive Verhaltenstherapie (bei spezifischen Angststörungen die einzige wirksame Therapie) als hilfreich erwiesen. Sie zielt darauf ab, die Angstsituationen mithilfe von Expositionsübungen (Verhaltensexperimenten) zu bewältigen, denn Angststörungen resultieren aus unzureichender Bewältigungskompetenz. Ratsam ist in jedem Fall eine medikamentöse Therapie, denn „eine Behandlung mit Antidepressiva wirkt gut und hat kaum Nebenwirkungen“, so die Medizinerin Ines Paul. Sie empfiehlt, zur Diagnose einen Facharzt heranzuziehenden, der eine somatische Erkrankung ausschließen und anhand der richtigen Diagnose einen individuellen Therapieweg ermitteln kann.

 

Einen Videomitschnitt zum Nachhören des gesamten Vortrags finden Sie hier.

Dr. Ines Paul bei Ihrem MINI MED-Vortrag in Eisenstadt. (MINI MED)

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


15.01.2019

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